Zwei der sieben belgischen Kernreaktoren sind nahezu irreparabel beschädigt. Kraftwerksbetreiber Engie entnahm bereits vor knapp zwei Jahren Proben aus den Druckbehältern der Reaktoren Doel 3 und Tihange 2. Dies macht eine Wiederinbetriebnahme beider Reaktoren höchst unwahrscheinlich, wie die frankophone Tageszeitung La Libre Belgique am Freitag berichtet.
Wiederinbetriebnahme der Atommeiler Doel 3 und Tihange 2 nach Probeentnahmen aus den Reaktordruckbehältern unwahrscheinlich
Im Winter 2024/25 entnahm Engie auf Anfrage der Bundesagentur für nukleare Kontrolle (FANC) und NIRAS, der für die Entsorgung radioaktiver Abfälle zuständigen Organisation, Proben aus dem Reaktordruckbehälter von Doel 3 und anschließend aus Tihange 2. Ziel war die präzise Messung der Strahlungswerte verschiedener Behälterteile, um die Behandlung und Sortierung der Abfälle zu bestimmen.
Die belgische Bundesregierung prüft derzeit die Möglichkeit der Wiederinbetriebnahme bestimmter Kernkraftwerke bzw. Kernreaktoren. Die Probenentnahme macht die Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 jedoch unbrauchbar, solange ihre Reaktordruckbehälter nicht ersetzt werden. Ein solcher Eingriff wurde noch nie zuvor durchgeführt, so La Libre.
Was ist passiert?
Im Herbst 2024 und im Frühjahr 2025 entnahm Engie Proben von den Reaktordruckbehältern der Kernkraftwerke Doel 3 und Tihange 2. Konkret wurde Material abgekratzt, um den Strahlungswert zu bestimmen und feststellen zu können, wie die Strahlenabfälle während des Rückbaus der Reaktoren behandelt werden können.
Sobald der Reaktordruckbehälter, das Herzstück eines Reaktors, berührt wird – beispielsweise durch ein solches Abkratzen von Material – ist der Reaktor praktisch verloren. Dies geschah vermutlich, weil damals beschlossen worden war, alle Reaktoren bis auf die beiden jüngsten abzuschalten. Engie wollte den Rückbau schnellstmöglich beginnen. Man ging ohnehin davon aus, dass die sogenannten „ Reaktoren das Vertrauen der Öffentlichkeit nicht mehr gewinnen würden.
Die Bundesregierung kündigte im Frühjahr an, alle sieben Reaktoren kaufen zu wollen - Ändert dies etwas an den aktuellen Plänen?
Zunächst einmal war der Regierung dies zum Zeitpunkt der Bekanntgabe der Idee, die AKW zu Nationalisieren, nicht bekannt. Sie erfuhr erst im Rahmen der technischen Besprechungen davon. Sie spricht nicht explizit davon, alle sieben Reaktoren in den beiden Kernkraftwerken Doel und Tihange wieder in Betrieb nehmen zu wollen. Und ihr im Koalitionsvertrag festgelegtes Ziel, eine Kernenergiekapazität von vier Gigawatt wiederzuerlangen, kann auch ohne diese beiden Reaktoren erreicht werden.
Engie betont, dass die Proben vor Beginn der Verhandlungen mit der Regierung über die mögliche Verstaatlichung des Atomparks entnommen wurden. Das Kabinett von Energieminister Mathieu Bihet (MR, frankophone Liberale) teilt gegen über La Libre Belgique mit, dass der Zustand der Reaktoren derzeit geprüft werde. Diese Prüfung soll klären, inwiefern eine Investition in die Verlängerung der Laufzeit jedes einzelnen Reaktors möglich und wirtschaftlich ist.
