Die Villa Les Tournesols auf der Strandpromenade des belgischen Küstenbadeorts De Panne ist ein auch von Touristen gerne fotografiertes Haus. Es steht zwischen zwei seelenlosen Flatgebäuden und fällt auch dadurch besonders ins Auge. Doch jetzt soll dieses kleine Haus aus dem Jahr 1904 einem Neubau weichen. Unter Denkmalschutz wurde es nicht gestellt. Argument: In den 1970er Jahren wurde die Villa als Garage genutzt und dadurch sei der Denkmalschutzwert hinfällig.
Warum die Villa Les Tournesols auf der Promenade von De Panne einem Neubau weichen muss
Im Herbst soll die Belle-Epoque-Villa Tournesol in De Panne, gebaut im Jahr 1904, abgerissen werden, um Platz für ein Flatgebäude mit 9 Stockwerken zu machen, das ein Immobilien-Projektentwickler dort geplant hat. Dieses Vorhaben sorgt nicht nur in De Panne für Kritik.
In den sozialen Medien ist in erster Linie der Stadtrat von De Panne die Zielscheibe, denn von hier aus wird das Bauprojekt verteidigt. Hier wird als Grund angegeben, dass die Ville Tournesol kein denkmalgeschütztes Gebäude sei. Jeder habe seine Rechte, so der Bürgermeister der Stadt, Nicolas Luyssen, auch der Besitzer dieses Gebäudes.
Viele Einwohner von De Panne fordern von der Stadt, dass sie dieses Haus kauft, doch dies gehe nicht so einfach und der Immobilie mit gesellschaftlichen oder lokalen Initiativen neues Leben einzuhauchen, liegen nach Ansicht des Bürgermeisters nicht vor.
Der Projektentwickler lässt in einer Reaktion wissen, dass der Kulturerbewert von Les Tournesols untersucht wurde, doch der technische Zustand des Hauses sei zu schlecht, um einen Abriss nicht zu rechtfertigen.
Was sagt Flanderns Denkmalschutzminister?
Ben Weyts (N-VA, flämische Nationaldemokraten), zuständig für das Kulturerne in Flandern, bestätigt, dass die Villa Les Tournesols den Denkmalschutzbedingungen des Landes nicht entspricht. Gegenüber VRT NWS sagte er am Dienstagabend, dass das Haus in den 1970er Jahren als Garage für Go-Carts für Touristen genutzt worden sei.
„Der Kulturerbewert ist damals verletzt worden. Auf Basis einer Denkmalschutzanalyse über die gesamte Küstenlinie, die in den 1990er Jahren gefertigt wurde, hat unsere Verwaltung damals beschlossen, dass die Villa keinen Denkmalschutzwert hat,“ so Weyts. Dadurch wurde das Schicksal solcher Gebäude, die nur noch von einer Inventurliste erfasst wurden, in die Hände der jeweiligen Stadt oder Gemeinde gelegt.
Weyts hält es für Positiv, dass die Stadt De Panne jetzt in der Kritik steht und dass sich so viele Leute damit beschäftigen, doch man müsse Entscheidungen treffen, auch wenn dies eine undankbare Angelegenheit sei: „Wir haben in Flandern 13.000 geschützte Gebäude und auf der Inventarliste stehen 70.000 Gebäude.“
