Beim Großbrand im Hohen Venn in Ostbelgien testen Wissenschaftler derzeit ein Modell, das Waldbrände künftig besser vorhersagen soll. Sie simulieren die Ausbreitung des Feuers, seine Richtung, Geschwindigkeit und Intensität. „Uns fehlen noch einige Daten, um das Modell zuverlässiger zu gestalten, aber die ersten Ergebnisse sind sehr vielversprechend“, sagt Professor Jan Baetens von der Universität Gent (UGent) dazu.
Neues Modell soll Waldbrände besser vorhersagen: Erster Test beim Brand im Hohen Venn vielversprechend
Das Vorhersagemodell könnte die Entwicklung von Waldbränden künftig besser vorhersagen, erklärt Jan Baetens, der an der Entwicklung und Anwendung analytischer Modelle forscht, die Umwelt- und biologische Prozesse besser verstehen und vorhersagen. Das Ziel des Modells ist es, herauszufinden, wie sich das Feuer ausbreitet, wie schnell und in welche Gebiete. „Aber auch, ob das Feuer beispielsweise intensiver oder schwächer wird“, sagt Baetens, Professor an der Universität Gent (Ugent) und belgischer Vertreter im Europäischen Waldbrand-Informationssystem (EFFIS)
Es sei ein nützliches Werkzeug, das aber noch nicht ausgereift sei. „Es ist ein experimentelles Vorhersagemodell“, betont Baetens: „Die Feuerwehr kann es noch nicht einsetzen, dafür ist es noch zu früh. Aber dieser Brand bietet uns die ideale Gelegenheit, das Modell gründlich zu testen.“
Unzureichende Daten für Belgien
Länder wie Frankreich, Italien und Spanien verfügen bereits über ein solches Vorhersagemodell, sagt Baetens gegenüber VRT NWS: „Sie setzen es konsequent bei Feuerwehreinsätzen ein, insbesondere bei großen Waldbränden. Dadurch erhält die Feuerwehr einen viel besseren Überblick über die Lage vor Ort und insbesondere darüber, wie sich das Feuer in den nächsten sechs bis zehn Stunden entwickeln wird.“
„Wir haben Modelle aus anderen Ländern getestet und uns in den letzten vier Monaten auf ein bestimmtes Modell konzentriert. Wir können dieses Modell jedoch nicht eins zu eins übernehmen, da wir es an die Gegebenheiten unserer Region anpassen müssen.“
Derzeit liegen noch nicht genügend Daten vor, um das Modell ausreichend zuverlässig zu betreiben“
Jan Baetens, Professor an der Universität Gent und belgischer Vertreter im Europäischen Waldbrandinformationssystem (EFFIS)
Und genau hier liegt das Problem: Es fehlen derzeit die Daten, um das Modell ausreichend zuverlässig zu betreiben, so Baetens: „Es fehlt beispielsweise eine Karte, die die Brennstoffbeschaffenheit des Geländes darstellt: Welche Bodenart, welche Vegetation und welches organische Material befinden sich am Boden?“ An einer solchen Karte für Belgien wird aktuell gearbeitet: „Kollegen an der Universität Lüttich arbeiten daran, aber das erfordert Zeit und Fachwissen. Außerdem ist es sinnlos, eine Karte nur für Wallonien zu erstellen. Wir brauchen eine Karte für das gesamte Land.“
Was zeigen die Simulationen heute? In den ersten Tagen des Vennbrands konnten die Wissenschaftler das experimentelle Modell ausgiebig testen: „Und die Ergebnisse sind auf den ersten Blick positiv“, so Baetens: „Während der ersten 12 Stunden des Brandes sahen wir, dass der simulierte Umfang recht gut mit dem späteren Verlauf des Feuers übereinstimmte. Aber das war die einfachste Vorhersage. Damals gab es nur eine Brandquelle, später wurden es mehrere. Und das macht die Sache komplexer. Außerdem müssen wir enorme Datenmengen in das System eingeben.
Es handelt sich um Gigabytes an Daten: von der Topografie und Bodenbeschaffenheit des Geländes bis hin zu Wetterdaten und -vorhersagen.“ Und auch diese haben ihre Grenzen: „Die Realität sieht manchmal anders aus oder kann sich schnell ändern. Zum Beispiel wurde ein Ostwind vorhergesagt, tatsächlich wehte aber ein Südwind.“
Wir sind nicht auf einen Waldbrand wie im Hohen Venn vorbereitet“
Jan Baetens, Professor an der Universität Gent und belgischer Vertreter im Europäischen Waldbrandinformationssystem (EFFIS)
Baetens merkt an, dass wir heute „überhaupt nicht auf einen Waldbrand wie den im Hohen Venn vorbereitet sind: „Aber die Umstände in diesem Jahr sind auch extrem außergewöhnlich. Irgendwann stellt sich die Frage, worauf man sich überhaupt vorbereiten sollte. Sollte man sich als kleines Land schließlich für etwas, das nur alle paar Jahre vorkommt, umfassend rüsten?“
Baetens sagt dazu, er könne diese Frage nicht selbst beantworten: „Das ist Sache der Politik. Man kann weiterhin in Waldbrandfahrzeuge, Löschflugzeuge und Hubschrauber investieren, aber man kann nur so viel Ausrüstung einsetzen, wie zur Verfügung steht.“ Laut Baetens ist es verwunderlich, dass sich Belgien nicht schon früher auf ein solches Prognosemodell konzentriert hat: „Es ist logisch, dass Länder, die häufig mit Waldbränden konfrontiert sind, besser vorbereitet sind - Sowohl was die Ausrüstung als betrifft, als auch was das Wissen angeht.“
„Deshalb ist der europäische Mechanismus so wichtig: Er bietet Ländern, die selten mit großen Waldbränden konfrontiert sind, eine ideale Möglichkeit, dennoch Ausrüstung die passende zu erhalten. Die politischen Entscheidungsträger müssen eine Kosten-Nutzen-Analyse durchführen. Das Modell kann den Ausrüstungsmangel teilweise kompensieren“, so Baetens, „es kann nicht nur vorhersagen, wie sich das Feuer entwickeln wird.“
