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Heldenratte Magwa 2022 beim Minensuchen in Kambodscha

Landminen, Tuberkulose und Leichen nach Erdbeben aufspüren: Belgische „Heldenratten“ retten weltweit Leben

Sie spüren Landminen auf, erkennen Tuberkulose, helfen im Kampf gegen illegalen Handel und können sogar Überlebende nach Erdbeben finden: Die von der belgischen NGO APOPO ausgebildeten Ratten retten weltweit Leben. Von ihrem Trainingszentrum in Tansania aus bildet die Organisation seit über 25 Jahren ganz besondere Nagetiere aus, die sogenannten „Heldenratten“.

Nora Eurlings Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

„Imeldo ist eine hochtrainierte und kürzlich zertifizierte Minensuchratte, auch bekannt als ‚HeroRAT‘. HeroRATs wie Imeldo nutzen ihren außergewöhnlichen Geruchssinn, um Sprengstoffe sicher, schneller und genauer als mit herkömmlichen Methoden aufzuspüren.“

Das klingt fast so, als würde eine Figur aus einem Kinderbuch vorgestellt, aber Imeldo ist tatsächlich eine echte Ratte. Die belgische Organisation APOPO hat ihn, wie Hunderte anderer „Heldenratten“, für die Suche nach Landminen ausgebildet. APOPO (Antipersoonsmijnen Ontmijnende Productontwikkeling, etwa: Produktentwicklung zur Landminenräumung) ist eine gemeinnützige regierungsunabhängige belgische NGO, die Methoden für den Einsatz von Spürratten für humanitäre Zwecke erforscht, entwickelt und verbreitet.  

Es ist vor allem der außergewöhnliche Geruchssinn der Ratte, der sie so geeignet für die Sprengstoffsuche macht. Hinzu kommt, dass sie intelligent sind, relativ kostengünstig zu trainieren und leicht genug, um keine Minenexplosionen auszulösen.

So funktioniert es: Die Organisation setzt eine „Heldenratte“ an einem Einsatzort aus. An der Stelle, an der sich eine Mine befinden könnte, bleibt das Tier stehen oder beginnt zu scharren. Ein Kampfmittelräumer begibt sich dann mit einem Metalldetektor zum Einsatzort, um den Sprengstoff zu identifizieren und zu entschärfen.

Imeldo im Einsatz

Clickertraining und Belohnung

Aber woher weiß eine Ratte, ein Tier, das wir normalerweise als Schädling betrachten, wo potenzielle Gefahren lauern? „Zuallererst züchten wir sie selbst“, erklärte APOPO-Geschäftsführer Christophe Cox gegenüber VRT NWS: „Dann zähmen wir sie und trainieren sie mit Clickertraining. Wenn das Tier während des Trainings ein Klickgeräusch hört, weiß es, dass es eine Belohnung erhält. Darauf aufbauend führen wir nach und nach Gerüche ein. Nähert sich die Ratte dem Geruch von Sprengstoff, hört sie ein Klickgeräusch und wird belohnt.“

„So gestalten wir die Aufgabe zunehmend schwieriger“, erklärt Cox das Prinzip weiter. „Bis wir die Ratten auf unserem eigenen Minenfeld hier in Tansania zertifiziert haben. Dort muss sie 800 Quadratmeter absuchen und alle Minen entfernen. Erst dann darf das Tier exportiert werden, um seine Arbeit aufzunehmen.“ Aktuell spüren die Ratten aktiv Minen in der Ukraine, Angola, Kambodscha und Aserbaidschan auf.

Imeldo mit ihrem "Einsatzleiter"

Vorbeugung gegen Tuberkuloseinfektionen

Die Nagetiere erweisen sich aber auch als äußerst geeignet zur Erkennung von Krankheiten. „Wir haben bereits eine halbe Million Tuberkuloseinfektionen verhindert“, so Cox. Zu diesem Zweck arbeitet APOPO mit über 200 Krankenhäusern in Tansania und Äthiopien zusammen. Die Ratten nutzen ihren außergewöhnlichen Geruchssinn, um Proben zu untersuchen, die bereits auf Tuberkulose getestet wurden. Laut der Organisation können so weitere 45 bis 50 % der Infektionen aufgedeckt werden, die bei der ersten Untersuchung unentdeckt geblieben waren.

„Ohne unsere Ratten würden diese Menschen die Diagnose Tuberkulose erhalten und nach Hause geschickt“, so APOPO-CEO Christophe Cox: „Sie erkranken dann aber und können auch Familienmitglieder anstecken.“

Heldenratte Tamasha spürTuberkulose auf, in dem sie an Testspuren riecht

Doch die Tiere werden nicht nur bei Landminen oder Krankheiten eingesetzt. Sie helfen auch im Kampf gegen den illegalen Handel mit geschützten Arten. In einem Hafen und an einem Flughafen in Tansania überprüfen die Nager Pakete unter anderem auf den Geruch von Elfenbein, Hörnern vom Nashorn und Schuppentieren. „Aus dieser Region werden viele dieser Produkte illegal exportiert. Unsere Ratten beschnüffeln die Pakete und können diese Waren aufspüren“, so Cox dazu gegenüber VRT NWS.

Erdbebenhilfe mit einem kleinen Rucksack

Und nun der letzte Punkt auf der bemerkenswerten Aufgabenliste der „Heldenratten“: die Unterstützung bei Such- und Rettungsaktionen nach Erdbeben. Zu diesem Zweck tragen die Ratten einen speziell entwickelten kleinen Rucksack mit Kamera und Kommunikationsausrüstung, damit die Retter ihre Bewegungen verfolgen können.

„Da die Ratten so klein sind, können sie viel tiefer in die Trümmer vordringen als beispielsweise Hunde, die ebenfalls solche Rettungseinsätze durchführen“, erklärt Cox. Das Projekt wird derzeit in Zusammenarbeit mit einer großen türkischen Such- und Rettungsorganisation in Antalya getestet.

Eine der belgischen Heldenratten beim Training

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