Die Abtei Maredsous, ein Benediktinerkloster in der belgischen Gemeinde Anhée-Denée in der Nähe der wallonischen Regionalhauptstadt Namür, ist bekannt für ihren Käse und ihr Bier. Doch jetzt destilliert und verkauft die Abtei auch Gin und Whisky und sie veranstaltet Festivals, darunter eines mit einem portugiesischen Priester als DJ. Die neuen Initiativen sollen dabei helfen, die schwierige wirtschaftliche Lage zu meistern.
Neues Businessmodell: In der Abtei Maredsous reichen Bier und Käse alleine nicht mehr aus
Eine Abtei und ein gutes Glas Whisky: Das ist vielleicht nicht die Kombination, die einem sofort in den Sinn kommt. Doch die Abtei Maredsous, im 19. Jahrhundert im Tal der Molignée, ein Nebenfluss der Maas gegründet, bietet heute weit mehr als nur religiöse Erlebnisse, Käse und Bier. Hinter diesen neuen Aktivitäten steckt ein ganz praktischer Grund: Die Abtei, muss trotz ihrer starken Marke irgendwie finanziell überleben, wie die flämische Tageszeitung De Standaard in der vergangenen Woche berichtete.
Viele Abteien in Belgien müssen nach zusätzlichen Einnahmequellen suchen, um ihre Zukunft zu sichern. „Das ist das Ergebnis einer Entwicklung, die schon seit Jahrzehnten im Gange ist“, erzählte Kristien Suenens gegenüber dem VRT-Sender Radio 1 letzte Woche. Sie ist Forscherin am KADOC, dem Dokumentations- und Forschungszentrum für Religion, Kultur und Gesellschaft an der Katholischen Universität Löwen (KU Leuven).
Weniger Mönche, steigende Kosten
Klöster haben es im sich wandelnden wirtschaftlichen Klima schon seit Längerem schwer, sagt Suenens. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist die Zahl der Mönche, Patres, Nonnen und Schwestern auch in den belgischen Klöstern stark zurückgegangen, während die Kosten für die großen Gebäude – ursprünglich für viel größere Gruppen ausgelegt – weiter steigen. Instandhaltung, Heizung und andere Infrastruktur belasten das Budget erheblich.
Laut Suenens trägt auch die Vergreisung der Gemeinschaften dazu bei. Eine große Gruppe von Mönchen und Schwestern, die Pflege benötigen, verursacht zusätzliche Kosten, und die Gebäude sind oft nicht darauf ausgelegt.
Wie werden die Klöster finanziert?
Traditionell verfügen Klöster über verschiedene Finanzierungsmethoden. „Schon im Mittelalter bezogen Klöster einen Großteil ihres Einkommens aus großen Ländereien“, so Suenens: „Im 19. und 20. Jahrhundert änderte sich dies, und die Abteien begannen, ihre Aktivitäten zunehmend zu diversifizieren. Das führte unter anderem zur Gründung von Schulen, Druckereien und Verlagen. Auch die Produktion von Bier, Käse und Brot gewann an Bedeutung.“ Laut Suenens steht dies im Einklang mit der agrarischen Geschichte der Abteien.
Hinzu kamen Spenden und Erbschaften von Ordensfamilien sowie Einnahmen aus den Gehältern und Pensionen der Mönche und Nonnen. Da die Zahl der Neueinsteiger stark zurückgegangen ist, ist auch diese Einnahmequelle weitgehend versiegt. „Staatliche Unterstützung ist übrigens nur möglich, wenn Gebäude unter Denkmalschutz stehen“, erklärt Suenens: „Doch größtenteils müssen die Abteien ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten.“
Wie lässt sich die Identität bewahren?
Neue Einnahmequellen sind daher unerlässlich, so überraschend sie auch sein mögen. Doch Gin, Whisky und Festivals werfen auch die Frage auf, wie weit eine Abtei bei der Einkommenssuche gehen kann, ohne ihre eigene Identität aus den Augen zu verlieren.
„Die Frage ist, wie weit diese Abteigemeinschaften bereit sind zu gehen, um sich ins Rampenlicht zu rücken“, sagt Suenens. Laut ihr versucht Maredsous, sich an Werten zu orientieren, die zur Abtei passen. Sie verweist unter anderem auf nachhaltige Produktion, Zusammenarbeit mit lokalen Erzeugern und soziale Beschäftigung: „Aber ich denke, es gibt auch Spannungen darüber, wie weit sie gehen können.“
Abtei Maredsous, Rue de Maredsous 11, 5537 Anhée. Info: www.maredsous.com
