Von besserer Unterstützung für junge Krebspatienten bis hin zu spezialisierten Zentren für komplexe Tumore: Die belgische Bundesregierung will die Krebsversorgung in den nächsten zehn Jahren neu organisieren. Der neue Krebsplan von Bundesgesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit, flämische Nationaldemokraten) umfasst 34 Maßnahmen.
Der neue Krebsplan in Belgien: Bessere Unterstützung für junge Patienten und Experten beraten Ärzte
Jedes Jahr bekommen in Belgien mehr als 77.000 Menschen die Diagnose Krebs. Und diese Zahl wird bis mindestens 2035 weiter steigen. „Es gibt einfach immer mehr ältere Belgier“, sagt Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke dazu: „Deshalb führt die föderale Regierung einen neuen Krebsplan ein, der die Weichen für die nächsten zehn Jahre stellt.“
Der Plan konzentriert sich auf Prävention, Früherkennung und hochwertige, innovative Behandlungen. Besonderes Augenmerk liegt zudem auf der Bündelung von Fachwissen und einer bedarfsgerechten Versorgung von Kindern und Jugendlichen, einschließlich der Nachsorge. Der Krebsplan 2026–2036 ist Teil der Koalitionsvereinbarung der Bundesregierung. Dieses ambitionierte Vorhaben wurde bei seiner Bekanntgabe unter anderem von der belgischen Stiftung gegen Krebs begrüßt, da der bisherige Plan fast 20 Jahre alt ist.
Maßgeschneiderte Versorgung auch für junge Menschen und Kinder
„Hinter jeder Krebsdiagnose stehen ein Mensch, eine Familie und sein Umfeld“, sagt Vandenbroucke: „Jede Krebsbehandlung bringt Fragen und Sorgen, aber auch Hoffnung mit sich. Dieser Krebsplan geht von dieser menschlichen Realität aus. Das Ziel ist klar: eine gut organisierte, zugängliche und humane Krebsversorgung.“
Deshalb legt der neue Plan unter anderem besonderen Wert auf die maßgeschneiderte Versorgung junger Menschen. Das bestehende AYA-Netzwerk („Jugendliche und junge Erwachsene“) wird ausgebaut. Dadurch wird sichergestellt, dass junge Erwachsene mit einer Krebsdiagnose bessere Unterstützung in Bezug auf Studium, Beruf und Familienplanung erhalten.
Auch für jüngere Kinder werden Anstrengungen unternommen, die pädiatrische Krebsversorgung stärker in spezialisierten Zentren zu konzentrieren.
Komplexe Krebserkrankungen
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf komplexen Krebserkrankungen. Damit reagiert die Regierung auf eine Forderung der Initiative „Kom op tegen Kanker“ (etwa „Steh auf gegen Krebs). „Nicht jedes Krankenhaus kann seltene und komplexe Krebserkrankungen behandeln“, schrieb die Organisation in einem offenen Brief im vergangenen Sommer.
Die Regierung erkennt dieses Problem und will sich daher auf eine „intelligent organisierte Versorgung“ konzentrieren: „Wenn möglich wohnortnah, wo nötig spezialisiert.“ Für komplexe Behandlungen, die spezialisierte Expertise erfordern, wird die Versorgung in spezialisierten Referenzzentren erfolgen.
Für einige Krebsarten - beispielsweise Kopf-Hals-Tumore oder Speiseröhrenkrebs - existieren solche Zentren bereits. RIZIV, das Landesamt für Kranken- und Invaliditätsversicherung, wird gemeinsam mit Experten prüfen, für welche anderen seltenen oder komplexen Krebserkrankungen ähnliche Zentren eingerichtet werden können.
Zusätzlich wird ein nationales Expertengremium eingerichtet, das die behandelnden Ärzte bei schwierigen Behandlungsentscheidungen unterstützt. „Führende Experten aus dem ganzen Land werden zusammenkommen, um in ganz spezifischen Fällen die bestmögliche Beratung zu geben, damit die optimale Behandlung eingeleitet werden kann“, erklärt Vandenbroucke. Lungen- und Hautkrebs
Prävention ist Ländersache
Im Bereich der Prävention kann die Bundesregierung selbst nur wenig tun, da dies in die Zuständigkeit der Länder und Regionen in Belgien fällt.
Die Regierung unterstützt die Regionen jedoch bei der Verbesserung von Vorsorgeuntersuchungen und Präventionsmaßnahmen. In diesem Zusammenhang wird geprüft, ob ein bevölkerungsweites Screening-Programm die Früherkennung von Lungenkrebs verbessern kann. Solche Programme existieren bereits unter anderem für Brust- und Darmkrebs.
Um die Maßnahmen gegen Hautkrebs zu verstärken, wird die Regierung mit den Ministern der Regionen die Vorschriften für Solarien verschärfen.
