In Koolkerke bei Brügge kann man die Überreste einer römischen Siedlung besichtigen. Sie wurde im vergangenen Frühjahr im Vorfeld von Arbeiten zur Regenwassernutzung, genauer zum Bau eines Regenwasser-Auffangbeckens entdeckt. Es handelt sich um eine Besiedelung in einem Gebiet, das damals regelmäßig überschwemmt wurde. Trotzdem lebten die Menschen dort weiter, unter anderem durch den Bau von Dämmen.
Ausgrabungen bei Brügge: Römische Siedlung in Koolkerke gibt Geheimnisse preis
Die Forschungen sind inzwischen fast abgeschlossen und die Siedlung erweist sich als noch faszinierender als zunächst angenommen: Das Gebiet war tatsächlich schon um 200 n. Chr. besiedelt, als es näher am Meer lag und regelmäßig überschwemmt wurde.
„Man kann es ein wenig mit dem versunkenen Land von Saeftinghe vergleichen“, sagte der Archäologe Sam De Decker von der flämischen Landesagentur für unbewegliches Kulturerbe gegenüber VRT NWS. Dennoch blieben die Bewohner hartnäckig dort, obwohl drei Kilometer entfernt sicherere Sandböden lagen. Um sich vor Überschwemmungen zu schützen, errichteten sie unter anderem 20 Meter breite Dämme, die zusammen einen etwa 100 Meter langen Deich bildeten.
Spuren von Salzgewinnung
De Decker und seine Kollegen vermuten, dass Handel und die Nähe zum Meer eine Rolle bei der Entscheidung der Bewohner spielten, trotz allem in der Gegend zu bleiben. Spuren der Salzgewinnung deuten zudem auf mögliche wirtschaftliche Motive für die Ansiedlung an diesem Ort hin.
„Da die Gebäude damals aus Lehm und Holz – leicht verrottenden Materialien – errichtet wurden, ist von den Häusern selbst nicht mehr viel erhalten“, so De Decker: „Wir haben aber viele Abfälle aus der Siedlung gefunden. Dazu gehören Keramikscherben aus Italien und Südfrankreich sowie Broschen und Münzen. Diese Funde deuten darauf hin, dass die Bewohner hier recht wohlhabend waren.“
Öffentlich zugänglich
Am Mittwoch, dem 23. September, kann die Öffentlichkeit die Ausgrabungsstätte am Fortbekeweg in Koolkerke zwischen 16 und 20 Uhr besichtigen. Anschließend werden Teile der Überreste wieder unter der Erde verschwinden, da die Arbeiten an einem Regenwasser-Auffangbecken beginnen sollen.
