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Der Sitz von Agfa-Gevaert in Mortsel bei Antwerpen
Inland
Wirtschaft

Deutsch-belgischer Fall: Der „alte“ AgfaPhoto-Vorgang belastet Agfa-Gevaert weiterhin

Ein millionenschwerer Streitfall setzt Agfa-Gevaert weiterhin zu. Obwohl der Insolvenzverwalter des deutschen Unternehmens AgfaPhoto im vergangenen Jahr nach einem Schiedsspruch 45 Mio. € an das belgische Unternehmen zahlen musste, dauert der Rechtsstreit an. Dies geht aus den Quartalszahlen des Bildverarbeitungs-Unternehmens aus Mortsel bei Antwerpen hervor. Die beiden Parteien befinden sich seit Jahren im juristischen Streit. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

AgfaPhoto wurde 2004 von dem Unternehmen abgespalten, ging aber anschließend in Konkurs. Später konnten sich der Insolvenzverwalter und Agfa-Gevaert in zahlreichen Punkten nicht einigen. Im Mai im vergangenen Jahr wies ein Schiedsgericht in Belgien sämtliche Ansprüche des Insolvenzverwalters aus Deutschland ab.

Offenbar hat der Insolvenzverwalter in Frankfurt jetzt ein Aufhebungsverfahren gegen diesen Beschluss der belgischen Justiz eingeleitet. Laut Agfa-Gevaert urteilte das Oberlandesgericht in Hessen, dass das Schiedsgericht das Recht des Insolvenzverwalters auf rechtliches Gehör verletzt habe.

Der Fall geht jetzt zurück an das belgische Schiedsgericht. Agfa-Gevaert hat seinerseits gegen das Urteil in Frankfurt Berufung eingelegt. „Das Berufungsverfahren befindet sich noch in einem frühen Stadium und wird voraussichtlich 12 bis 15 Monate dauern. Agfa-Gevaert wird sich in diesem Verfahren weiterhin energisch verteidigen“, so das Unternehmen.

Halbjahresbilanz

Im zweiten Quartal 2026 blieb der Umsatz nahezu unverändert (-0,7 %), was unter anderem auf das Wachstum im Bereich Digital Printing Solutions zurückzuführen ist. Auch die Profitabilität blieb stabil: Das bereinigte EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) belief sich auf 14 Mia. €.

Die Ausgliederung von AgfaPhoto

Nachdem Agfa 2004 vor der Aufgabe der hochdefizitären Fotosparte intern Kosten von 480 Mio. € ermittelt hatte, trennte sich Agfa-Gevaert im August 2004 formal von dieser Abteilung. Dieser Geschäftsbereich wurde für rund 175 Mio. € an eine Investmentgesellschaft eines früheren McKinsey-Beraters verkauft. Doch schon nach neun Monaten waren sowohl das Eigenkapital von 300 Mio. € als auch die Cashreserven in Höhe von 72 Mio. € aufgebraucht.

Am 20. Mai 2005 stellte die AgfaPhoto GmbH beim Amtsgericht Köln einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung wegen Zahlungsunfähigkeit und bestellte in der Folge einen Insolvenzverwalter zum Geschäftsführer. Bis dahin war das Unternehmen von externen Beobachtern stets als solide eingeschätzt worden.

Medienberichten zufolge war dem Film- und Fotopapierhersteller der Boom der Digitalfotografie und der damit verbundene Preisverfall im Filmbereich, aber auch die unzureichende Liquidität  zum Verhängnis geworden. Ein weiterer Grund dürfte die Komplexität der Herauslösung der Fotosparte aus der Agfa-Gruppe gewesen sein, die erst nach dem Verkauf stufenweise erfolgen sollte und die immer noch juristische Folgen hat - sowohl in Belgien, als auch in Deutschland. 

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