Rauch von Waldbränden kann bereits nach kurzer Einwirkung gesundheitsschädlich sein. Selbst wer sich nur wenige Stunden in der Nähe eines solchen Feuers aufhält, ist gefährdet. „An Tagen mit Waldbränden steigt das Risiko für Atemwegserkrankungen um etwa 10 % und das Risiko für Herzinsuffizienz um 20 %“, erklärte Umwelt-Epidemiologe Tim Nawrot gegenüber VRT NWS.
Brand im Hohen Venn: "Rauch und Geruch von Waldbränden sind sehr ungesund"
Die Luftqualität ist aufgrund des Brandrauchs sehr schlecht. An einer Messstation in der Nähe des Hohen Venns wurde durchschnittlich 20-mal mehr Feinstaub gemessen als von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen, so Umwelt-Epidemiologe Tim Nawrot von den Universitäten Hasselt (UHasselt) und Löwen (KU Leuven).
Die Waldbrände in Europa haben nicht nur gravierende Auswirkungen auf die Umwelt, sondern auch auf die Gesundheit der Menschen in den betroffenen Gebieten. Laut Nawrot, ist Waldbrandrauch genauso giftig wie verschmutzte Luft in städtischen Gebieten, jedoch in viel höherer Konzentration. Das macht die Belastung besonders schädlich. „Bei Waldbränden beobachten wir Spitzenbelastungen, die 5- bis 10-mal höher sind als normal.“
Nach Ansicht von Nawrot können selbst kurze Rauchvorkommen gesundheitliche Risiken bergen: „Akute Auswirkungen können bereits am Tag nach einer Bloßstellung auftreten. An Tagen mit Waldbränden steigt das Risiko für Atemwegserkrankungen um etwa 10 %, das Risiko für Herzinsuffizienz sogar um 20 %.“
Darüber hinaus werden bei der Verbrennung Substanzen freigesetzt, die sich an Feinstaub anlagern können. Einige dieser Substanzen können sich an die DNA binden und krebserregende Eigenschaften besitzen.
Risikogruppen
„Besonders gefährdet sind Menschen mit Erkrankungen wie Asthma“, so Nawrot: „Die Partikel sind so klein, dass sie sofort in den Blutkreislauf gelangen und dort bestehende Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch Migräne auslösen oder verschlimmern können.“ Die Belastung durch Waldbrandrauch kann für Risikogruppen besonders schädlich sein: „Dazu gehören ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen.“
„Die gesundheitlichen Auswirkungen beschränken sich jedoch nicht auf Risikogruppen wie Menschen mit Vorerkrankungen der Lunge.“ Daher können auch gesunde Menschen nach dem Kontakt mit dem Rauch Symptome entwickeln.
Die psychischen Folgen von Waldbränden sollten enenfalls nicht unterschätzt werden, betont Nawrot: „Menschen, die plötzlich ihr Zuhause verlassen müssen oder regelmäßig evakuiert werden müssen, erleben natürlich großen Stress.“ Diese anhaltende Unsicherheit und Angst können bestehende psychische Probleme verschlimmern und das Risiko psychischer Erkrankungen erhöhen.
FFP2-Masken für die Feuerwehr
Die Wallonische Region wird FFP2-Atemschutzmasken aus ihrem strategischen Bestand 100.000 Masken freigeben, da diese einen guten Schutz vor Feinstaub bieten. Berichten zufolge sind bereits 9.000 Masken verfügbar, die zunächst an Einsatzkräfte ausgegeben werden.
Der Brand im Hohen Venn hat bereits 3.000 Hektar Natur zerstört. Die Staatsanwaltschaft Lüttich hat Ermittlungen aufgenommen, um zu klären, ob das Feuer vorsätzlich oder versehentlich gelegt wurde.
