Demenz kostet die belgische Gesellschaft schätzungsweise 4,14 Milliarden Euro pro Jahr. Fast 60 Prozent dieses Betrags entfallen auf die unbezahlte Pflege durch Partner, Familienangehörige, Freunde und andere pflegende Angehörige. Das geht aus einer internationalen Studie hervor.
Demenz kostet Belgien jährlich 4,1 Milliarden Euro – Angehörige tragen den Großteil der Kosten
Die Studie wurde am Montag in der Fachzeitschrift Journal of Alzheimer's Disease veröffentlicht. Daran wirkte auch Prof. Dr. Sebastiaan Engelborghs vom Universitätsklinikum Brüssel (UZ Brussel) und der Freien Universität Brussel (VUB) mit.
Der Studie zufolge lebten im Jahr 2019 schätzungsweise 196.000 Menschen mit Demenz in Belgien. Die durchschnittlichen gesellschaftlichen Kosten beliefen sich auf rund 21.200 Euro pro Demenzpatient und entsprachen damit etwa 1,1 Prozent des belgischen Bruttoinlandsprodukts.
Von den Gesamtkosten der Demenz in Belgien im Jahr 2019 entfielen insgesamt 2,48 Milliarden Euro auf die informelle Pflege. Gemeint ist damit die unbezahlte Unterstützung, die Menschen mit Demenz von Angehörigen erhalten, darunter beim Waschen, Ankleiden, Essen und der Medikamenteneinnahme, aber auch beim Einkaufen, der Organisation von Fahrten und bei Verwaltungsaufgaben. Die direkten Kosten für medizinische und nichtmedizinische professionelle Pflege beliefen sich schätzungsweise lediglich auf 1,67 Milliarden Euro.
Der Großteil der gesellschaftlichen Kosten von Demenz wird somit von der informellen Pflege beziehungsweise von pflegenden Angehörigen getragen. „Fast 60 Prozent der gesellschaftlichen Kosten in Belgien entstehen außerhalb der professionellen Pflege und werden überwiegend von Partnern, Kindern und anderen Angehörigen getragen“, sagt Professor Engelborghs.
Mehr Unterstützung erforderlich
Seiner Ansicht nach verdienen pflegende Angehörige deshalb nicht nur Anerkennung, sondern auch zusätzliche strukturelle Unterstützung. Die Forscher sprechen sich für einen umfassenden Ansatz im Umgang mit Demenz aus – mit Augenmerk auf eine frühzeitige Diagnose, Prävention und neue Behandlungsmöglichkeiten, aber auch auf eine leicht zugängliche häusliche Pflege, psychosoziale Begleitung und Schulungen für pflegende Angehörige.
„Es braucht Behandlungen, die Menschen möglichst lange selbstständig halten, aber auch ein Pflegesystem, das Patienten und ihre Angehörigen unterstützt, wenn die Abhängigkeit zunimmt“, heißt es.
