Immer mehr Arbeitnehmer bleiben über dem Alter von 65 Jahre hinaus erwerbstätig. Dies geht aus den aktuellen Beschäftigungszahlen der RSZ, der belgischen Sozialversicherungsbehörde, hervor. Dennoch schwächelt der belgische Arbeitsmarkt weiter. Die Zahl der Beschäftigten lag im zweiten Quartal 2026 leicht unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Besonders auffällig ist der Rückgang bei jungen Arbeitsuchenden: Die Zahl der Arbeitsplätze für Beschäftigte unter 25 Jahren sank um 3 %.
Mehr über 65-Jährige in Belgien erwerbstätig, aber weniger Arbeitsplätze für junge Menschen
Die RSZ verglich die Beschäftigungszahlen in Belgien von April bis Juni 2026 mit dem gleichen Zeitraum 2025. Demnach ist die Zahl der Beschäftigten ab 65 Jahren innerhalb eines Jahres um 22 % gestiegen. Im Vergleich zu 2024 entspricht dies einem Anstieg von 52 %. „Der starke Anstieg bei den über 65-Jährigen ist vor allem auf die Anhebung des Renteneintrittsalters zurückzuführen“, erklärte Jasper Hubeau, Direktor des Finanz- und Statistikdienstes der RSZ gegenüber VRT NWS. Seiner Ansicht nach spiegelt sich diese politische Kursänderung erstmals deutlich in den Arbeitsmarktzahlen wider.
Bei den über 65-Jährigen ist der starke Anstieg hauptsächlich auf die Anhebung des Renteneintrittsalters zurückzuführen“
Jasper Hubeau, Direktor des Finanz- und Statistikdienstes der RSZ
Hubeau merkt zudem an, dass flexible Arbeitsverhältnisse in dieser Altersgruppe, die sogenannten „Flexijobs“ als Nebenerwerbstätigkeit für Rentner, an Beliebtheit gewinnen. Im zweiten Quartal waren in Belgien 83.528 Personen ab 65 Jahren erwerbstätig. Davon arbeiteten 65 % regulär und 35 % in flexiblen Arbeitsverhältnissen.
Nullwachstum am belgischen Arbeitsmarkt
Gleichzeitig deuten die Zahlen auf eine Stagnation des gesamten Arbeitsmarktes hin. „Der Arbeitsmarkt befindet sich seit mehreren Quartalen in einer Phase des Nullwachstums“, so Hubeau: „Im zweiten Quartal ist jetzt sogar ein leichter Rückgang zu verzeichnen.“ Die Bemühungen der Regierung, mehr Menschen in Arbeit zu bringen, schlagen sich daher vorerst noch nicht in den Zahlen nieder.
Darüber hinaus ist der Rückgang bei den jüngsten Beschäftigten besonders auffällig. Die Zahl der Beschäftigten unter 25 Jahren sank innerhalb eines Jahres um 3 Prozent. Laut Hubeau gibt es dafür keine eindeutige Erklärung.
Die größten Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt zeigen sich bei Berufseinsteigern“
Jasper Hubeau, Direktor des Finanz- und Statistikdienstes der RSZ
„Das ist ein auffälliger Trend, den wir genau beobachten müssen“, sagt Hubeau: „Es ist nicht auszuschließen, dass die Automatisierung, insbesondere durch Künstliche Intelligenz, dabei eine Rolle spielt. Jüngste internationale Studien deuten darauf hin, dass die größten Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt bei Berufseinsteigern zu spüren sind.“
Schließlich bleibt die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe, insbesondere in der Textil- und Papierindustrie, unter Druck. Das Wachstum im Dienstleistungssektor in Belgien kompensiert den Verlust teilweise, aber nicht vollständig.
