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Architektur in Brüssel: Das Withuis von Joseph Diongre ist restauriert worden

Nach jahrelanger Forschung und Arbeit ist die Restaurierung des Withuis in der Charles-Woestelaan-Straße in der Brüsseler Gemeinde Jette abgeschlossen worden. Unter der Leitung von Goeminne Architects & Partners und Architectures Parallèles wurden die architektonischen und dekorativen Qualitäten dieses bedeutenden Werkes von Joseph Diongre wiederhergestellt und gleichzeitig an die Bedürfnisse der heutigen Zeit angepasst.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Das 1927 für den Dichter und Stadtsekretär Jef Mennekens erbaute Withuis ist ein bedeutendes Werk der Brüsseler Moderne. Joseph Diongre entwarf ein Gesamtkonzept, das von der Architektur und Dekoration über die Möbel bis hin zur Gartengestaltung reicht.

Das schmiedeeiserne Geländer, das den kleinen Garten umgibt, zeigt auf der einen Seite die Hausnummer und auf der anderen Seite ein Tintenfass und eine Feder – die Werkzeuge des Dichters. Alle Holzarbeiten sind original. Das Haus wird seinem Namen „Withuis“ (etwa „Weißhaus“) wieder gerecht.

Das Withuis erstrahlte schon beim Bau in anziehendem Weiß, denn Diongre nutzte eine sehr helle Granitart für die Beschichtung der Fassade. Lediglich ein Obergeschoss wurde im Laufe der Zeit hinzugefügt, das von der Straße aus sichtbar ist. Sonst blieb alles bis zur Restaurierung unberührt. 

Das Haus, das seit 1985 als Ganzes, einschließlich der Originalmöbel, unter Denkmalschutz steht, war fast ein Jahrhundert lang - über vier Generationen hinweg - bis zum Tod von Daisy Maistriaux-Mennekens (sie wurde 102 Jahre alt) im Jahr 2018 das Zuhause der Familie Mennekens und ihrer Nachkommen.

Besitzerwechsel

2019 wechselte das Haus den Besitzer. Das ist bis heute der Brüsseler Filmemacher und Künstler Bernard Mulliez. Unmittelbar nach dem Kauf wurde eine umfassende historische Untersuchung zur Vorbereitung der Restaurierung in Auftrag gegeben. Ziel war nicht, das Withuis in der Zeit einzufrieren oder in ein Museum zu verwandeln. Vielmehr soll das Haus seine ursprüngliche Funktion behalten - ein bewohntes und täglich erlebtes Familienhaus. Ab etwa Dezember 2026 wird das Haus zur Miete angeboten.

Dieses Ziel diente den Architektenteams von Frédéric Goeminne (GAP) und Florence Doneux (AP) als Leitprinzip. Sie untersuchten die Geschichte des Hauses, die Materialien, die Bautechniken und die Veränderungen, die seit seiner Errichtung stattgefunden hatten. Anhand von Messungen, Dokumentenrecherchen und stratigrafischen Analysen des Königlichen Instituts für Kulturerbe konnten Farben, Texturen und Oberflächen, die durch spätere Eingriffe verschwunden waren, wiederentdeckt werden.

Umfassende Restaurierung

Die Restaurierung umfasst sowohl den Außenbereich als auch die Innenräume. Die Terrazzofassade wird gereinigt und restauriert, um dem Originalzustand so nahe wie möglich zu kommen. 

Die Holz- und Stahlfensterrahmen wurden demontiert und in der Werkstatt restauriert, während die Schreinerarbeiten eine neue, durch die vorangegangenen Untersuchungen ermittelte Farbpalette erhielten. Im Inneren bekam das Treppenhaus seine ursprüngliche schwarz-ockergelbe Farbgebung zurück. Als wahres Rückgrat des Hauses ist es ein wichtiger Bestandteil des Zuhauses.

In verschiedenen Räumen wurden die Strukturputze, Farben, Decken, Türen, Buntglasfenster und Schreinerarbeiten sorgfältig restauriert. Die von Joseph Diongre entworfenen Möbel bleiben vor Ort erhalten, entweder in den ursprünglichen Räumen oder in einem speziell dafür eingerichteten Raum, wenn sie nicht mehr für den täglichen Gebrauch geeignet sind.

Ein Raum unter dem Dach wird zu einem neuen Familienbereich umgestaltet. Ein zentrales Oberlicht über dem Treppenhaus stellt das Zenitlicht wieder her, das bereits in Diongres Plänen von 1926 vorgesehen war. Dieser Eingriff verbessert die Wohnqualität des Hauses, ohne die historische Architektur zu imitieren oder von ihr abzuweichen.

Viele Hände waren nötig

Neben dem architektonischen Projekt beruht diese Restaurierung auf einer Vielzahl handwerklicher Leistungen. Rund zwanzig Fachrichtungen, darunter Denkmalpfleger, spezialisierte Unternehmen, Kunsthandwerker, haben zu dem Projekt beigetragen. Dadurch wurden wichtige Fertigkeiten hervorgehoben. Die präzise Verarbeitung oft einfacher, aber technisch anspruchsvoller Materialien stand im Mittelpunkt.

Fast ein Jahrhundert nach Diongre mussten die ursprünglichen Kompositionen, Verfahren und Oberflächen dank historischer Forschung wiederentdeckt und anschließend an die heutigen Denkmal- und technischen Anforderungen angepasst werden.

WITHUIS, Charles Woestelaan 183, 1090 Jette/Brüssel.

So sah das Withuis bei seiner Fertigstellung aus (Foto: St-Lucas-Archiv)

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