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Nach einem der trockensten Monate aller Zeiten: Schützt Flanderns „Blue Deal“ ausreichend vor Wasserknappheit?

Der Juli war auch in Flandern einer der trockensten Monate, die unser Land je erlebt hat. Mit allen damit verbundenen Folgen: kritischer Grundwasserspiegel, niedrige Flusspegel und ein Pumpverbot. Der „Blue Deal“ wurde vor sechs Jahren von der flämischen Landesregierung ins Leben gerufen, um der Wasserknappheit entgegenzuwirken. Ist der Deal erfolgreich? „Ohne den ‚Blue Deal‘ stünden wir schlechter da“, sagt der Hydrologe Patrick Willems (KU Leuven). Und doch machen sich Experten Sorgen um die Zukunft.

Andreas Kockartz Josse Willems
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Der vergangene Monat Juli war sehr heiß und extrem trocken. Das Königliche Meteorologische Institut (KMI) zählte im Juli nur zwei Regentage. Normalerweise liegt der Durchschnitt bei 14,3 Tagen mit Niederschlägen. Im gesamten Monat Juli fielen belgienweit zudem weniger als 10 Millimeter Regen.

Und das ist sofort spürbar: Bereits vor zwei Wochen rief die flämische Dürrekommission die Warnstufe Orange aus. Das entspricht einer Phase akuter Wasserknappheit. Seitdem gilt auf nicht schiffbaren Wasserstraßen ein Pumpverbot. Auf schiffbaren Wasserstraßen werden Schleusen seltener benutzt.

„Der Sommer ist noch lange nicht vorbei. Wir haben noch die Monate August und September vor uns“

Patrick Willems, Professor für Hydrologie (KU Leuven)

Die Situation ist daher besorgniserregend, wie der Hydrologe Patrick Willems von der Katholischen Universität Löwen in Flämisch-Brabant (KU Leuven) erklärt: „Der Grundwasserspiegel ist an drei Vierteln der Standorte niedrig bis sehr niedrig. In den kleineren Wasserläufen ist der Pegel auf ein ökologisch kritisches Niveau gesunken und auch die größeren Flüsse und Kanäle führen für diese Jahreszeit außergewöhnlich wenig Wasser.“

Vor allem Letzteres bereitet Willems Sorgen: „Der Sommer ist noch lange nicht vorbei. Wir haben noch die Monate August und September vor uns. Starkregen und kühlere Temperaturen sind noch nicht zu erwarten.“

Der „Blue Deal“

Um all diesen Problemen und Risiken entgegenzuwirken, führte die flämische Regierung 2020 den „Blue Deal“ ein, ein umfassendes Maßnahmenpaket gegen Überschwemmungen und Wasserknappheit. Ziel ist unter anderem, Regenwasser besser im Boden zu speichern und dessen Abfluss ins Meer zu verhindern.

Doch die kritische Lage, in der wir uns heute befinden, wirft die Frage auf: Bietet der „Blue Deal“ bereits ausreichenden Schutz? „Ohne den Blauen Deal wäre die Situation deutlich schlimmer“, sagt Willems, der als Experte an der Ausgestaltung des Deals mitwirkt: „Es ist auf jeden Fall ein sehr guter Plan. Es werden wirklich gute Maßnahmen ergriffen.“

Nachhaltige Bodennutzung wird der Landwirtschaft empfohlen

Eine Auswahl der bereits umgesetzten Maßnahmen

• Landwirte werden zu einer nachhaltigen Bodenbewirtschaftung angehalten, beispielsweise durch die Entfernung unnötiger Entwässerungssysteme.

• In bebauten Gebieten liegt der Fokus auf der Entsiegelung und Begrünung.

• Trinkwasserversorger sind miteinander vernetzt - So können sie sich im Falle von Engpässen gegenseitig mit Trinkwasser versorgen.

• Flusstäler sollen wieder ihren natürlichen, mäandernden Verlauf nehmen, damit das Wasser besser im Boden versickern kann.

• Feuchtgebiete werden renaturiert, um ihre Wasseraufnahmefähigkeit zu verbessern. 

Die flämische Regierung war bereit, in der vorherigen Legislaturperiode, als Zuhal Demir (N-VA, flämische Nationaldemokraten) noch Umweltministerin war, hohe Summen dafür auszugeben. Der „Blue Deal“ verfügt über ein Budget von mehr als 500 Mio. €. „Wir sind jetzt deutlich besser vorbereitet. Wo Maßnahmen ergriffen wurden, sind die Auswirkungen von Dürreperioden weniger stark spürbar. Diese Gebiete können etwas mehr Dürre verkraften; die Probleme lassen sich dort hinauszögern“, so Willems.

