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Beliebt bei Touristen: Die Graslei in Gent
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Kostenlose Übernachtung und maßgeschneiderter Besuch für ausländische Journalisten: Wie Gent in die New York Times kam

Der Genter Hotelsektor bietet ausländischen Journalisten, Reiseexperten und Influencern bis zu 800 kostenlose Übernachtungen pro Jahr an, um den Tourismus anzukurbeln. „Die jüngste Erwähnung in der New York Times zeigt, dass sich dieser Ansatz auszahlt“, so der Verband dieses Sektors der Stadt. Mit diesen kostenlosen Übernachtungen geht Gent weiter als andere flämische Städte.

Andreas Kockartz
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„Wir legen Wert darauf, Touristen anzuziehen, die länger als einen Tag in Gent bleiben. Das ist gut für uns, aber auch für die Stadt. Sie generieren zusätzliche Einnahmen und gleichzeitig können wir die Besucherzahlen gut verteilen und die negativen Auswirkungen gering halten“, sagt Rudy De Wit von der gemeinnützigen Organisation „Gent Hotels“. Der Verband vertritt 35 Hotels in der Stadt mit insgesamt über 3.000 Zimmern.

Die Branche bietet Fachleuten, die über Tourismus schreiben, kostenlose Übernachtungen an: „Wir stellen ein Zimmer mit Frühstück zur Verfügung; in der Regel sind das zwei Übernachtungen pro Gast.“ Die Stadt stellt jährlich 45.000 € für diese Kooperation bereit. „Diese einzigartige Zusammenarbeit stellt sicher, dass wir Gent als Reiseziel gemeinsam ins Rampenlicht rücken, anstatt es einzeln zu bewerben. Mit der richtigen Geschichte erreichen wir die gewünschte Zielgruppe optimal“, so Tourismus-Stadträtin Sofie Bracke (Voor Gent).

Die Journalisten dürfen im Anschluss schreiben, was sie wollen, auch Negatives – obwohl wir in Gent davor keine Angst haben“

Rudy De Wit, gemeinnütziger Verein „Gent Hotels“

Im vergangenen Jahr besuchten 198 ausländische Journalisten Gent im Rahmen einer Pressereise. Die meisten kamen aus Europa, aber auch Besucher aus Argentinien, Australien und den USA waren dabei. Hinzu kamen 47 Fachjournalisten, die für Reiseführer, Magazine oder Blogs schreiben. Einige von ihnen übernachteten in den kostenlos zur Verfügung stehenden Hotelzimmern.

Keine inhaltlichen Vereinbarungen

 Visit Gent, das Tourismusamt der Stadt, stellt ein Programm für die Besucher zusammen. „Das Angebot umfasst Stadtführungen, Eintrittskarten, Bootsfahrten und Mahlzeiten“, so Stadträtin Bracke. Auch Themenreisen werden angeboten, beispielsweise zur Wiedereröffnung des Designmuseums nach der Renovierung. 55 Journalisten haben sich dazu schon angemeldet.

Es gibt keine konkreten Vereinbarungen bezüglich Veröffentlichungen. „Natürlich herrscht redaktionelle Freiheit, aber in der Regel wird doch etwas geschrieben. Das kann negativ ausfallen, obwohl wir in Gent davor keine Angst haben“, lacht De Wit: „Die Erwähnung in der New York Times Ende Juli war das Ergebnis eines Besuchs von vier amerikanischen Journalisten. Es ist also eine langfristige Investition.“

Noch kein Massentourismus

Fokus auf Nachbarländer und „Pyjama-Touristen“

Gent konzentriert sich vor allem auf europäische Touristen, z.B. aus den Nachbarländern aber auch aus Spanien und aus Großbritannien: „Wir haben keinen und wollen auch keinen Massentourismus. Gent ist gut verteilt, die Zimmer sind nie ausgebucht.“

Es gibt auch Hotels, die sich gezielt an bestimmte Zielgruppen oder Nationalitäten richten. „Der Begriff ‚Übertourismus‘ wird zu schnell verwendet. Man vergisst dabei, dass auch wir Touristen in erster Linie eine lebenswerte Stadt präsentieren wollen. Zudem ist der Hotelsektor wirtschaftlich sehr wichtig - rund 500 Menschen arbeiten hier. Und dabei sind all die Menschen, die indirekt davon profitieren, noch gar nicht berücksichtigt“, so De Witt.

In Gent gibt es keinen Massentourismus, und als Branche wollen wir das auch so beibehalten. Wir wollen Touristen eine lebenswerte Stadt zeigen“

Rudy De Wit, gemeinnütziger Verein „Gent Hotels“

Die Stadt möchte sogenannte „Pyjama-Touristen“ anziehen, Besucher, die übernachten. Im vergangenen Jahr verzeichnete Gent eine Million Übernachtungen. Die Stadt wünscht sich weniger Touristen, die nur wenige Stunden bleiben. Diese konsumieren weniger und können, wenn sie in Gruppen auftreten, störend wirken. Die Stadt ergreift auch Maßnahmen gegen so etwas, unter anderem gegen lärmende, große Reisegruppen.

Anfang dieses Jahres startete die Stadt eine neue Umfrage, um herauszufinden, wie die Einwohner Gents den Tourismus sehen. Eine frühere Umfrage aus dem Jahr 2023 zeigte, dass die Einwohner weniger begeistert von Touristen waren.

Gent ist die einzige Stadt, in der eine enge Zusammenarbeit mit den Hotels besteht. Auch in anderen Städten ist es üblich, bestimmte Fachleute über Tourismus Flandern gezielt einzuladen. „Es ist selbstverständlich, dass wir uns an der Vermarktung unserer Stadt beteiligen“, lautet die allgemeine Meinung in flämischen Städten wie Löwen in Flämisch-Brabant und Mechelen in der Provinz Antwerpen.“ Das sorgt auch für internationale Aufmerksamkeit für diese Städte. So tauchte auch Brügge in der New York Times auf.

Flandern koordiniert Pressereisen, bei denen oft mehrere Städte besucht werden. Die entsprechenden Dienstleistungen übernehmen häufig auch die Reisekosten. „Toerisme Vlaanderen“ darf derzeit das dafür vorgesehene Budget nicht offenlegen. Manchmal kontaktieren Fachleute das flämische Fremdenverkehrsamt direkt, um einen Besuch zu planen. Brügge haben z.B. in diesem Jahr schon 66 Journalisten und Influencer besucht. Auch auf diesem Wege kann Flandern die Reisekosten übernehmen.

Zunehmende Bedeutung von Influencern

Brügge sieht in der Betreuung von Influencern eine neue Möglichkeit, die Stadt einem anderen Publikum zu präsentieren. Löwen setzt ebenfalls verstärkt auf diesen Bereich und stellt dafür ein Budget bereit. In Gent gab es im letzten Jahr 45 entsprechende Kooperationen. Die Stadt bezahlt dort nie für Inhalte, bietet Influencern aber Vorteile.

„Toerisme Vlaanderen“ betont die deutliche Wirkung der Reisen ausländischer Journalisten und anderer Fachleute. So erschienen beispielsweise im letzten Jahr über 600 Berichte über die sogenannten „flämische Kunststädte“ und -regionen in ausländischen Medien mit direktem Bezug zu Pressereisen.

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