Die Programme zur Wiedereingliederung der Beschäftigten nach der Schließung des Automobilwerks Audi Brussels laufen allmählich aus. Die christliche Gewerkschaft ACV drängt nun auf Klarheit über die zukünftige Nutzung des Standorts. „Geringqualifizierte befinden sich in der verletzlichsten Lage“, warnt die Gewerkschaft.
Hunderte ehemalige Beschäftigte von Audi Brussels finden weiterhin keine neue Arbeit
Diese Woche jährt sich zum zweiten Mal die Ankündigung der Schließung von Audi Brussels. Im Februar 2025 lief schließlich das letzte Fahrzeug vom Band. Rund 3.000 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz, zudem waren auch bei Zulieferunternehmen Hunderte weitere Stellen bedroht.
Die Hoffnung war, dass andere Unternehmen – etwa aus den Bereichen Logistik oder Bauwesen – Interesse daran hätten, die ehemaligen Audi-Beschäftigten einzustellen. Ihre technischen Fähigkeiten und ihre Erfahrung in einem Industriebetrieb gelten schließlich als wertvolle Qualifikationen.
Diese Bemühungen haben durchaus Erfolge gezeigt. Mehr als 1.500 ehemalige Audi-Mitarbeitende und Beschäftigte von Zulieferern haben inzwischen wieder Arbeit gefunden oder befinden sich in einer Weiterbildung. Das ergab ein Zwischenstand im Februar. Über 1.200 Personen fanden bereits eine neue Stelle, meist mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag.
Sorgen um die Verbleibenden
Die Gewerkschaft ACV begrüßt zwar den Erfolg der Unterstützungsprogramme, zeigt sich jedoch besorgt über jene, die bislang keine dauerhafte Perspektive gefunden haben.
Mehrere Hundert ehemalige Beschäftigte seien weiterhin ohne nachhaltige Lösung. „Die Zahl der offenen Stellen ist in den vergangenen Monaten zurückgegangen. Das macht die Rückkehr erfahrener Arbeitnehmer auf den Arbeitsmarkt zusätzlich schwierig“, erklärt die Gewerkschaft.
„In den letzten Monaten beobachten wir, dass Industrieunternehmen in der Region deutlich zurückhaltender bei Neueinstellungen geworden sind“, erläutert Gewerkschaftsvertreter Jan Baetens (ACV). „Das US-amerikanische Paketdienstunternehmen UPS kündigte im Juni sogar an, bis zu 525 Stellen in Belgien abzubauen.“
Besonders schwierig sei die Situation für ehemalige Audi-Mitarbeiter aus dem Raum Brüssel. „Vor allem die geringer Qualifizierten befinden sich derzeit in einer sehr verletzlichen Position“, so Baetens.
Dringender Bedarf an einer neuen Nutzung des Standorts
Die verschlechterte Wirtschaftslage erhöht nach Ansicht der Gewerkschaft den Druck, für das ehemalige Audi-Gelände rasch eine neue wirtschaftliche Perspektive zu schaffen.
Der Brüsseler Wirtschaftsminister Laurent Hublet (Les Engagés) kündigte vor einigen Wochen an, den Standort in Vorst in eine „wirtschaftliche Beschleunigungszone“ umzuwandeln. Ziel ist es, die Reindustrialisierung der Region Brüssel zu unterstützen.
Bislang hat der Standort jedoch noch nicht den Eigentümer gewechselt, weshalb die konkrete Zukunft des Geländes weiter offen ist. Früher war davon die Rede, dass Audi den Verkauf des Werks an den Limburger Investor Heylen Warehouses bis Juni 2026 abschließen würde. Diese Frist wurde jedoch nicht eingehalten. Die beteiligten Parteien äußern sich bislang kaum zum Stand der Verhandlungen.
Volkswagen-Umbau könnte Verkauf beschleunigen
Jan Baetens sieht allerdings einen möglichen neuen Impuls durch die kürzlich angekündigte umfassende Restrukturierung beim Audi-Mutterkonzern Volkswagen in Deutschland.
„Eine solche Restrukturierung kostet viel Geld. Das könnte Audi dazu bewegen, das Werk in Vorst rasch zu verkaufen und dieses Kapitel endgültig abzuschließen“, sagt er.
Der tatsächliche Wert des Geländes ist schwer einzuschätzen. In Branchenkreisen kursieren Schätzungen zwischen 40 und 100 Millionen Euro. Als entscheidender Faktor gelten die noch nicht genau bezifferbaren Kosten einer möglichen Bodensanierung.
Bis zu 2.750 neue Arbeitsplätze?
Das ACV unterstützt das Ziel von Wirtschaftsminister Hublet, auf dem Gelände künftig bis zu 50 Arbeitsplätze pro Hektar zu schaffen. Da das Areal rund 55 Hektar umfasst, könnten dort theoretisch bis zu 2.750 neue Jobs entstehen.
„Die Geschichte von Audi darf nicht mit einer Schließung enden“, betont die Gewerkschaft. „Sie muss der Beginn eines neuen industriellen Kapitels für Brüssel sein.“

