Elektroautos waren im vergangenen Jahr häufiger in Unfälle mit Radfahrern und Fußgängern verwickelt als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Dies geht aus einer Untersuchung des belgischen Instituts für Verkehrssicherheit, Vias, hervor. Dieses Problem taucht auch bei blinden oder schlecht sehenden Personen auf, so die Studie des Verkehrsinstituts.
Zu leise Antriebsgeräusche? E-Autos verursachen mehr Unfälle mit schwachen Verkehrsteilnehmern
In den letzten fünf Jahren ist der Anteil von Elektro- und Hybridfahrzeugen in Belgien von 3 auf 20 % gestiegen. Ein bedeutender technologischer Wandel, der laut Vias noch nicht vollständig etabliert ist und der auch akustische Probleme mit sich bringt.
Die fehlende Motorengeräusche gelten als Hauptgrund für einen signifikanten Anstieg von Verkehrsunfällen mit sogenannten schwachen Verkehrsteilnehmern. Bei 42 % der Unfälle mit Elektroautos sind Fußgänger oder Radfahrer beteiligt. Bei allen Fahrzeugtypen insgesamt liegt dieser Wert bei 27 %, so die Vias-Studie.
Als einen möglichen Grund nennt das Institut, dass E-Autos, vor allem wenn sie langsam fahren, zu leise sind. Sie würden deshalb von anderen Verkehrsteilnehmern viel später wahrgenommen, als Fahrzeuge mit Diesel- oder Benzinmotoren und deren entsprechenden Antriebsgeräuschen.
EU-Vorschrift reicht nicht aus
Die Europäische Union schreibt inzwischen vor, dass Elektroautos bei niedrigem Tempo künstliche Geräusche erzeugen müssen. Nach Einschätzung von Vias reicht das aber nicht aus.
Das Verkehrsinstitut kritisiert mit seiner Untersuchung, dass es bei den Geräuschen deutliche Unterschiede je nach Hersteller gibt. Außerdem fordert Vias, dass bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten bis 10 km/h der vorgeschriebene Geräuschpegel angehoben werden müsse.
Das Verkehrsinstitut plädiert für eine Anpassung der Geräusche von Elektro- und Hybridfahrzeugen. „Wir schlagen vor, die Geräuschentwicklung für alle Fahrzeuge zu vereinheitlichen. Derzeit legen die Hersteller die Geräusche selbst fest,“ so Stef Willems von Vias gegenüber VRT NWS: „Dadurch könnten auch blinde oder sehbehinderte Menschen die Geräusche besser wahrnehmen.“
