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Weltpremiere in Löwen: Chirurgen rekonstruieren beschädigten Rumpf mit Spendergewebe

Ein Team des Universitätsklinikums Löwen (UZ Leuven in Flämisch-Brabant) hat eine Technik entwickelt, um schwere Verletzungen im Rumpfbereich mithilfe von Gewebe eines verstorbenen Spenders zu rekonstruieren. Das neue Verfahren erspart dem Patienten die lebenslange Einnahme von Medikamenten zur Unterdrückung von Abstoßungsreaktionen nach Transplantationen. Chirurgen der Uniklinik führten die weltweit erste Transplantation durch, bei der Spendergewebe zur Rekonstuktion nach schweren Rumpfverletzungen eingesetzt wurde. 

Andreas Kockartz
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„Das Gewebe des verstorbenen Spenders integriert sich vollständig in das eigene Gewebe des Empfängers“, erklärt Laurens Ceulemans, Thorax- und Transplantationschirurg am Universitätsklinikum Löwen: „Die Blutgefäße, die das transplantierte Gewebe versorgen, stammen vom Empfänger, nicht vom Spender. Und man kann seine eigenen Blutgefäße nicht abstoßen. So wird das Spendergewebe im Wesentlichen Teil des Körpers des Patienten.“

Heute werden große, klaffende Wunden im Bauchraum, Brustkorb oder Zwerchfell meist mit einem synthetischen Netz versorgt. Dies kann im Falle einer Infektion Probleme verursachen, da sich das Material selbst infizieren kann und gegebenenfalls entfernt werden muss.

Alternativ wurde biologisches Material tierischen Ursprungs verwendet, dessen Herstellung jedoch teuer und dessen Festigkeit für eine Transplantation beim Menschen nicht immer ausreichend ist. Daher haben die Chirurgen an der Löwener Uniklinik an einer anderen Lösung gearbeitet, die nun erfolgreich umgesetzt wurde - starkes Bindegewebe aus der Bauchwand eines verstorbenen Spenders.

Dabei handelt es sich um die sogenannte Rektus-Scheide, eine starke Bindegewebsschicht, die die geraden Bauchmuskeln (Musculus rectus abdominis) umgibt – die Muskeln, die das sogenannte „Sixpack“ bilden. Dieses Gewebe ist sowohl fest als auch flexibel.

Unsere Hypothese ist, dass der Körper das Gewebe vollständig übernimmt“

Dr. Laurens Ceulemans, Uniklinik Löwen

Ein weiterer großer Vorteil ist, dass der Patient keine Immunsuppressiva benötigt. Bei herkömmlichen Organtransplantationen, beispielsweise von Niere, Leber oder Lunge, sind diese Medikamente oft lebenslang notwendig, um eine Abstoßung des transplantierten Organs zu verhindern. In der neuen Technik ersetzt menschliches Gewebe das synthetische Netz. Die Forscher vermuten sogar, dass mit der Zeit keine Spenderzellen mehr im transplantierten Gewebe vorhanden sein werden.

„Unsere Hypothese ist, dass der Körper das Gewebe vollständig übernimmt“, so Ceulemans. Die Technik bietet zudem mehrere praktische Vorteile. Spendergewebe kann bis zu einem Monat gelagert werden und steht somit für Patienten zur Verfügung, die dringend operiert werden müssen. Außerdem ist keine Übereinstimmung der Blutgruppe zwischen Spender und Patient erforderlich.

Die Forschungsergebnisse wurden sowohl in den „Annals of Surgery“ als auch im „Journal of Thoracic and Cardiovascular Surgery“ veröffentlicht. Ceulemans präsentierte die Ergebnisse kürzlich auch auf der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Chirurgie in Rom, wo er für seine Forschung mit dem ersten Preis der Veranstaltung ausgezeichnet wurde.

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