Wissenschaftler der Universität Gent (UGent) nutzten die Hilfe von Maulwürfen für archäologische Forschungen im Naturschutzgebiet Zwin bei Damme (Westflandern). Durch das Graben ihrer Tunnel bringen die kleinen Wühler archäologische Funde wie Tonscherben an die Oberfläche. Die Untersuchung dieser Maulwurfshügel ermöglichte es den Forschern z.B., ein etwa 800 Jahre altes mittelalterliches Bauernhaus zu entdecken.
Maulwürfe helfen Archäologen bei der Suche nach mittelalterlichen Zeugnissen im Zwin-Naturpark in Westflandern
Wie genau gelingt es, mithilfe von Maulwürfen archäologische Entdeckungen zu machen? „Wenn Maulwürfe auf Wiesen graben, fördern sie nicht nur Erde, sondern auch archäologische Funde wie Tonscherben oder Holzfragmente zutage“, erklärt Jaan Verliefde vom Archäologischen Institut der Universität Gent: „Diese Funde finden sich in den Maulwurfshügeln, die wir dann genauer untersuchen.“
„Wir wenden diese Technik erst an, nachdem wir eine vielversprechende archäologische Stätte ausfindig gemacht haben. Dazu konsultieren wir zunächst historische Karten und führen eine Bodenanalyse durch. Anhand der Ergebnisse wählen wir dann das genaue Gebiet aus, in dem wir die vorhandenen Maulwurfshügel untersuchen wollen.“
Ein 800 Jahre altes Tor zu einem Bauernhof
Genau das taten die Archäologen in der Zwin nahe der Kleinstadt Damme: „Wir hatten bei der Bodenanalyse bereits eine rechteckige Struktur entdeckt, wussten aber nicht genau, was es war. Deshalb kartierten wir mithilfe von GPS jeden Erdhügel in diesem Gebiet.“
In den von den Maulwürfen aufgeschütteten Erdhügeln entdeckten Jaan Verliefde und seine Kollegen Fragmente von Baumaterialien wie Ziegeln, Holz und Nägeln: „Anhand dieser Funde konnten wir feststellen, dass das Gebäude aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammt. Genauer gesagt handelt es sich um ein Torhaus, das zu einem mittelalterlichen Bauernhof gehörte, der von einem breiten Graben umgeben war.“
Diese Technik ist nicht neu. Es ist nicht das erste Mal, dass Forscher Maulwürfe zur Kartierung archäologischer Stätten einsetzen. „Wir haben diese Methode bereits 2017 im Naturschutzgebiet Zwin getestet. Auch Wissenschaftler in England und Dänemark haben sie angewendet“, erklärt Jaan Verliefde: „Es ist eine sehr wertvolle Technik, da uns die Maulwürfe einen Überblick über die Stätte verschaffen, ohne dass wir selbst graben oder die Gefahr eingehen müssen, Überreste zu beschädigen.“
