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Im Brüsseler Horta Museum

Jugendstil versus Art déco? Das Horta-Museum in Brüssel zeigt die Unterschiede anhand von Stühlen auf

Was unterscheidet den extravaganten Jugendstil vom eleganten Art déco? Im Horta-Museum in Sint-Gillis in Brüssel kann man diesen Unterschied in der Ausstellung „Jugendstil versus Art déco? 1850–1950: Ein Jahrhundert in 31 Stühlen“ genauer nachvollziehen.

Andreas Kockartz
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Stühle berühmter Designer wie Henry van de Velde, Le Corbusier, Marcel Breuer und natürlich Victor Horta stehen Seite an Seite. Das Museum möchte nicht die Unterschiede betonen, sondern vielmehr die Verbindungen zwischen diesen Designern aufzeigen. Dabei wird auch die Frage beleuchtet, warum ein Stuhl mehr ist als nur ein Stuhl ist.

Die Ausstellung bietet eine neue Perspektive auf ein Jahrhundert des Wandels in Design und Architektur der westlichen Welt. Jugendstil und Art déco, oft als gegensätzliche Strömungen dargestellt, treten hier durch den Stuhl, ein emblematisches Objekt der Innenarchitektur, in einen Dialog. Der Stuhl wird zum roten Faden der Ausstellung und offenbart die Kontinuitäten zwischen den Generationen von Designern. 

Was Stühle zur Kunstgeschichte erzählen können - Foto Thomas Lancz/Horta Museum

Studierende der Brüsseler Kunsthochschule La Cambre aus der Abteilung Industriedesign präsentieren parallel zu der Ausstellung ihre zeitgenössische Interpretation des Stuhls. Einer dieser neuen Entwürfe wird am Ende in die permanente Sammlung des Horta-Museums aufgenommen.

„Jugendstil versus Art déco? 1850–1950: Ein Jahrhundert in 31 Stühlen“, noch bis zum 11. Januar 2027, im Horta-Museum, Amerikaansestraat 27, 1060 Sint-Gillis/Brüssel. Der Eintritt ist frei. Info: https://hortamuseum.be/

Der Gebäudekomplex

Die Gebäude des heutigen Horta-Museum, das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, wurde 1898 von dem berühmten belgischen Jugendstilarchitekten Victor Horta auf zwei Parzellen der Brüsseler Amerikaansestraat als Wohnhaus und Atelier erbaut.

Von Arabesken und Licht: Der Jugendstilpionier erfand einen auf der Arabeske beruhenden Stil und revolutionierte den traditionellen Grundriss des bürgerlichen Hauses. Mit der Konzeption eines Oberlichtes, das sich über einem großräumigen Treppenhaus befindet, brach er mit der Struktur des Hauses mit Bel-Etage und drei aneinander anschließenden, eher dunklen Zimmern. Außerdem nutzte er alle Möglichkeiten seines handwerklichen Könnens und der Verwendung von industriellen Materialien wie Eisen, Gusseisen und Glas.

Hortas Anspruch war, Kunst und Innenausstattung zu einem Gesamtkunstwerk zusammenzufügen, das das tägliche Leben zu einer ästhetischen Erfahrung machte. Das Museum beherbergt gleichzeitig ein Forschungszentrum über Victor Horta und den Jugendstil. Die persönlichen Archive Hortas, die Pläne seiner Bauten und die Bibliothek sind nach Vereinbarung zugänglich.

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