D'Ieteren Automotive, der Importeur der Volkswagen-Marken in Belgien, hat dem Betriebsrat des 1805 gegründeten Unternehmens einen strategischen Transformationsplan vorgelegt. Damit reagiert das seit Gründung auf Fahrzeugbau, -handel und -import spezialisierte Unternehmen auf die strukturellen Veränderungen im Automobilmarkt. Sollte der Plan umgesetzt werden, seien bis zu 344 Arbeitsplätze gefährdet, teilte das Unternehmen vor Börsenbeginn mit.
VW-Importeur in Belgien: D'Ieteren Automotive kündigt strategischen Wandel an: 344 Arbeitsplätze gefährdet
D'Ieteren nennt die „Dekarbonisierung der Fahrzeugflotte, die Weiterentwicklung von Mobilitätsanwendungen infolge des ab 2027 verpflichtenden Mobilitätsbudgets, die durch künstliche Intelligenz beschleunigte Digitalisierung und den verschärften globalen Wettbewerb“ als Faktoren, die den Automobilmarkt grundlegend verändern. Das Unternehmen geht davon aus, dass diese Trends - ebenso wie der strukturelle Abschwung seit der Corona-Pandemie - dauerhaft sein werden.
D'Ieteren wandelt sich daher von einem auf den Neuwagenverkauf fokussierten Geschäftsmodell zu einem Modell, das auf Mobilität, Dienstleistungen und einer nachhaltigen Kundenbeziehung basiert. Dies erfordert eine Anpassung der Unternehmensorganisation.
„Einige Aktivitäten, Funktionen und Strukturen entsprechen nicht mehr den zukünftigen Markterwartungen. Das Projekt sieht die Schließung bestimmter Niederlassungen, die Zusammenlegung bestimmter Funktionen, die Reorganisation mehrerer Teams und die Optimierung des Netzwerks vor, um den Markterwartungen besser gerecht zu werden“, heißt es in der Pressemitteilung ohne weitere Details.
Dies könnte zum Verlust von 344 Arbeitsplätzen führen. D’Ieteren hat das Informations- und Konsultationsverfahren gemäß dem Renault-Gesetz eingeleitet. Bei dem traditionsreichen Fahrzeug-Importeur und -händler sind aktuell rund 3.000 Arbeitnehmer beschäftigt.
Belgische Besonderheit: Das Renault-Gesetz
In den 1990er Jahren hatte der französische Autohersteller Renault sein belgisches Montagewerk in Vilvoorde bei Brüssel von heute auf morgen geschlossen. Belegschaft und Politik erfuhren von der Werksschließung damals quasi aus den Medien.
Danach formulierte die belgische Bundesregierung das so genannte "Renault-Gesetz“, wonach ein in Belgien ansässiges Unternehmen dazu verpflichtet ist, im Zuge von Umstrukturierungen, Werksschließungen oder Arbeitsplatzabbau, vor der Bekanntmachung der jeweiligen Schritte die Arbeitnehmerseite, sprich Betriebsrat und Belegschaft zu informieren.
