Das flämische Rot-Braune Bier - ein für die belgische Provinz Westflandern typisches, leicht säuerliches Bier - ist jetzt auch auf EU-Ebene ein geografisch regional geschütztes Produkt und genießt den als g.g.A.-Zertifizierung bekannten Regionalschutz. Die Europäische Kommission hat vor einigen Tagen die Qualität und den besonderen Charakter dieses Bieres, das vorwiegend in Westflandern gebraut wird, anerkannt. Diese europäische Anerkennung ermöglicht den Erzeugern, ihr Bier auch auf dem internationalen Markt besser zu vermarkten und zu bewerben.
Westflämisches Rot-Braunes Bier: Erstes belgisches Bier mit geografischem Regionalschutz
Das flämische Rot-Braune Bier wird aus Gerstenmalz, Hefe, Getreide, vergärbarem Zucke, Milchsäurebakterien, lokalem Brauwasser und Hopfen hergestellt. Je nach gewünschtem Geschmacksprofil können die Brauer auch Gewürze oder rote Früchte hinzufügen. Farbstoffe werden hier nicht vermischt. Zudem reift es monatelang in Eichenholzfässern, wodurch Gerbstoffe (Tannine) und Holz-Aromen in das Bier übergehen.
Das Bier entsteht durch Mischgärung und besteht in der Regel aus 75 % Jungbier und 25 % Bier, das mehrere Monate in Eichenfässern - traditionell „Foeders“ genannt - gereift ist. „Dieses besondere Reifungsverfahren ist einzigartig in der belgischen Braukultur und verleiht dem Bier seinen typischen, leicht säuerlichen Geschmack“, betont die EU-Kommission in einer Mitteilung zu dieser Anerkennung.
Die Brautradition, auf der diese Spezialität beruht, ist schon sehr alt. Die älteste bekannte Beschreibung aus Westflandern stammt jedoch „erst“ aus dem Jahr 1851. „Das flämische Rot-Braune Bier stützt sich auf eine sehr lange Brautradition und das Know-how der lokalen Brauer. Sein Ruf ist untrennbar mit den spezifischen Eigenschaften des Produkts verbunden“, unterstreicht die Europäische Kommission weiter.
Zahlreiche rot-braune Biere in Westflandern
Das flämische Rot-Braune Bier war bereits als regionales Produkt aus Westflandern anerkannt, wo es hauptsächlich gebraut wird. Das bekannteste Beispiel ist zweifellos das Rodenbach, das von der gleichnamigen Brauerei in Roeselare (Roulers) hergestellt wird. Es gibt jedoch zahlreiche weitere Sorten, wie etwa die „Duchesse de Bourgogne“ der Brauerei Verhaeghe in Vichte oder das „Vander Ghinste Roodbruin“ der Brauerei Omer Vander Ghinste in Bellegem.
Zu nennen sind außerdem das „Ichtegem’s Grand Cru“ der Brauerei Strubbe in Ichtegem, das „Petrus Roodbruin“ der Brauerei De Brabandere in Harelbeke, das „Oud Bruin“ der Brauerei ’t Verzet in Anzegem und das „XII Flemish Red Ale“ der Brauerei SOSAB in Kortrijk.
Die Erlangung des EU-Regionalschutzes ist das Ergebnis eines rund fünfzehnjährigen Verfahrens. Acht Brauereien hatten sich zusammengeschlossen, um diese europäische Anerkennung zu erreichen: Rodenbach, Verhaeghe, De Brabandere, Omer Vander Ghinste, Strubbe, Vanhonsebrouck, The Brew Society und ’t Verzet. Sie gründeten den „Hohen Rat für authentische flämische rot-braune Biere“ („Hoge Raad voor de Authentieke Vlaamse Rood Bruine Bieren“), um ihre Interessen zu vertreten und diese Anerkennung zu erwirken.
20 geschützte belgische Produkte
Mit dieser Anerkennung reiht sich das flämische rot-braune Bier in die europäische Liste der geschützten geografischen Angaben (g.g.A.) und geschützten Ursprungsbezeichnungen (g.U.) ein der Europäischen Union, die mehr als 3.900 Produkte umfasst. In Belgien genießen 20 solcher Produkte diesen Regionalschutz, darunter die „Mattentaart“ aus Geraardsbergen, der Limburger Reisfladen („Rijstevlaai“) oder der Brüsseler Freiland-Chicorée.
„Die Anerkennung als regional geschütztes Produkt ermöglicht es den Verbrauchern, diese Produkte zu erkennen und auf deren Qualität zu vertrauen. Zudem können die Erzeuger sie so besser vermarkten“, erklärt die Europäische Kommission.
Das flämische Rotbraunbier ist zudem das erste belgische Bier, das eine solche g.g.A.-Zertifizierung (geschützte geografische Angabe) erhält. In Deutschland genießen bereits seit rund drei Jahrzehnten verschiedene Biere diesen Schutz – darunter bayerische Biere sowie Spezialitäten aus Dortmund, Köln und Bremen. Auch tschechische, litauische und sogar englische Biere (aus der Grafschaft Kent) sind geschützt.
Weitere EU-Bieranerkennung
Zwei belgische Biere verfügen bereits über eine andere europäische Anerkennung: die „garantiert traditionelle Spezialität“ (g.t.S.). Dabei handelt es sich um das „Oude Geuze“ und das „Oude Kriek“, die seit 1997 geschützt sind. Im Gegensatz zur g.g.A. schützt die g.t.S. nicht ein an ein bestimmtes geografisches Gebiet gebundenes Produkt, sondern ein traditionelles Herstellungsverfahren oder eine traditionelle Zusammensetzung.
In den vergangenen Jahren hatten sich zudem mehrere belgische Brauereien dafür eingesetzt, auch für zwei weitere Bierstile - das „Belgische Spezialbier“ (Spéciale Belge) und das „Saison“ einen europäischen Schutz zu erlangen. Diese beiden Vorhaben werden jedoch derzeit nicht weiterverfolgt. Generell gehört die belgische Bierkultur seit einigen Jahren zum UNESCO-Kulturerbe.
