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Stella Artois wird 100 Jahre alt: Wie das beliebte Lagerbier Löwen in Flämisch-Brabant bis heute prägt

Stella Artois feiert sein 100-jähriges Jubiläum und die Stadt Löwen in Flämisch-Brabant wuchs mit diesem Erfolg. Mit dem Aufstieg des Lagerbiers zu einer globalen Marke entstanden in der Stadt Hunderte neuer Arbeitsplätze und ihr Stadtbild veränderte sich. „Die Arbeiter gaben ihren Lohn nach der Schicht in der Stadt aus. So floss das Geld direkt zurück in die lokale Wirtschaft“, erzählt ein ehemaliger Mitarbeiter, der heute ein Buch über Stella schreibt.

Sam Coremans Andreas Kockartz
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Stella Artois mit seinem international bekannten Pils wird 100 Jahre alt. Wer das Logo des Bieres genauer betrachtet, entdeckt auch die Jahreszahl 1366 darauf. Diese Zahl bezieht sich nicht auf die Markteinführung des Stella-Lagerbiers, sondern auf die erste Erwähnung der Brauerei Den Hoorn. Diese wurde 1717 von Sebastiaan Artois übernommen und ist somit der Vorfahre des Mutterkonzerns AB InBev.

Ein Bier, das fast überall auf der Welt beliebt ist, bringt vor allem Geld ein. In den letzten Jahren hat der Erfolg von Stella Artois nicht nur dem Unternehmen, sondern auch den Einwohnern von Löwen zugutekommen. Jahrhundertelang arbeiteten viele von ihnen in den verschiedenen Brauereien der Stadt und die Stadtkasse füllte sich mit den Biersteuern.

Ab 1926 stieg die Zahl der Beschäftigten rasant an. Die Brauerei Artois war bereits bekannt, doch erst das Stella Artois Lager- bzw. Pils-Bier machte sie zu einem Weltmarktführer.

Von 70 auf 2.800 Mitarbeiter

Vor 100 Jahren war Lager- oder Pilz-Bier noch eine relativ neue Erfindung aus Tschechien, die hauptsächlich durch Deutschland in unsere Region eingeführt wurde. „Artois hatte diese Biersorte schon vorher gebraut, aber erst Stella wurde ein wirklich großer Erfolg. Es wurde schnell zum beliebtesten Bier des Unternehmens und in den 1960er-Jahren Marktführer in Belgien“, sagt Guy Vanautgaerden. Er arbeitete jahrelang als Vertriebsleiter für Stella Artois und schreibt derzeit an einem Buch zum 100-jährigen Jubiläum des Bieres.

In den 1970er-Jahren stieg der Absatz des Lagerbiers auf 4 Millionen Hektoliter. Umgerechnet sind das 1,2 Milliarden Gläser Bier. Dies sind die letzten Zahlen, die die Brauerei zur Bierproduktion liefern kann, doch eines ist klar: Mit dem Absatz stieg auch die Zahl der Beschäftigten.

Der millionste Hektoliter wurde von Alfons Smets, dem ehemaligen Bürgermeister von Leuven, angestochen. Foto: Guy Vanautgaerden

„In den Geschäftsbüchern von 1900 lesen wir, dass etwa 70 Personen für die Brauerei arbeiteten, darunter Fassschlepper, Schmiede und Spediteure“, sagt Vanautgaerden. „Bei der Markteinführung von Stella im Jahr 1926 sprechen wir bereits von über 400 Mitarbeitern. Diese Zahl stieg bis zum Zweiten Weltkrieg auf 600.“ Heute arbeiten über 2.800 Menschen für AB InBev in Belgien, davon mehr als 800 in der Brauerei in Leuven.

