Zum Hauptinhalt springen
Belgiens Drogenbeautragte Ine Van Wymersch
Inland
Justiz

Wird Belgien zum Narcostaat? „Nur wenn wir nichts unternehmen“

„Wenn wir nichts tun, riskiert Belgien, zum Narcostaat zu werden“, warnte die Drogenbeauftragte des Justizministeriums Ine Van Wymersch in der VRT-Sendung „De Afspraak“ („Die Verabredung“). Sie stellt fest, wie kriminelle Organisationen immer mehr Einfluss auf unsere Gesellschaft gewinnen und sieht nur einen Weg, das Blatt zu wenden: Wir müssen den Banden das Geld abjagen: „Zum Glück sind sich jetzt alle einig.“

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

„Wird Belgien zum Narcostaat?“ Mit dieser Frage konfrontierte Moderatorin Fatma Taspinar den Journalisten Rudi Vranckx in „De Afspraak“, der zusammen mit seinem niederländischen Kollegen Sinan Can die vierteilige Dokumentation „Drugsdelta“ („Drogendelta“) produziert hat, in der diese Frage im Mittelpunkt steht.

„Belgien und die Niederlande sind keine Drogenstaaten“, lautet Vranckx’ kurze Antwort, doch er fügte warnend hinzu: „Wir müssen vorsichtig sein.“ Belgiens Drogenbeauftragte Ine Van Wymersch stimmte ihm zu. Sie befürchtet schon, dass Belgien zu einem Drogenstaat werden könnte, „wenn wir nichts dagegen unternehmen“.

Van Wymersch erklärte: „Es geht um mehr als nur um Drogen: Ein Drogenstaat ist ein Parallelstaat, in dem kriminelle Organisationen durch Korruption und Einschüchterung enorme Machtpositionen im Wirtschaftsleben, in unserer Gesellschaft und in den politischen Gremien erlangen. Er ist eine kriminelle Alternative zu unserer demokratischen Gesellschaft.“

VRT-Journalist Rudi Vranckx

Drogengewalt in Brüssel

Die Schießereien in unserer Hauptstadt in den letzten Wochen, Monaten und Jahren zeigen, dass diese Organisationen bereits tief in unsere Gesellschaft eingedrungen sind. Und die drogenbedingte Gewalt breitet sich auch über Brüssel, Antwerpen und Rotterdam hinaus aus. Man müsse sich nur ansehen, was letzte Woche in Overasselt in den  Niederlanden passiert ist. Dort griff eine ganze Busladung bewaffneter Krimineller mit Kriegswaffen den Landsitz eines Mannes an, der von der Bande verdächtigt wird, ihr eine Ladung Kokain gestohlen zu haben. Unter den über 30 festgenommenen Kriminellen befanden sich auch einige Belgier.

Auch Vranckx stellt in „Drugsdelta“ fest, dass solche kriminellen Organisationen bereits sehr tief in unsere Gesellschaft eingedrungen sind, z.B. im Hafen von Antwerpen. Er sprach mit einem Hafenarbeiter, der erzählte, wie einfach es sei, in nur wenigen Minuten 75.000 € zu „verdienen“.

Strafverteidiger Sven Mary

„Wir müssen das Geld bei den Kriminellen holen“

Die Drogenbeauftragte wundert sich nicht, dass Menschen bei so hohen Summen nachgeben: „Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass sie gar nicht erst in Versuchung kommen.“ Wie? „Indem man in die Finanzströme der kriminellen Organisationen eingreift, beispielsweise durch die Beschlagnahmung von Immobilien.“

„Man muss dem Geld folgen, das ist das Einzige, was man tun kann“, stimmte Rudi Vranckx zu. Der Brüsseler Strafverteidiger Sven Mary pflichtete ihm bei: „Wir müssen ihnen das Geld abjagen. Haftstrafen von bis zu 20 Jahren bringen nichts. Bestrafen wir sie, aber lassen wir sie auch dafür bezahlen. 10 Mio. € oder sogar 100 Mio. €. Von solchen Summen sprechen wir. Justizministerin Verlinden sagte in ihrem letzten Interview, sie brauche eine Milliarde Euro. Nun, die kann man diesen kriminellen Organisationen innerhalb eines Jahres locker auftreiben.“

Van Wymersch freut sich, dass „endlich alle an einem Strang ziehen. Idealerweise wäre der Baum schon vor 20 Jahren gepflanzt worden. Wir haben es damals nicht getan, also müssen wir es heute tun. Wir haben keine andere Wahl. Wir müssen den Kampf gegen das kriminelle Geld aufnehmen und dieses Geld selbst in den Kampf gegen Drogen reinvestieren.“

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5