Belgien steht vor der trockensten Periode seit den 1970er Jahren. Das Königliche Meteorologische Institut (KMI) warnt davor nach einem der trockensten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch in den kommenden Wochen wird kein nennenswerter Regen erwartet, was Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung haben könnte. So wird Vivaqua, der Brüsseler Trinkwasserversorger, die Produktion in einem wichtigen Entnahmezentrum an der Maas voraussichtlich zum zweiten Mal seit Juli drosseln müssen.
Belgien steuert auf die schlimmste Dürre seit den 1970er Jahren zu: Brüssels Trinkwasserversorger Vivaqua bekommt weniger Wasser aus der Maas
„Es ist trocken in unserem Land, sehr trocken. Die KMI-Karten färben sich bereits braun“, bemerkt KMI-Meteorologe Pascal Mormal: „In 80 % des Landes herrscht Niederschlagsmangel. Je weiter südlich man kommt, desto schlimmer ist die Lage. Nur wenige abgelegene Gebiete in Westflandern und Limburg erhalten einigermaßen normale Regenmengen. Nehmen wir zum Beispiel Ukkel (die Brüsseler Gemeinde, in der sich das KMI befindet, Red.): Dort erwarten wir in diesem Monat nur 21 bis 22 Millimeter Regen. Normalerweise sind es 65 Millimeter.“
„Auch kurzfristig ist keine Besserung in Sicht. Wir erwarten frühestens Mitte Oktober nennenswerte Regenfälle. Es ist sogar möglich, dass wir bis November warten müssen. Aber das ist natürlich noch eine ziemlich lange Zeit.“
Für eine so lange, ununterbrochene Dürreperiode müssen wir bis in die 1970er-Jahre zurückgehen, bemerkt Mormal: „Momentan ist die Situation vergleichbar mit der Dürre von 2018 (die von der flämischen Regierung als landwirtschaftliche Katastrophe eingestuft wurde). Aberin den nächsten 10 Tagen wird sie sich noch verschlimmern.“
Trinkwasser in Brüssel
Das hat Folgen für die Trinkwasserversorgung, vor allem in Brüssel. Vivaqua, der Wasserversorger der belgischen Hauptstadt-Region und mehreren wallonischer und flämischer Gemeinden, wird seine Wasserförderung im Wasserwerk Profondeville in der wallonischen Provinz Namür voraussichtlich weiter einschränken müssen. Dies teilte die wallonische Regionalbehörde SPW, zuständig für die öffentliche Infrastruktur, dem französischsprachigen öffentlich-rechtlichen Sender RTBF mit. Das Wasserwerk Profondeville am Ufer der Maas ist für Vivaqua von großer Bedeutung. Das Unternehmen bezieht 30 % seines Wassers von dort.
Der Wasserstand der Maas ist derzeit jedoch sehr niedrig. Seit Mitte Juli ist die Förderung dort daher bereits auf 130.000 m³ pro Tag begrenzt, und diese Menge könnte bald weiter auf 90.000 m³ reduziert werden, so SPW-Sprecher Nicolas Yernaux: „Das hätte daher sehr reale Konsequenzen. Vivaqua wäre wahrscheinlich gezwungen, auf seine Reserven zurückzugreifen.“
Der wallonische Dürre-Krisenstab warnte diese Woche sogar vor einem „deutlichen Produktionsrückgang“ bei Vivaqua. Das Trinkwasserunternehmen selbst reagierte nicht auf Anfragen von VRT NWS.
Auch die Lage in Wallonien selbst bleibt „besorgniserregend“, so der wallonische Krisenstab. In 17 Gemeinden gelten bereits heute Einschränkungen beim Trinkwasserverbrauch. In Libramont in der Provinz Luxemburg müssen sogar Tankwagen eingesetzt werden, um die Wasserversorgung zu gewährleisten.
Und die Versorgung Flanderns?
Die Trinkwasserversorgung in Antwerpen ist vorerst unproblematisch. In Flandern geht es mit der Trockenheit noch nicht so schnell voran. Nicht so sehr, weil es hier etwas weniger trocken ist als im Süden des Landes, sondern weil die meisten flämischen Trinkwasserunternehmen ihr Wasser aus dem Grundwasser beziehen. Dieses ist weniger vom Regen abhängig als Flüsse und Kanäle.
Der Versorger Water-link, der die Stadt Antwerpen und mehrere umliegende Gemeinden mit Trinkwasser versorgt, bildet eine Ausnahme. Das Unternehmen bezieht sein gesamtes Wasser aus dem Albertkanal, der von der Maas gespeist wird.
Doch selbst bei enttäuschenden Niederschlägen in den kommenden Wochen werde „ausreichend Wasser zur Verfügung stehen und es ist keine Produktionsreduzierung zu erwarten“, so Water-link. Dies gehe aus den Durchflussprognosen des Albertkanals und der Flämischen Wasserstraßen-Behörde (Vlaamse Waterweg) hervor. Im Falle einer Produktionsreduzierung könne Water-link auf Speicher oder Vereinbarungen mit anderen Trinkwasserversorgern zurückgreifen.
Viel Regen ist nötig, um das Defizit auszugleichen
Den Prognosen zufolge soll es im November und Dezember mehr regnen. Um das Defizit der vergangenen Monate auszugleichen, wird jedoch viel Wasser benötigt. Vorzugsweise nicht in Form von Starkregen, der das Wasser direkt ins Meer spült, sondern in Form von anhaltendem, sanftem Regen.
„Was der Rest des Winters bringen wird, lässt sich jedoch schwer vorhersagen,“ sagt der Meteorologe Pascal Mormal. Diese Monate liegen noch in weiter Ferne: „Hoffen wir aber auf reichlich Niederschlag. 2025 war bereits ein trockenes Jahr, und nun kämpfen wir erneut mehrere Monate mit Dürre. Das ist nicht gut. Ohne ausreichend Regen könnte uns das 2027 sicherlich Probleme bereiten.“
