Die Krankenkassen in Belgien können seit einiger Zeit auf fast alle Daten von Ärzten und Pflegediensten zugreifen, um möglichen Betrug aufzudecken und zu melden. Das berichtet die flämische Tageszeitung De Standaard in ihrer Freitagsausgabe.
Belgiens Krankenkassen können zur Kontrolle auf Daten von Ärzten und Pflegediensten zugreifen
Hintergrund ist ein neues Gesetz, das nach dem großen Betrugsfall um die häusliche Pflegekraft Stefanie Sander verabschiedet wurde. Sander hatte mit ihren Dienstleistungsunternehmen Hausbesuche abgerechnet, die sie tatsächlich nie erbrachte und hatte damit Millionen verdient.
Künftig sollen die Krankenkassen dem Landesinstitut für Kranken- und Invalidenversicherung (Likiv/Riziv/Inami), das die erbrachten Leistungen kontrolliert, entsprechende Informationen zur Verfügung stellen.
Mögliche Betrugsfälle sollen so schneller aufgedeckt werden. Wenn ein Arzt z.B. deutlich mehr Leistungen erbringt als der Durchschnitt, dürfen die Krankenkassen auf seine Daten zugreifen.
Für die flämische Ärztekammer BVAS geht das ein bisschen zu weit. „Das neue Gesetz geht nicht nur eine Brücke, sondern eine Golden-Gate-Brücke zu weit“, sagte deren Vorstandsmitglied Jos Vanhoof gegenüber De Standaard: „Die Krankenkassen sind selbst wichtige Akteure im Gesundheitswesen. Warum erhalten sie so viel Macht? Dürfen wir bald auch sämtliche Finanzströme der Krankenkassen kontrollieren?“
