Aufgrund der anhaltenden Dürre verlagern immer mehr Unternehmen im fusionierten Genter Hafen North Sea Port ihre Transporte auf LKW. Der Wassertransport mit Binnenschiffen verläuft aktuell langsamer, da die Schleusen in Terneuzen häufiger blockiert sind. Die Binnenschiffe stehen dort im Stau, um gemeinsam in kürzerer Zeit durch die Schleusen nach Gent zu fahren.
Dürre und Trockenheit zwingen Genter Hafenunternehmen zum verstärkten Einsatz von LKW: „Die Wartezeiten an den Schleusen werden länger“
Der Hafen versucht so, den Salzgehalt im Kanal Gent-Terneuzen zu begrenzen, der derzeit dreimal so hoch ist wie normal. Gleichzeitig wird so vermieden, dass zu viel Süßwasser zu schnell ins Meer abgeleitet wird.
Der Salzgehalt im Kanal liegt aktuell bei 8.500 bis 9.500 Milligramm pro Liter, der Standardwert beträgt 3.000 Milligramm pro Liter. Aufgrund der Dürre fließt weniger Süßwasser über Leie und Schelde in den Kanal. Der Wasserstand liegt weiterhin etwa 15 Zentimeter unter dem Sollwert, weshalb Schiffe nicht tiefer als 12,35 Meter im Wasser liegen dürfen – eine Maßnahme, die bereits seit Anfang Juli gilt.
Kürzere Schleusenzeiten
„Man sieht deutlich, dass mehr Waren geliefert und eingelagert werden“, sagt Cas König, CEO von North Sea Port: „Was normalerweise per Binnenschiff z.B. ins Ruhrgebiet transportiert wird, sehen wir jetzt vermehrt auf Lastwagen.“ Der Schienentransport sei keine einfache Alternative, so König, da dies zu viel Koordination erfordere.
Die Nieuwe Sluis und die Westsluis sind inzwischen jeweils vier Stunden vor und nach Niedrigwasser geschlossen. Bei der Oostsluis sind das drei Stunden vor und nach Niedrigwasser - während der zweiten Anpassung der Schleusenzeiten durch Niedrigwasser und dem Salzgehalt Ende Juli galten hier jeweils zwei Stunden Schließzeit.
Die gleiche Anzahl Schiffe muss also alle Schleusen in kürzerer Zeit passieren, was zu längeren Wartezeiten führt. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Aufgrund des niedrigen Wasserstands in europäischen Flüssen können Binnenschiffe weniger Ladung transportieren, wodurch mehr Schiffe die Schleusen passieren müssen.
Weitere Maßnahmen?
„Sollte die Dürre anhalten, schließen wir weitere Maßnahmen nicht aus. Es findet eine kontinuierliche Abstimmung zwischen allen Beteiligten statt“, so Hafen-CEO König. Eine in der Vergangenheit vorgeschlagene Option ist das Abpumpen von Wasser aus der Westschelde. North Sea Port möchte dies jedoch so lange wie möglich vermeiden, da das Salz dann in wichtige Nebenkanäle gelangen würde: „Wenn wir die Schleusen wie bisher schließen können, ist uns das lieber.“
Dieses Problem verursacht zusätzliche Kosten. Unternehmen, die eine Schiffsladung buchen, müssen einen sogenannten Niedrigwasserzuschlag zahlen: Ein Schiff erhält einen Aufpreis, weil es weniger Ladung transportieren kann.
Auch Unternehmen entlang des Albertkanals geraten zunehmend in Schwierigkeiten
Immer mehr Unternehmen in Belgien/Flandern kämpfen mit Lieferengpässen bei Rohstoffen oder Schwierigkeiten beim Vertrieb ihrer Fertigprodukte auf dem Wasserweg. Dies ist nicht zuletzt auch eine Folge der anhaltenden Dürre.
Der dramatisch niedrige Wasserstand des Rheins in Deutschland sowie des mit der Maas verbundenen Albertkanals führt dazu, dass Frachtschiffe weniger schwere Ladungen transportieren können. Aufgrund der Lieferengpässe drohen auch hier die Kosten zu steigen. Die Frage ist, wer die Mehrkosten tragen wird.
