Die Provinz Antwerpen startet gemeinsam mit der König-Baudouin-Stiftung eine Spendenaktion in Form von Crowdfunding, um die Restaurierung dreier Porträts der Familie d’Ursel zu finanzieren. Die Kunstwerke sind derzeit im Schloss d’Ursel in Hingene (Bornem bei Mechelen) ausgestellt. Sie wurden zufällig entdeckt, weisen aber zahlreiche Löcher und Risse auf. Die Restaurierungskosten werden auf mehrere Zehntausend Euro geschätzt.
Die Provinz Antwerpen startet ein Crowdfunding zur Restaurierung von Porträts der Familie d‘Ursel
„Mehr als fünfzig Jahre nachdem diese Porträts aus ihren Rahmen geschnitten wurden und verschwanden, sind Eleonora, Charles, Léon und Caroline wieder zurück im Schloss“, sagte die Antwerpener Provinz-Abgeordnete für kulturelle Angelegenheiten, Mireille Colson (N-VA) gegenüber VRT NWS: „Allein diese Rückkehr ist bemerkenswert, insbesondere da niemand damit gerechnet hatte, diese Werke jemals wiederzusehen. Heute können Besucher sie in der Ausstellung ‚Talking Heads‘ wieder bewundern, doch gleichzeitig wird deutlich, wie sehr sie in den vergangenen Jahrzehnten gelitten haben.“
Die Gemälde wurden im Haus des verstorbenen Vaters gefunden
Die Gemälde tauchten auf, als ein Mann das Haus seines verstorbenen Vaters erbte und dort ein Gemälde fand. Er kontaktierte einen Antiquitätenhändler, der eine Auktion organisierte, und so gelangte das Gemälde in den Besitz eines privaten Sammlers.
Als die Verantwortlichen des Schlosses d'Ursel davon erfuhr, nahmen sie Kontakt zu dem Sammler auf. Dieser ließ das Kunstwerk restaurieren und übertrug es dem Schloss als Dauerleihgabe.
Als der Erbe des Hauses später den Dachboden aufräumte, stieß er auf drei weitere Porträts. Sie waren zusammengerollt und in schlechtem Zustand. Er kontaktierte das Schloss direkt und schenkte diese Gemälde der Einrichtung und so gelangten auch diese Porträts nach Hingene.
Porträts von Herzögen
Das älteste gefundene Porträt zeigt Eléonora de Salm, 1. Herzogin (1678–1737). Sie trägt kostbaren Schmuck, ein Brokatkleid und einen mit Hermelin gefütterten Mantel. Das zweite Porträt zeigt ihren Sohn Charles, 2. Herzog (1717–1775). Im Alter von 22 Jahren ließ er sich in Rüstung porträtieren, einem klassischen Symbol für Adel und militärische Ehre. Auf dem dritten Porträt sehen wir Léon (1805–1878), den 5. Herzog, und seine Schwester Caroline (1807–1868) als Kinder. Kinderporträts mit Hund waren während der Kaiserzeit besonders beliebt und symbolisierten Unschuld und Treue.
Stark beschädigt
Alle Porträts sind stark vom Zahn der Zeit gezeichnet. Die Farbe blättert ab, der Firnis ist vergilbt und die Leinwand ist gewellt. Sie weist zudem Risse auf. An den Rändern ist erkennbar, dass die Leinwände vor vielen Jahren (möglicherweise 1972) aus ihren Rahmen geschnitten wurden, wodurch Teile verloren gingen. Oben war eine Holzleiste angebracht, als ob die Porträts wie Poster aufgehängt worden wären.
Wir möchten dieses außergewöhnliche Stück Familiengeschichte und Kulturerbe auch für zukünftige Generationen bewahren“
Mireille Colson (N-VA), Provinzabgeordnete für Kultur
Die Provinz möchte jetzt die Restaurierung in Angriff nehmen: „Gemeinsam mit der König-Baudouin-Stiftung starten wir eine Crowdfunding-Kampagne, um die Gemälde und ihre historischen Rahmen umfassend zu restaurieren und dieses außergewöhnliche Stück Familiengeschichte und Kulturerbe für zukünftige Generationen zu erhalten“, so Colson.
„Als Provinz sind wir seit 2017 nicht mehr für Kultur zuständig. Daher verfügen wir über keine Budgets für die Restaurierung von Kunstwerken, die mitunter sehr kostspielig sein kann. Wir möchten uns aber dafür einsetzen.“
Das Crowdfunding soll zehntausende Euro einbringen
Die Gesamtkosten für die Restaurierung der drei Porträts und ihrer Rahmen werden auf mehrere Zehntausend Euro geschätzt. Es wird eine öffentliche Ausschreibung geben. Die Provinz Antwerpen bemüht sich derzeit um die notwendigen Mittel. Die König-Baudouin-Stiftung beteiligt sich an dieser Initiative. Belgische Spenden an die Stiftung ab 40 € pro Jahr sind steuerlich absetzbar (30 % des Spendenbetrags).
Als Mäzen kann man außerdem die Restaurierung eines vollständigen Porträts unterstützen. Auch diese Form der Förderung ist über die König-Baudouin-Stiftung steuerlich absetzbar.
Die leeren Rahmen blieben erhalten
„Das Schönste an dieser Geschichte ist wohl, dass die Familie die leeren Rahmen all die Jahre aufbewahrt hat, in der Hoffnung, dass die Porträts eines Tages zurückkehren würden“, so Colson abschließend: „Dank der Unterstützung vieler Menschen können wir die Gemälde sorgfältig restaurieren lassen und sie schließlich wieder so ausstellen, wie sie ursprünglich gedacht waren - in ihren Originalrahmen im Schloss d‘Ursel.“
