Der Präsident der Vereinigung "Amis de la fagne" wirft den regionalen Behörden vor, dass sie den Zugang zum Naturschutzgebiet Hohes Venn nicht präventiv untersagt haben. Trotz der drohenden Brandgefahr durch die anhaltende Trockenheit seien die Zugänge zum Venn nicht frühzeitig gesperrt worden, so Jean Collard. Auch ein nach dem Brand von 2011 erarbeiteter Koordinierungsplan sei bislang nicht umgesetzt worden. Neben der Natur erleiden in der betroffenen Region aber auch die Wirtschaft und der Tourismus nachhaltigen Schaden.
Vennbrand: Präsident des „Freundeskreises des Venns" kritisiert Behörden – Enorme Umweltzerstörung - Schwerer Schlag für den Tourismus - Betroffene KMU werden entschädigt
Collard drückte außerdem seine tiefe Trauer über die ökologische Katastrophe aus, die durch das Feuer ausgelöst wurde. Das Feuer habe bisher schon über die Hälfte der insgesamt 6.000 Hektar Naturschutzgebiet im Hohen Venn zerstört. Besonders betroffen seien die typischen Hochmoore. An manchen Stellen könnten die Schäden laut der Vereinigung irreparabel sein, da das Feuer tief in den Boden eindringen und da das Torf dort monatelang weiterglimmen kann.
Experten, die in den flämischen Tageszeitungen ihren Unmut kundtun, sind der Ansicht, dass der Brand hätte vermieden werden können, wenn man für die Region die Hitzewarnstufe „Code Rot“ erlassen hätte und wenn an den Zugängen zu den Wanderwegen die roten Fahnen gehangen hätten, um das Zutrittsverbot zum Venn zu signalisieren.
Kein Tourismus möglich
Inzwischen steht der Fremdenverkehr in der betroffenen Region vor dem Nichts. In den Hotels und in anderen Unterkünften werden die Buchungen storniert. Durch die Straßensperrungen in Richtung der Region, um die Löscharbeiten nicht zu behindern, gelangt so oder so niemand in die touristisch so beliebten Ortschaften. Auch der Tagestourismus bleibt aus, was wiederum die lokale Gastronomie schwer trifft.
Die Zerstörung von Flora und Fauna ist verheerend
„Wir müssen ganz von vorne anfangen. Obwohl wir noch auf eine genaue Schadensbewertung für Flora und Fauna in Hohen Venn warten, stellt der Brand in jedem Fall einen schweren Rückschlag für die Natur dar, so Cyr Mestdagh, Moorexperte beim flämischen Umweltverband „Natuurpunt“: „Jahrzehntelange Bemühungen zur Renaturierung wurden zunichtegemacht. Es wird lange dauern, bis wir wieder das ökologische Niveau vor dem Brand erreicht haben.“
Das Feuer hat bereits über 3.000 Hektar zerstört. Eine Zahl, die erschreckend klingt, aber schwer zu begreifen ist. Selbst für Experten ist es schwierig, ein konkretes Bild zu zeichnen und es bleibt abzuwarten, bis das Feuer vollständig unter Kontrolle ist.
Das Venngebiet ist für seine Torfmoore bekannt: ein seltenes Ökosystem mit vielfältigen Sumpfpflanzen, das zahlreichen geschützten europäischen Arten Lebensraum bietet, z.B. für die Moorlibelle. Das Hohe Venn war auch der letzte Ort in Belgien, an dem das vom Aussterben bedrohte Birkhuhn vorkam.
Vieles hängt davon ab, wie tief das Feuer in den Torf eingedrungen ist. Mestdagh bezeichnet den Torf als ein „unglaublich stabiles System“, das sich selbst erhält, indem es Wasser wie ein Schwamm aufnimmt und für Trockenperioden speichert.
Außerdem speichert er gigantische Mengen CO₂ in dicken Kohlenstoffschichten. „Wenn nur der oberste Zentimeter verbrannt ist, ist der Schaden am Unterboden vielleicht nicht so groß. Aber wenn es Dutzende Zentimeter betrifft, könnten Millionen Tonnen CO₂ freigesetzt worden sein.“ In diesem Fall bleiben diese Treibhausgase Tausende von Jahren in der Atmosphäre und verschärfen so den Klimawandel.
Betroffene KMU können Überbrückungshilfe beantragen
Kleine und mittelständische Unternehmen, die durch den Brand im Hohen Venn Umsatzausfälle erleiden, können Überbrückungshilfe beantragen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf eine Mitteilung des Kabinetts von Belgiens Ministerin für Selbstständige, Eléonore Simonet (MR).
Die Überbrückungshilfe ist eine Form der sozialen Absicherung für Selbstständige, die ihr Geschäft schließen oder einen Geschäftsrückgang verzeichnen müssen, beispielsweise aufgrund schwerer wirtschaftlicher Probleme oder, wie hier, einer Naturkatastrophe.
Dieser Mechanismus bot beispielsweise während der Corona-Krise eine wichtige Unterstützung. Er sichert den Erhalt bestimmter Sozialleistungen ohne Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen für maximal vier Quartale. Die RSVZ - die für die Sozialversicherung von Selbstständigen zuständige Institution - wird ein entsprechendes Rundschreiben veröffentlichen.
