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Tatorte in Brüssel: Überall liegen Patronenhülsen
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Justiz

Drogenbanden? Brüssel wieder von Schießereien geplagt -  "Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen"

Am Montagabend fielen erneut Schüsse im Brüsseler Stadtteil Sint-Gillis. Dies ist bereits der dritte Tag in Folge, an dem es in dieser Gemeinde zu Schusswaffengewalt kam. Laut Innenminister Bernard Quintin (MR, frankophone Liberale) handelt es sich bei der Gewalt um eine gezielte Provokation der Drogenszene: „Die Polizei behindert deren Geschäfte, aber wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen.“

Andreas Kockartz
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In der Nacht zum Dienstag feuerten Unbekannte mit einer automatischen Waffe an der Kreuzung Gustave Defnetstraat und Montenegrostraat mehrere Schüsse ab. Es gab keine Verletzten, die Täter flüchteten unerkannt. Nach einem relativ ruhigen Sommer flammt die Waffengewalt in der belgischen Hauptstadt seit einigen Tagen wieder auf. Brüssel verzeichnete in den letzten Tagen nicht weniger als sechs Schießereien.

Schießereien in Brüssel

  • Nacht von Freitag auf Samstag: In der Demosthenesstraat in Anderlecht feuerten Unbekannte mehrere Schüsse auf die lokale Polizeiwache ab (Video weiter unten).

  • Samstag: Schießerei an der Kreuzung Gustave Defnetstraat und Montenegrostraat in Sint-Gillis. Ein Mann wird ins Bein geschossen, schwebt aber nicht in Lebensgefahr.

  • Sonntag: Auf dem Vorstsesteenweg (Sint-Gillis) fallen Schüsse. Eine Kugel durchschlägt das Fenster einer Wohnung in der nahegelegenen Fontainasstraat. Die Bewohnerin, die sich zum Zeitpunkt des Vorfalls im Bett befand, blieb unverletzt, ist aber schwer geschockt.

  • Nacht Sonntag auf Montag: Erneut Schüsse in der Nähe des Vorstsesteenwegs. Eine Person wird verletzt. Die Polizei nimmt kurze Zeit später zwei Verdächtige fest. In derselben Nacht fallen auch in Sint-Jans-Molenbeek Schüsse.

  • Nacht von Montag auf Dienstag: Ein weiterer Vorfall mit einer automatischen Waffe an der Kreuzung Gustave Defnetstraat und Montenegrostraat in Sint-Gillis (siehe Ereignisse der letzten Nacht). 

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„Die Polizei darf sich nicht einschüchtern lassen“

Der Bürgermeister von Saint-Gilles, Jean Spinette (PS, frankophone Sozialisten), bringt die Gewalt des vergangenen Wochenendes entschieden mit rivalisierenden Drogenbanden in Verbindung. „Früher oder später werden unschuldige Opfer zu beklagen sein“, warnt er.

Jürgen De Landsheer, Korpschef des Polizeizone Brüssel-Süd, sieht die Vorfälle ebenfalls als direkte Reaktion auf den verstärkten Kampf gegen Drogen. Innenminister Bernard Quintin (MR) stimmt ihm zu. Gegenüber VRT NWS sagte er: „Die Drogenkriminellen drohen, weil wir ihren Zeitplan durcheinanderbringen. Sie warnen uns, aber die Polizei darf nicht nachgeben. Wir müssen diesen Kampf entschlossen fortsetzen. Es wird allerdings ein langer Weg.“

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Diskussion über Ressourcen und Personal

Die Einschusslöcher in der Polizeiwache von Anderlecht belegen, dass die Bedrohung auch für die Beamten zunimmt. „Die Beamten wissen, dass ihr Beruf gefährlich ist“, so Innenminister Quintin: „Aber sie müssen selbstverständlich die notwendigen Ressourcen erhalten und geschützt werden.“

Der Minister betont, dass er alles in seiner Macht Stehende tut, um dies zu ermöglichen:  „Ich habe bereits 77 zusätzliche Beamte entsandt und prüfe, ob diese Zahl weiter erhöht werden kann. Man muss verstehen, dass Kriminalbeamte in diesem Bereich spezifische Erfahrung benötigen. Wir können nicht einfach irgendjemanden schicken.“

Unterdessen fordert Bürgermeister Spinette, dass Brüssel mit der gleichen Unterstützung und den gleichen Budgets wie die Polizei in Antwerpen rechnen kann. „Ich habe die Bundeskriminalpolizei in Brüssel sogar stärker verstärkt als in Antwerpen“, entgegnet Quintin dieser Kritik.

Gemeinsame Verantwortung

Gegenüber VRT NWS unterstrich der Innenminister die Bedeutung einer besseren Zusammenarbeit. Er verwies dabei auf eine gemeinsame Verantwortung: „Ich stelle zusätzliches Personal und Ressourcen zur Verfügung, entscheide aber nicht, wie diese im Einsatz eingesetzt werden.“ Als Beispiel nannte er seine Investition von 1 Mio. € in neue Überwachungskameras in Brüssel-Süd: „Wenn die Installation dieser Kameras anschließend zwei Jahre dauert, weil sie nicht vor Ort priorisiert wird, bin ich machtlos.“

Korpschef De Landsheer betonte zuvor, dass die Polizei diesen Kampf gegen Drogen nicht allein gewinnen könne. Quintin stimmt dem zu und plädierte für einen umfassenden Ansatz: „Ich bin der Ordnungsminister und versuche, Ressourcen zu verteilen, aber Drogen sind genauso ein Problem der öffentlichen Gesundheit. Deshalb sollten wir uns alle an einen Tisch setzen“, so sein Fazit. 

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