Über dem brennenden Hohen Venn bot neben aller Dramatik des Geschehens die Natur ein ebenso faszinierendes wie beunruhigendes Schauspiel. Während über 3.000 Hektar Naturlandschaft in Rauch aufgegangen sind, erregte ein in unseren Breitengraden weniger bekanntes Phänomen Aufmerksamkeit: Der Pyrocumulus, eine Wolke, die durch das Feuer selbst entsteht. Dieses Phänomen lässt die Grenzen zwischen Feuer und Himmel verschwimmen und kann die Löscharbeiten der Feuerwehrleute erschweren.
Pyrocumulus: Eigentümliche „Feuerwolke“ durch den Brand im Hohen Venn zum ersten Mal in Belgien entstanden
Dass ein so großes Feuer Schaden anrichtet, ist inzwischen leider hinlänglich bekannt: Wälder stehen in Flammen, Häuser und Infrastruktur werden zerstört… Die Nachrichten in Europa sind voll davon, erst recht im Zuge der aktuellen Hitzewellen.
Weniger bekannt ist in unserer Region, sprich in Belgien, dass diese Art von Feuer das Wetter lokal beeinflussen und sogar eigene Phänomene erzeugen kann.
Über großen Bränden bilden sich manchmal ungewöhnliche Wolken, sogenannte Pyrocumulus-Wolken, deren Name schon vielsagend ist: πῦρ (pûr) ist das griechische Wort für Feuer (wie beispielsweise in Wörtern wie Pyromane oder Pyrotechnik), und das lateinische Wort Cumulus bedeutet Masse oder Haufen.
Feuer erhitzt bekanntlich die Luft stark, lässt diese Luft steigt schnell aufsteigen und kühlt in der Höhe ab. Der Wasserdampf kondensiert und wie bei einer „klassischen“ Wolke bildet sich über der Rauchsäule ein neuer Cumulus, der sogenannte Pyrocumulus.
Diese Wolke stellt an sich kein Problem dar. Die Lage wird deutlich komplizierter, wenn die Wolke an Höhe gewinnt: Dann nimmt sie den Status eines „Pyrocumulonimbus“ an und wird zu einer elektrisch geladenen, instabilen Gewitterwolke, die Windböen erzeugt, die die Arbeit der Feuerwehrleute behindern können.
Eines der großen Probleme des verheerenden Feuers im Hohen Venn in Ostbelgien ist ja, neben den tief in die Erde greifenden Torfbränden, der zeitweise kaum vorauszusagende rasche Windwechsel…