Nicht stark und schnell genug

Niko Verhoest, Hydrologe an der Universität Gent (UGent), sieht die Sache etwas kritischer: „Die Ergebnisse des ‚Blue Deals‘ sind hier und da schon sichtbar, aber das ist sehr lokal. Wir sind noch weit von unserem Ziel entfernt.“

Laut Verhoest ist ein grundlegendes Umdenken nötig: „Es braucht mehr Grün in den Städten. Es wird immer noch zu viel Wasser gepumpt, um Rasenflächen zu bewässern … Warum müssen all diese Fußballfelder im Sommer immer noch bewässert werden, wenn dieses Wasser anderswo sinnvoller eingesetzt werden könnte?“

„Die Ergebnisse des Blue Deals sind hier und da schon sichtbar, aber das ist sehr lokal. Wir sind noch weit von unserem Ziel entfernt“

Niko Verhoest, Professor für Hydrologie (UGent)

Auch Willems meint, es sei Zeit für eine Ausweitung: „Die Gebiete, an denen bereits gearbeitet wurde, sind immer noch nur Punkte auf der gesamten Karte von Flandern, und es geht etwas langsam voran. Alles braucht Zeit und Planung.“ Doch Zeit ist alles andere als reichlich vorhanden, wie auch Willems weiß: „Es ist klar, dass der Klimawandel schneller voranschreitet, als wir derzeit Maßnahmen ergreifen können.“

Ausweitung und Beschleunigung kosten Geld, und davon ist derzeit zu wenig vorhanden: „Das Budget ist begrenzt. Regierungen müssen Prioritäten setzen, und es ist für uns als Experten schwierig, mehr Mittel zu sichern, als bereits zur Verfügung stehen“, so Willems weiter.

„Blue Deal“ 2.0

Im vergangenen Jahr wurde der „Blue Deal“ unter Umweltminister Jo Brouns (CD&V, flämische Christdemokraten) aktualisiert. Brouns nannte ihn einen „ambitionierten und kohärenten Plan“, stellte aber weniger Geld dafür bereit als seine Vorgängerin. Für diese Legislaturperiode wurden lediglich weitere 430 € bewilligt.

„Die Budgets waren bereits zu niedrig und sinken jetzt noch weiter“, beklagt Clarysse: „Darüber hinaus werden auch andere Kostenposten untergeschoben, was den ‚Blue Deal‘ weiter untergräbt.“ Auch Patrick Willems zufolge reichen die Mittel für alle Pläne nicht aus, doch inhaltlich hält er die Entscheidungen für richtig: „Beim ersten ‚Blue Deal‘ setzte man auf schnelle Erfolge. Jetzt, mit einem begrenzten Budget, wird sorgfältig abgewogen, welche Maßnahmen die größte Wirkung erzielen.“

Laut Willems folgt die Regierung beim neuen „Blue Deal“ dem Rat von Experten: „Wir hatten empfohlen, zunächst klare Ziele festzulegen, wo wir hinwollen. So können wir für jeden Bereich berechnen, welche Kosten entstehen, um ein akzeptables Risiko zu erreichen. Die Regierung hat dem zugestimmt: Bis Anfang 2027 werden wir ‚Wassersicherheitsziele‘ für ganz Flandern haben.“

Darüber hinaus will die Regierung an „lokalen ‚Blue Deals‘“ arbeiten. „Man bringt alle Beteiligten zusammen und prüft gemeinsam die Folgen und Risiken. Dann sucht man gemeinsam nach Lösungen“, erklärt Willems: „Das führt zu einem breit getragenen Plan und vermeidet Widerstand und Verzögerungen, sobald der Prozess angelaufen ist.“

Niedrige Pegelstände in den Flüssen und Kanälen

Was bringt die Zukunft?

Nach sechs Jahren hat sich der „Blue Deal“ erwartungsgemäß noch nicht als Wunderlösung erwiesen. Doch wie sieht die Zukunft aus? „Wir wissen, dass die globale Erwärmung nicht einfach aufhören wird, und wir werden daher mehr Trockenperioden erleben“, sagt Verhoest: „Wir müssen uns deshalb an allen Fronten vorbereiten und realistisch sein: Nicht alles wird gelingen“, fügt Verhoest hinzu.

„Der Blue Deal wird ein Projekt für die kommenden Jahrzehnte sein. In etwa zehn Jahren werden wir noch nicht gegen alle Risiken der Wasserknappheit gewappnet sein“, stellt auch Willems realistisch fest.

Verhoest und Willems betonen beide, dass wir vor allem zu spät gehandelt haben: „Es fehlte das Bewusstsein für die Dringlichkeit, obwohl wir als Hydrologen schon lange davor gewarnt hatten. Die Menschen handeln erst, wenn es schon zu spät ist.“ Willems kommt jedoch zu einem hoffnungsvolleren Schluss: „Die Aufholbemühungen haben begonnen und gehen in die richtige Richtung.“

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