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Seit 188 Tagen Hitzewelle in der belgischen Nordsee: „Es fühlt sich an wie Badewasser“

Die belgische Nordsee erlebt ein außergewöhnlich warmes Jahr. Die Meerwassertemperaturen haben in diesem Jahr bereits 63 Mal Tagesrekorde gebrochen. Seit 188 Tagen herrscht im Meer eine anhaltende Hitzewelle - auch das ist ein neuer Rekord. Im Juli lag die Durchschnittstemperatur 2,7°C über dem Durchschnitt der letzten 25 Jahre.

Barbara De Jonckheere Joris Truyts Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Die durchschnittliche Oberflächenwassertemperatur in der belgischen Nordsee beträgt aktuell 21,2°C. Die Oberflächentemperatur ist die Temperatur, die direkt an der Grenze zur Luft, weiter von der Küste entfernt, gemessen wird.

Das Strandwasser, das flache Wasser, das man spürt, wenn man ins Meer geht, ist sogar 24°C warm. Dieser Wert wurde am Montagmorgen in Ostende gemessen. „Ich war erst letzte Woche im Meer“, so Jan Seys vom Flämischen Institut für das Meer (VLIZ) gegenüber VRT NWS: „Es fühlt sich an wie Badewasser. Von so einem erfrischenden Bad sind wir momentan noch weit entfernt.“

Marine Hitzewelle

Seit dem 4. Februar herrscht im Meer eine ununterbrochene sogenannte marine Hitzewelle - seit 188 Tagen also. Eine marine Hitzewelle ist nicht dasselbe wie eine Hitzewelle an Land. „Sobald das Meerwasser länger als fünf Tage über dem Durchschnitt liegt, sprechen wir von einer marinen Hitzewelle“, erklärt Seys: „Das kann auch im Winter vorkommen. Die 200-Tage-Marke wird zweifellos überschritten werden.“

Die hohen Temperaturen bleiben nicht ohne Folgen für das Leben im Meer. „Die Nordsee ist kein Meer, das solche Temperaturen gewohnt ist“, so Seys weiter: „Das Leben darin ist nicht an diese hohen Temperaturen angepasst. Einige Arten wandern vorübergehend in tiefere, kühlere Gewässer ab, aber das ist keine nachhaltige Lösung.“

Langfristig erwartet der Wissenschaftler Verschiebungen in der Artenzusammensetzung und möglicherweise auch das Verschwinden von Arten. Südliche Arten, die wärmere Temperaturen bevorzugen, nehmen ihren Platz ein.

Intensivere Schauer

Das außergewöhnlich warme Meerwasser beeinflusst auch das Wetter, ergänzt David Dehenauw vom Königlichen Meteorologischen Institut (KMI) in Ukkel/Brüssel: „Es besteht ein Zusammenhang zwischen warmem Meerwasser und häufigeren Schauern“, so Dehenauw beim VRT-Sender Radio 1: „Wärmeres Wasser führt zu stärkerer Verdunstung, während die Luft in höheren Atmosphärenschichten deutlich kälter ist. Dieser große Temperaturunterschied begünstigt die Bildung von Regenwolken.“

Dieser Effekt kann im Herbst besonders stark zum Tragen kommen. Das Meer kühlt sich dann langsamer ab als die Luft, wodurch die Schauer zusätzliche Energie erhalten. „Wenn der Wind diese Schauer landeinwärts treibt, kann es an mehreren Orten zu starken Niederschlägen kommen“, so Dehenauw. Die Wahrscheinlichkeit für einen nassen Herbst steigt, auch wenn dies nicht zwangsläufig bedeutet, dass dieses Szenario tatsächlich eintritt.

Bei Stürmen ist die Situation komplexer. „Es sind vor allem die Niederschläge, die zunächst vom warmen Meerwasser beeinflusst werden, und in geringerem Maße die Stürme, die über der Nordsee toben“, erklärt Dehenauw. Unsere Stürme werden hauptsächlich vom Jetstream und weniger von der Meerwassertemperatur bestimmt: „Das ist im Mittelmeerraum häufiger der Fall.“

Schneller als erwartet

Was Jan Seys vom VLIZ am meisten beunruhigt, ist, dass die Realität die wissenschaftlichen Modelle übertrifft: „Wir beobachten immer häufiger, dass selbst Wissenschaftler Zweifel bekommen, weil sie Entwicklungen beobachten, die sich etwas schneller vollziehen und drastischer ausfallen als vorhergesagt.“

Die Temperaturen sind nicht nur höher als erwartet, sie steigen auch schneller an: „Vielleicht gibt es im Klimasystem Zusammenhänge, die wir noch nicht kennen.“ Ein Rückgang der Meerwassertemperatur ist vorerst nicht in Sicht. Normalerweise erreicht die Nordsee ihren Temperaturhöhepunkt erst Ende August oder Anfang September.

Wie werden diese Daten generiert?

Jan Seys vom VLIZ erklärt: „Die vom VLIZ verwendeten Daten stammen von Satelliten. Diese Satelliten sind mit Infrarot- und anderen Sensoren ausgestattet. Mit diesen wird die Meerwassertemperatur gemessen. Die Messungen werden korrigiert, da Wolken Störungen verursachen können, und anschließend mit realen Messungen kalibriert. Das sind andere Messungen als die von Meteorologen. Sie basieren auf dem Messnetz der Flämischen Bänke.“

Dabei handelt es sich um Bojen vor der belgischen Küste, die mit Messinstrumenten ausgestattet sind: „Dort messen wir leicht abweichende Temperaturen. Die Unterschiede sind zwar gering, können aber über einen Rekordwert oder dessen knappes Verpassen entscheiden. Der Vorteil von Satellitenmessungen liegt darin, dass sie ein sehr großes Gebiet abdecken können.“

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