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Belgiens Verkehrsminister prüft ein Verbot für „Boliden“ für junge Fahranfänger

Bundesverkehrsminister Jean-Luc Crucke (Les Engagés, frankophone Zentrumspartei) prüft, ob er jungen, unerfahrenen Fahrern das Fahren von PS-starken Autos, sogenannten „Protzautos“, verbieten kann. In Italien hat ein solches Verbot für sinkende Unfallzahlen gesorgt und Frankreich geht diesen Weg ab Herbst. Doch nicht alle Mobilitätsexperten halten etwas von einem solchen Verbot. Laut einer am Mittwoch vom Flämischen Institut für Verkehrssicherheit (VIAS) veröffentlichten Analyse zeigen Statistiken zu Unfällen mit jungen Fahrern, dass leistungsstarke Fahrzeuge selten beteiligt sind.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Ein Verbot des Verkaufs oder der Vermietung von Autos an junge Fahrer ab einer bestimmten PS-Zahl könnte in Belgien eingeführt werden. Ziel ist, damit schwere Unfälle und nicht zuletzt auch Belästigungen durch z.B. Ruhestörungen und Verkehrsaggressivität zu vermeiden.

Mobilitätsminister Crucke möchte die Debatte darüber hierzulande anstoßen. Er signalisiert aber auch eine Bereitschaft zur Berücksichtigung von Familien, die große Autos, wie z.B. SUVs, brauchen.

VIAS hat Bedenken

Nach Ansicht des Flämischen Instituts für Verkehrssicherheit (VIAS) bringt ein solches Verbot nichts und es sei auch nicht bewiesen, dass eine solche Maßnahme Unfallzahlen sinken lässt, wie aus Italien gemeldet. Hier wird die Ursache für fahrerisches Fehlverhalten anderswo gesehen.

„Aus philosophischer Sicht ist dieser Vorschlag nachvollziehbar“, betont Stef Willems, Sprecher von VIAS: „Junge Menschen haben ein höheres Unfallrisiko, daher ist es sinnvoll, ihnen keine leistungsstarken Autos direkt in die Hände zu geben. Es gibt jedoch praktische Einschränkungen. Die meisten Familien besitzen nur ein Auto. Und neben der reinen Leistung spielen noch andere Faktoren eine Rolle. Ein sehr leistungsstarkes Elektroauto ist nicht mit einem kleinen, leichten Sportwagen vergleichbar, der selbst mit weniger PS unter Umständen besser für schnelles Fahren geeignet ist.“

Verkehrsminister Crucke nimmt sich aber auch Frankreich zum Vorbild, wo junge Fahranfänger ab Herbst 2026 keine Autos mit mehr als 200 PS mehr fahren dürfen. Das würde in Belgien bedeuten, dass rund 10 % des PKW-Fahrzeugparks davon betroffen wären.  

ANSEHEN

Verkehrsexperte ist überzeugt

Dirk Lauwers, Mobilitätsexperte an der Universität Gent (UGent) ist der Ansicht, dass sich ein solches Experiment lohnen kann, denn er erkennt die Erfolge, die damit in Italien erzielt werden konnten: „Das muss natürlich untersucht werden, aber ich halte ein solches System an sich nicht für eine schlechte Idee. Schließlich ist jeder siebte Unfall mit Todesfolge oder schweren Verletzungen auf Fahrer unter 25 Jahren zurückzuführen. Es besteht also tatsächlich ein Problem.“

„Das wird in Frankreich nicht einfach so eingeführt“, sagt Lauwers: „Und außerdem hat es sich in Italien bereits bewährt: Seit seiner Einführung im Jahr 2011 gab es dort ein Viertel weniger Unfälle mit Beteiligung dieser Altersgruppe.“ 

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