Eng mit Löwen verbunden

Die Brauerei ist der Stadt weiterhin eng verbunden, auch kulturell und gesellschaftlich. „Stella Artois hat sich schon immer für lokale Veranstaltungen und Vereine engagiert“, so Guy Vanautgaerden. „Man denke nur an Theater, Sport, Quizabende … Das Spektrum reicht von kleinen Gruppen bis hin zum Fußballverein Oud-Heverlee Leuven.“

„Wir hatten auch eine eigene Blaskapelle, die bei vielen städtischen Veranstaltungen spielte. Die Brauerei war auch in sozialen Belangen fortschrittlich. So gab es beispielsweise eine eigene Krankenversicherung, die Kindern Fahrten zu See- und Bergcamps ermöglichte. Heute gibt es noch den Verhelst-Sozialfonds, der das Wohlbefinden der Mitarbeiter sichert.“

Nicht zu übersehen…

Wer auf dem Löwener Ring zwischen Lüdenscheidsingel und Diestsevest unterwegs ist, kann sie nicht übersehen. Die große Brauerei empfängt Besucher mit dem Stella-Artois-Logo, das die Stadt überragt. Die heutige Brauerei wurde 1991 erbaut und das Erbe der Brauerei ist auch im restlichen Viertel „Vaartkom“ sichtbar.

Die noch erhaltenen Gebäude der alten Brauerei sind Wahrzeichen der Stadt: „Denken Sie nur an De Hoorn, wo heute Geschäfte angesiedelt sind und Veranstaltungen stattfinden. In der Sluisstraat, wo sich einst die Schmiede und die Abfüllanlage befanden, stehen heute schöne Wohnhäuser und Büros. An der Ecke zur ‚Vaart‘ (der innerstädtische Kanal, Red.) steht noch immer das prächtige Brauereigebäude mit dem Café De Lantaarn. Das ist wirklich ein Wahrzeichen. Ich finde es wunderbar, dass diese alten Gebäude erhalten wurden, die oft noch den Namen Stella Artois tragen.“

Stella-Gebäude an der "Vaartkom"

Im Stadtzentrum wurden die Spuren von Stella Artois durch die Weltkriege und neue Bauprojekte verwischt. „Man kann tatsächlich ein Dreieck vom Vaartkom über die Burchtstraat zur Mechelsestraat und weiter zur Penitentienenstraat bilden“, sagt Vanautgaerden: „Alles dazwischen wurde von den Brauereien dominiert.“

Von Brauern gegrabener Kanal

Blickt man etwas weiter in die Geschichte zurück, wird die Bedeutung der Brauerei noch deutlicher: „Der Vaart-Kanal wurde auf Wunsch der zahlreichen Brauer Löwens angelegt, darunter Artois als eine der treibenden Kräfte. Die Brauer benötigten einen schnelleren Wassertransport zur Schelde. Deshalb tätigten sie eine bedeutende Investition. Mit dem Vaart-Kanal siedelten sich auch Unternehmen wie (die Konservenfabrik, Red.) Marie Thumas in ‚Vaartkom‘ an. Der Vaart-Kanal wird noch heute als Brauerkanal bezeichnet und das völlig zu Recht.“

Der Vaart-Kanal am Ortsausgang von Löwen führt in Richtung Schelde

Touristische Anziehungskraft

Auch heute noch profitiert die Stadt in vielerlei Hinsicht von der Brauerei. Neben den Einnahmen für die Stadtkasse trägt sie auch zum Image Löwens bei. „Wir sind eine echte Bierstadt und darauf konzentrieren wir uns“, sagt die Tourismusdezernentin Liesbeth Vandermeeren (CD&V, flämische Christdemokraten): „Stella Artois ist ein Aushängeschild für die Stadt. Überall in der Stadt findet man zahlreiche Zeugnisse des Biererbes, auch von anderen Brauereien. Es ist schwierig, die genaue Anzahl der Touristen zu beziffern, die uns dadurch anziehen, aber es macht uns sicherlich attraktiv für Bierliebhaber aus dem Ausland.“

Wenn in Löwen was los ist, ist Stella Artois meistens dabei
Traditionskneipe in der Altstadt von Löwen

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