Die Zahl der älteren Häftlinge (über 60 Jahre) in belgischen Gefängnissen ist zwischen 2019 und 2026 um ein Drittel gestiegen. Daher fordert der Zentrale Aufsichtsrat für das Gefängniswesen (CTRG) eine bessere und ganzheitliche Strategie, um den Bedürfnissen dieser älteren Häftlingsgruppe gerecht zu werden. „Die Frage ist nicht mehr, ob das Gefängnissystem reformiert werden muss, sondern wie“, erklärt der CTRG.
Die Zahl der älteren Häftlinge steigt in Belgien rapide an: Gefängnis-Aufsichtsrat fordert angepasste Vorgehensweise
Derzeit sind 719 Häftlinge über 60 Jahre in den Gefängnissen Belgiens untergebracht. Im Jahr 2019 waren es noch 550. Viele von ihnen werden ihre letzten Lebensjahre hinter Gittern verbringen. Nach Einschätzung des CTRG sind jedoch viele Gefängnisse nicht auf den zusätzlichen Betreuungsbedarf und die logistischen Herausforderungen vorbereitet, die mit einer wachsenden Zahl älterer Häftlinge einhergehen.
Hinzu kommt, dass sich der Gesundheitszustand vieler älterer Häftlinge durch die Inhaftierung schneller verschlechtert.
„Sie können mit eingeschränkter Mobilität, chronischen Erkrankungen, Verlust der Selbstständigkeit, sozialer Isolation und kognitivem Abbau konfrontiert sein“, erläuterte der Aufsichtsrat: „Bedürfnisse, die bereits außerhalb des Gefängnisses spezialisierte Unterstützung erfordern, werden in einem geschlossenen Umfeld oft noch komplexer.“
Mangelhafte Strukturen
Zudem sind die Strukturen der Gefängnisse nicht auf diesen Betreuungsbedarf ausgelegt. Der Gefängnisalltag kann sich daher noch stärker negativ auf die Häftlinge auswirken. Derzeit haben verschiedene Gefängnisse - soweit möglich - eigene Maßnahmen ergriffen.
So gibt es beispielsweise in Haftanstalten wie Merksplas (Provinz Antwerpen) und Saint-Hubert (Provinz Luxemburg) spezielle Abteilungen für ältere Häftlinge. Der CTRG plädiert jedoch für eine allgemeine Strategie für ältere Häftlinge, die Sicherheit, Pflege, Menschenwürde und soziale Verantwortung miteinander verbindet.
Der Rat schlägt die Schaffung einer spezialisierten Struktur innerhalb einer eigenen Abteilung für ältere Häftlinge sowie ein integriertes Modell für geriatrische Pflege und Betreuung vor. Auch eine bessere Vorbereitung auf die Wiedereingliederung in die Gesellschaft, die die Lebenssituation älterer Menschen berücksichtigt, sowie ein klarer Rahmen für die Betreuung am Lebensende in Haft werden vom Aufsichtsrat als notwendig erachtet.
