Die Rauchwolke des Brandes im Hohen Venn reichte bis nach Polen und Österreich. Dies belegen Satellitenbilder von Copernicus, dem europäischen Dienst zur Überwachung der Atmosphäre. Der Vennbrand sowie Großbrände in Frankreich und Spanien verursachten in diesem Sommer intensive Rauchwolken, die die Luftqualität Tausende Kilometer entfernt verschlechterten.
Der Rauch vom Naturbrand im Hohen Venn war bis Österreich und Polen zu spüren
Als im August das Hohe Venn in Flammen stand, waren nicht nur die Augen der Belgier und Deutschen gerötet. Die Rauchwolke zog Tausende Kilometer weiter nach Osten. Satellitenbilder zeigen, wie sich die Rauchwolke ab dem 15. August mit dem Wind bis nach Österreich, Tschechien und Polen ausbreitete.
In einem neuen Bericht zur Luftqualität erwähnt Copernicus daher Belgien im selben Atemzug wie Frankreich und Spanien, wo (deutlich größere) Wald- und Naturfeuer wüteten. Auch der Rauch dieser Brände zog Hunderte von Kilometern weiter und verschlechterte die Luftqualität in diesen Ländern und in anderen nahegelegenen Regionen erheblich.
Dass sich Rauch von Waldbränden so weit ausbreitet, ist keineswegs nur ein europäisches Phänomen. Letzten Sommer zog auch Rauch von Waldbränden in Kanada Tausende Kilometer nach Süden in die Vereinigten Staaten. Er hüllte Städte wie New York und New Jersey in dichten Smog.
Schlimmer als Industriequalm
Dieser Rauch ist sehr gesundheitsschädlich. Denn neben Kohlenstoff gelangen auch zahlreiche andere Schadstoffe in die Luft. Feinstaub, beispielsweise mit einem Durchmesser von manchmal nur 2,5 Mikrometern, kann tief in die Atemwege eindringen. „Rauch von Waldbränden ist oft noch stärker verschmutzt als der von Industrie- oder Heizungsprozessen“, erklärt Tim Nawrot, Umweltepidemiologe an der Universität Hassel (UHasselt). Es fehlen schlichtweg die Filter dazwischen, um nur einen Grund zu nennen.
Dass diese Luftverschmutzung gesundheitsschädlich ist, steht außer Frage, sagt Nawrot: „An Tagen mit höherer Luftverschmutzung sterben mehr Menschen. Feinstaub verbleibt nicht in der Lunge, sondern gelangt in den Blutkreislauf. Er verursacht Entzündungsreaktionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Beispielsweise können sich Blutgerinnsel lösen. Außerdem verschlimmert er neurologische Störungen und Lungenerkrankungen.“
„Kurzfristige Belastung verursacht keinen Lungenkrebs, kann aber bei Menschen mit bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu einem Herzinfarkt oder zum Tod führen. Etwa 5 Prozent aller Herzinfarkte werden durch Luftverschmutzung ausgelöst,“ so Nawrot weiter: „Man kann das jedoch nicht einfach vor einem Krankenhaus feststellen. Dazu muss man Statistiken und langfristige Trends betrachten. Meines Wissens ist das für diesen Sommer noch nicht geschehen.“
