Es ist wichtig, Einkaufsstraßen hitzebeständig zu gestalten, da die Menschen an heißen Tagen kaum einkaufen gehen. Das sagt Nico Volckerlynck vom Neutralen Verband der Selbstständigen (NSZ) in Flandern. Schatten ist der Schlüssel: Durch das Pflanzen von Bäumen, aber ebenso gut durch Überdachungen oder Sonnenschirme. Bemerkenswert: Wasserspiele wie Springbrunnen haben keine kühlende Wirkung. Als Beispiel für den Ist-Zustand wird Antwerpen herangezogen.
Mäßig erfolgreicher SSV: Wie können Einkaufsstraßen bei extremer Hitze die Kunden anlocken?
Die ersten beiden Wochen des Sommerschlussverkaufs wurden von Hitzewellen überschattet. Eine Umfrage des Wirtschaftsverbands Unizo zeigt, dass die Menschen aufgrund der Hitze nicht nur weniger gekauft, sondern auch günstigere Kleidung erworben haben. T-Shirts und Tops ja, Sommerjacken oder Schuhe nein.
Laut Nico Volckerlynck vom Neutralen Verband der Selbstständigen (NSZ) plädieren Einzelhändler daher angesichts der Hitzewellen für klimaresistente Einkaufsstraßen mit Wasserspielen und Bäumen, damit die Menschen weiterhin gerne einkaufen gehen: „Wenn es kühler ist, bleiben die Menschen länger in der Stadt.“
Vom Heizen zum Kühlen
Der Klimaforscher Hendrik Wouters vom Flämischen Institut für Technologie und Forschung Forschung (VITO) setzt sich ebenfalls für klimaresistente Städte und Einkaufsstraßen ein: „Durch den Klimawandel nehmen Hitzewellen wie die dieses Sommers immer mehr zu. Das macht die Notwendigkeit der Klimaanpassung umso dringlicher.“
Laut Wouters ist unsere Infrastruktur nicht ausreichend an die veränderten Klimabedingungen angepasst: „Früher konzentrierten wir uns hauptsächlich auf das Heizen im Winter, heute ist die Kühlung das größte Problem.“ Wouters nennt verschiedene Lösungen, um das Einkaufen in der Hitze angenehmer zu gestalten. „Der wichtigste Hitzefaktor ist die Sonneneinstrahlung. Sie führt zusätzlich zur hohen Temperatur zu Hitzestress.“ Schatten ist daher ein Schlüsselelement für hitzebeständige Einkaufsstraßen.
Wenn es kühler ist, bleiben die Menschen länger in der Stadt"
Nico Volckerlynck (NSZ)
Wouters plädiert vor allem für zusätzliche Bäume, um Schatten zu spenden: „Sie wirken kühlend, da sie die Verdunstung fördern“, erklärt er. Nicht überall ist Platz für zusätzliche Bäume. Laut Wouters ist dies in dicht bebauten Einkaufsstraßen wie der Meir in Antwerpen und der Veldstraat in Gent oft nicht realisierbar: „Dann geht es ohnehin darum, so viel Schatten wie möglich zu schaffen. Mit einem Blätterdach oder einem Sonnenschirm, wie man sie bereits in südlichen Städten sieht.“
So ist die Wirkung der Bäume sofort spürbar, betont Volckeryck. „In der Nationalestraat in Antwerpen, wo etwa 120 Bäume stehen, war es während der Hitzewelle bis zu 10°C kühler als in der steinernen Kammenstraat“, sagt er.
In der Antwerpener Nationalestraat, wo etwa 120 Bäume stehen, fühlte es sich während der Hitzewelle bis zu 10°C kühler an als in der gepflasterten Kammenstraat“
Nico Volckerlynck (NSZ)
Wasserspiele wie Springbrunnen haben laut Wouters keine kühlende Wirkung. Nur fließendes Wasser aus Flüssen oder Gebirgsregionen hat einen kühlenden Effekt. Stehendes Wasser in Teichen und Brunnen erwärmt sich an heißen Tagen und gibt die Wärme nachts wieder an die Umgebung ab. Dies ist daher höchst unerwünscht, da es der nächtlichen Abkühlung entgegenwirkt und zu zusätzlicher Hitzebelastung führt.
Daher sollten Stadtplaner bei der Neugestaltung der Veldstraat und ders Meir idealerweise keine Pläne für einen zusätzlichen Brunnen einführen. Hilfreich könnte hingegen das Streichen von Fassaden und Dächern sein. „Auch die Farbe der Gebäude kann helfen, insbesondere in höheren Lagen. Weiß gestrichene Flächen reflektieren die Sonnenstrahlung, wodurch sich die Gebäude und der sogenannte ‚Straßenschlucht‘ weniger stark erwärmen.“
Noch besser wäre es, wenn die Gebäude enger beieinander stünden. Laut Wouters ist dies in südlichen Städten, die seit Langem mit der Hitze zu kämpfen haben, bereits der Fal: „Wenn die Straßen schmaler sind, wie in Südeuropa, gibt es auch viel mehr Schatten. Natürlich erfordert dies eine grundlegende Anpassung der bestehenden Gebäude und lässt sich daher nicht einfach in bestehenden Einkaufsstraßen umsetzen.“ Laut Wouters können auch einfachere Maßnahmen eine große Wirkung erzielen: „Schon mit guter Dämmung und Gründächern lässt sich viel erreichen.“
