Die flämische Kulturministerin Caroline Gennez (Vooruit) plant Einsparungen von insgesamt 47 Mio. € im Kulturbereich. Diese Einsparungen sind gezielt und konzentrieren sich auf sogenannte überregionale Institutionen wie das Huis van Alijn in Gent, das Modemuseum in Hasselt oder das Fischereimuseum NAVIGO in Oostduinkerke. Museen, Archive und Bibliotheken mit historischem Bezug sind gleichermaßen betroffen. Auch im Bereich Forschung und Wissenschaft werden Mittel gekürzt. Ein nicht repräsentativer Blick auf die Folgen des Sparkatalogs in diesen Bereichen:
Die flämische Landesregierung spart 47 Millionen Euro im Kulturbereich ein
Bozar verliert alle flämischen Fördermittel
Das Kunstzentrum Bozar in Brüssel wurde darüber informiert, dass alle flämischen Fördermittel ab 2027 gestrichen werden. Dies entspricht einem jährlichen Verlust von über 700.000 €. Bozar-Direktor Christophe Slagmuylder reagiert bestürzt: „Ich weiß nicht, wie wir diese Qualität weiterhin bieten können.“ Er bedauert zudem, dass die Streichung der flämischen Fördermittel mit der Eröffnung der Jean-Brusselmans-Ausstellung zusammenfällt, die Werke aller flämischen Museen präsentiert.
Hasselter Jenever-Museum ist empört über Kürzungen
Das Jenever-Museum in Hasselt ist eine der Institutionen, die von der flämischen Budgetkürzung von 47 Millionen Euro für Kultur betroffen sind. Die Reaktion im Museum ist Ungläubigkeit, sagt Direktor Davy Jacobs: „Es gibt viel Wut, Fassungslosigkeit und auch große Emotionen, bis hin zu Tränen. Wir sind heute Morgen (Donnerstag (Red.) regelrecht von den Stühlen gefallen. Der Schock war enorm.“
Die Überraschung ist umso größer, als überregionale Museen bereits im letzten Jahr von Kürzungen betroffen waren. „Die überregionalen Museen stecken jetzt wirklich bis zum Hals in der Klemme.“ „Überregionale Museen sind oft mittelgroße oder kleinere Museen, die nicht unbedingt in den großen Kunststädten liegen“, sagt Jacobs: „Es gibt auch einige in Antwerpen, Gent und anderen Großstädten, aber das sind oft auch Museen in der Peripherie. Das sind häufig kleinere, stark lokal verwurzelte Museen.“
Rund 30 überregionale Museen betroffen
Die Einsparungen betreffen rund 30 Museen, vom Bäckereimuseum in Veurne bis zum Spielzeugmuseum in Mechelen. Die Kürzung der Mittel für die überregionalen Museen beträgt 30 %. Das entspricht einem Drittel der Betriebsmittel. Die anstehende Berechnung wird wohl eine sehr heikle und schwierige Angelegenheit sein. Konkret bedeutet das für die betroffenen Museen, dass sie jährlich auf 100.000 bis 110.000 € an Fördermitteln verzichten müssen. Gerade ein Online-Treffen mit allen 30 Museen stattgefunden. Es gibt Hinweise darauf, dass einigen Museen die Schließung droht.
Auch die Bibliotheken von Antwerpen, Gent und Brügge sind betroffen
Die flämische Regierung kürzt den jährlichen Zuschuss für drei Bibliotheken. Es handelt sich um 1Mio. € für den Betrieb des Bücherturms der UGent, der Conscience-Bibliothek in Antwerpen und der Stadtbibliothek in Brügge.
Die flämische Regierung spart 35 Mio. € bei der wissenschaftlichen Forschung an den Universitäten ein
Im nächsten Jahr fließen 35 Mio. € weniger an die Forschungsfonds “Fonds voor Wetenschappelijk Onderzoek” (FWO) und “Bijzonder Onderzoeksfonds” (BOF) im Wissenschaftsbereich. Dies geht aus einer detaillierten Budgettabelle hervor, die VRT NWS einsehen konnte. Beide Fonds verlieren fast 5 % ihrer Betriebsmittel.
Die Rektoren der flämischen Universitäten bezeichnen dies als unverantwortlich. „Gerade diese Organisationen gewährleisten, dass Grundlagenforschung an den Universitäten stattfinden kann“, erklärt Herwig Leirs, Rektor der Universität Antwerpen (UAntwerpen) und Vizepräsident des Flämischen Interuniversitären Rates (VLIR): „Das ist die Grundlage unseres Wissens, das wir für Anwendungen und Innovationen nutzen können. Wenn wir hier Einschnitte vornehmen, wirkt sich das unmittelbar auf Innovationen, zukünftiges Wirtschaftswachstum und letztlich auf den zukünftigen Wohlstand aus.“
Leirs bezeichnet die Maßnahme als unverantwortlich, seltsam und unerwartet.
