Der Wasserstand der Schelde kann niemals so dramatisch sinken wie der des Rheins oder der Donau. Patrick Willems, Hydrologe an der Katholischen Universität Löwen (KU Leuven), erklärt gegenüber VRT NWS, dass die Schelde nicht nur vom Niederschlag, sondern auch von den Gezeiten der Nordsee abhängig ist: „Unternehmen nutzen zudem weniger Wasser aus der Schelde, weil es salzhaltig ist.“
Trotz Dürre: Warum die Schelde von niedrigen Wasserständen verschont bleibt
Der Wasserstand des Rheins droht aufgrund der anhaltenden Dürre auf ein historisches Tief zu fallen. Auch in der Donau liegt der Wasserstand stellenweise nur noch 23 Zentimeter hoch, was zur Abschaltung von Kernkraftwerken in Ungarn und Rumänien geführt hat. Auch in Belgien herrscht seit einiger Zeit extreme Trockenheit, doch der Wasserstand der Schelde wird niemals so deutlich niedrig sinken können.
Der KUL-Hydrologe Patrick Willems unterstreicht, dass die Schelde ist ein ganz besonderer Fluss ist: „Sie ist der einzige Fluss in unserem Land, dessen Wasserstand niemals so niedrig sinken kann wie im Rhein oder in der Donau.“ Willems bezieht sich dabei auf den Abschnitt zwischen Gent und der niederländischen Gemeinde Vlissingen: „Der Wasserstand der Schelde hängt nicht nur vom Niederschlag, sondern auch von den Gezeiten der Nordsee ab. Durch Ebbe und Flut fließt Wasser aus dem Meer in die Schelde.“
„Aufgrund des Klimawandels und des steigenden Meeresspiegels wird die Wassermenge, die aus der Nordsee in den Fluss fließt, weiter zunehmen“, fährt Willems fort: „Die Schelde verhält sich völlig anders als der Rhein oder die Donau. Schifffahrtsprobleme wie auf diesen Flüssen wird es hier nicht geben.“ Donau und Rhein werden von Schmelzwasser gespeist: „Im Fall des Rheins stammt ein Teil des Wassers aus dem Eis der Alpen“, erklärt Willems. Die Gletscher in den Alpen sind stark zurückgegangen, wodurch weniger Wasser in den Rhein fließen kann.
Deutlich salzigeres Wasser
Aufgrund der anhaltenden Dürre hat der Wasseranteil, der nicht aus dem Meer stammt, stark abgenommen. „Dadurch wird das Wasser der Schelde deutlich salziger“, erklärt Maarten Deschamps vom Hydrologischen Informationszentrum (HIC): „Das kann Auswirkungen auf die Fauna und Flora im und entlang des Flusses haben. Die Schelde enthält zudem große Mengen an Sedimenten, eine Mischung aus Sand und Schlick, die durch den Wechsel von Süß- zu Salzwasser verdrängt werden.“
Übermäßige Sediment- und Schlickablagerungen im Fluss behindern den Wasserfluss und verringern die Speicherkapazität im Einzugsgebiet. Dies erhöht das Hochwasserrisiko. Außerdem beeinträchtigt es die Ökologie des Gewässers und führt zu einer Verschlechterung der Wasserqualität.
Auch kritische Stellen in Belgien
Die zunehmende Versalzung des Wassers wirkt sich auch auf Unternehmen aus, die Wasser aus der Schelde entnehmen. Allerdings sei deren Anzahl relativ gering, so der Hydrologe Willems: „Die meisten Unternehmen und Landwirte benötigen Frischwasser und beziehen das daher eher nicht aus der Schelde.“
An der Maas oder im Abschnitt der Schelde zwischen Frankreich und Gent, könnten die Probleme mit dem niedrigen Wasserstand allerdings ähnlich kritisch werden wie an Rhein und Donau. „Dass die Situation in unserem Land noch nicht so dramatisch ist, liegt daran, dass das Einzugsgebiet am Rhein und an der Donau noch trockener ist als hier“, sagt Willems: „Auch die geringere Schmelzwassermenge spielt dabei eine wichtige Rolle.“
Bisher bleibt auch die Maas von deutlich niedrigen Pegelständen verschont. Allerdings ist zu bemerken, dass auch hier weniger Binnenschiffe unterwegs sind. Das mag daran liegen, dass viel weniger Binnenschiffe aus anderen Ländern durch die dortigen sinkenden Pegelstände in Richtung Belgien und die hiesigen Seehäfen unterwegs sind…
