1.217 Arbeitsplätze sind beim Pharmaunternehmen Glaxo-Smith-Kline in der Wallonie bedroht. Das gab das Unternehmen am Mittwochmorgen im Rahmen in einer außerordentlichen Betriebsratsversammlung bekannt. Betroffen sind vor allem Führungskräfte und Angestellte. Arbeiter in der Produktion sollen nicht betroffen sein.
1.217 Arbeitsplätze beim Pharmakonzern GSK, einem der größten Arbeitgeber in der Wallonie, in Gefahr
Der britische Pharmariese Glaxo-Smith-Kline ist einer der wichtigsten Arbeitgeber in Wallonien mit Standorten in Wavre und Rixensart in Wallonisch-Brabant sowie in Gembloux in der Provinz Namür. Das Unternehmen beschäftigt 8.500 Mitarbeiter.
1.217 dieser Arbeitsplätze sind akut gefährdet, wie das Pharmaunternehmen in seinen Umstrukturierungsplänen vorsieht. „Das bedeutet einen sehr großen Stellenabbau“, so VRT-NWS-Journalist Steven Rombaut: „Die Gewerkschaften befürchteten einen Verlust von etwa 800 Stellen. Mit 1.217 sind das jedoch deutlich mehr als erwartet.“
Arbeiter bleiben verschont
Vorrangig betroffen sind Büroangestellte und Führungskader. 482 Bürostellen und 735 Führungspositionen werden abgebaut. Das betrifft Beschäftigte mit unbefristeten Verträgen, deren Arbeitsplätze in den nächsten beiden Jahren ihre Arbeitsplätze abgebaut werden. Die Produktionsmitarbeiter sind nicht betroffen.
Die Umstrukturierung betrifft die Bereiche Forschung und Entwicklung, Produktion und internationale Unterstützung. GKS erklärte, man wolle seine Ressourcen auf die vielversprechendsten Medikamente und Impfstoffe konzentrieren. Das bedeutet wohl, dass man dort immer weniger auf die eigentlich zur Stärke des Konzerns gehörenden Impfstoffe setzen wird.
Zudem strebt der britische Pharmakonzern eine Vereinfachung der Organisation sowie eine effizientere und wettbewerbsfähigere Arbeitsweise an.
Auch nach der Umstrukturierung bleibt GSK der größte pharmazeutische Arbeitgeber in Belgien. GSK Belgien werde weiterhin eine Schlüsselrolle innerhalb des Konzerns spielen, hieß es in einer Erklärung des Unternehmens.
Premier De Wever trifft GSK-Gewerkschaftler
Premierminister Bart De Wever (N-VA, flämische Nationaldemokraten) hat noch am Mittwoch die Gewerkschaften von GSK Belgien empfangen. Er sicherte ihnen zu, dass weitere Gespräche mit der Unternehmensleitung geführt werden, damit GSK weiter im Land bleibt. Auch die wallonische Regionalregierung sucht Gespräche mit dem Unternehmen.
Arbeitsminister Clarinval warnt vor einem Weggang der Pharmaindustrie
Die Umstrukturierung bei GSK sorgt auch in der Belgischen Regierung für Besorgnis. Bundesarbeitsminister David Clarinval (MR, frankophone Liberale) fordert jetzt deutliche und schnelle Maßnahmen zur Stärkung der Pharmaindustrie in unserem Land. Andernfalls könnten weitere internationale Unternehmen aus diesem Sektor ihre Aktivitäten in Belgien herunterfahren. Clarinval fordert entsprechende Anpassungen im Gesundheitswesen und bei der Besteuerung von Pharmaunternehmen.
Größte mögliche Massenentlassung des Jahres
Es handelt sich hier um die mit Abstand größte Ankündigung einer Massenentlassung in diesem Jahr. Dies geht aus Zahlen des Bundesministeriums für Beschäftigung, Arbeit und sozialen Dialog hervor, wie die Nachrichtenagentur Belga meldet. Auch bei Nike in Laakdal (736 Mitarbeiter), UPS Belgien in Machelen (525 Mitarbeiter) und H&M Logistics in Mons (440 Mitarbeiter) gingen dieses Jahr viele Arbeitsplätze verloren.
Es handelt sich zudem um den größten Stellenabbau seit der Warenhausgruppe Cora. Das Unternehmen kündigte im April 2025 die Schließung seiner sieben Hypermärkte an, wodurch 1.777 Arbeitsplätze gefährdet sind.
Den größten Stellenabbau verzeichnete einst Ford
Die Umstrukturierung bei GSK ist jedoch bei Weitem nicht der größte Schlag, den Arbeitnehmer in unserem Land verkraften mussten. Sie zählt nicht zu den 10 größten Ankündigungen der letzten Jahre.
Der größte Fall in Belgien seit 2010 war der des Automobilherstellers Ford, der im Oktober 2012 die Schließung des Werks in Genk in Limburg beschloss und die geplante Massenentlassung von 4.264 Mitarbeitern ankündigte. Zwei weitere Automobilwerke - Audi Brüssel und Opel Antwerpen - belegen mit 2.920 bzw. 2.612 bedrohten Arbeitsplätzen (im Jahr 2024 bzw. 2010) die Plätze drei und vier.
Die Handelskette Carrefour belegt den 2. Platz. Im Juni 2010 wurde die Absicht bekannt gegeben, 3.363 Mitarbeiter in den Hypermärkten zu entlassen. Auf Platz 5 folgt ein weiterer Einzelhändler: Delhaize Belgien, wo im Juni 2014 2.500 Arbeitsplätze gefährdet waren.
