Am Mittwochabend gegen 22 Uhr ereignete sich in Ruiselede, einer Teilgemeinde von Wingene in Westflandern unweit der Provinzgrenze zu Ostflandern ein leichtes Erdbeben. Laut der Königlichen Sternwarte hatte es eine Stärke von 1,9 auf der Richter-Skala.
Leichtes Erdbeben schreckt die idyllische Ortschaft Ruiselede in Flandern auf
Viele Menschen spürten das Beben oder hörten einen lauten Knall. Auch Lieven Huys (CD&V wzr-rkd), der Bürgermeister von Ruiselede, hörte während einer Sitzung einen Knall: „Irgendwann hörten wir einen lauten Knall. Wir saßen zu viert am Tisch und fragten uns gegenseitig: ‚Was war das?‘ Meine Frau meinte, es sei wahrscheinlich ein Lastwagen gewesen.“
Einige Einwohner des idyllischen Ortes (Video) sprachen von einem „rammelnden Lastwagen“, von einem „Donnerschlag“ oder gar von einer „Explosion“.
Solche leichten Erdbeben kommen in Belgien etwa zehnmal im Jahr vor, sind aber normalerweise nicht spürbar. In Westflandern sind sie ungewöhnlich. Da dieses Ereignis dort so selten ist, gingen über 600 Meldungen bei den lokalen Behörden ein.
Auch in einigen Nachbargemeinden, wie z.B. Meulebeke, Izegem und Ardooie oder sogar in Ostflandern, war dieses leichte Beben spürbar. Nach Angaben der Königlichen Sternenwarte ist dies das erste registrierte Erdbeben in dieser Region seit 2011 gewesen.
Wie außergewöhnlich ist ein Erdbeben in Westflandern?
„Ein so leichtes Erdbeben kommt in unserem Land etwa 10 bis 20 Mal im Jahr vor“, sagte der Seismologe Koen Van Noten gegenüber VRT NWS. „Normalerweise spürt aber niemand etwas. Dass es diesmal spürbar war, ist ziemlich außergewöhnlich.“ Das liegt daran, dass das Erdbeben relativ nah an der Oberfläche stattfand.
„Normalerweise liegt das Epizentrum eines Erdbebens in einer Tiefe von etwa 10 bis 20 Kilometern“, erklärte dessen Kollege, der Seismologe Kris Vanneste gegenüber unserer Redaktion: „Unsere Messungen von letzter Nacht zeigen, dass das Beben in kaum 5 Kilometern Tiefe oder sogar weniger stattfand. Dann ist die Wahrscheinlichkeit natürlich größer, dass die Menschen etwas spüren.“
Selten in Flandern außer in Limburg
Aber ob man es spürt oder nicht, Erdbeben sind in Westflandern ohnehin sehr selten. „Das Gestein dort liegt in einer viel tieferen geologischen Schicht“, sagt Vanneste. „Genau in diesem Gestein entstehen Erdbeben.“ Das letzte Erdbeben in Westflandern ereignete sich vor 15 Jahren, im August 2011 in Veldegem (Zedelgem).
Erdbeben sind in Ostflandern, Antwerpen und Flämisch-Brabant ebenfalls sehr selten, im Gegensatz zu Limburg: „Dort befindet sich der Rurtal-Graben. Das ist eine bekannte Verwerfungslinie in Belgisch-Limburg, in Niederländisch-Limburg und in Teilen Deutschlands. Wir registrieren dort jedes Jahr mehrere kleine Erdbeben.“

