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"Interieur met Groene Plant en Stolp" - "Inneneinrichtung mit Grüner Pflanze und Glocke" - Leon Spiliaert (1907).

“Through half-open doors” – Eine besondere Leon Spilliaert-Ausstellung in Brüssel

In diesem Sommer präsentiert Patrick Deroms Brüsseler Galerie, gleich um die Ecke vom Zavel, die Ausstellung „Through half-open doors“ („Durch halb geöffnete Türen“), eine großartige Auswahl von rund 40, oft noch nie gezeigten Werken des belgischen Künstlers Léon Spilliaert (1881–1946). Der junge Spilliaert schuf seine besten Arbeiten in Zeiten als es ihm nicht wirklich gut ging. Dies wird in einigen der hier ausgestellten Werke deutlich sichtbar.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Von 1907 bis 1909 litt Léon Spilliaert an Magengeschwüren und einer düsteren Gemütsverfassung. Er porträtierte sich immer wieder selbst, vorzugsweise im Dunkeln. Und stets in einem eleganten Anzug, denn er war kein Bohemien. Im Gegenteil, er legte großen Wert darauf, wie er auf andere wirkte. Ein Selfie nach dem anderen, vor allem um seine eigene Identität zu finden…

Auffällig ist, dass Spilliaert, wenn er nicht gerade einen seiner vielen nächtlichen Spaziergänge am Strand von Ostende unternahm, seine Zeit am liebsten im Haus seiner Eltern in der Kapellestraat verbrachte. Dort, in der Hausnummer 2, befand sich die Parfümerie seines Vaters, nebenan der Friseursalon seines Onkels. Man kennt diese Räume aus den Selbstporträts, doch sie wirken auch als Interieurs oder als Hintergrund eines Stilllebens nach, denn Spilliaert bleibt selbst in seiner Abwesenheit bedrückend präsent.

Was sagt der Kurator dazu?

Das ist auch die These von Kurator Edouard Derom, der diese Ausstellung zusammenstellte: „Wir betrachten mentale Räume, eingefroren in der Zeit. Als ob wir durch die Darstellung dieser Interieurs in seinen eigenen verwirrten Kopf gelangen. Was er sichtbar macht, ist vor allem eine innere Realität. Und das ist besonders unheimlich.“

In der Galerie Deroom in Brüssel sind zahlreiche Werke zu entdecken, die nicht oft öffentlich gezeigt werden

Es ist bemerkenswert, wie Spilliaert nur wenige Elemente verwendet: Einen Türpfosten, ein Fenster, eine Glaskuppel, eine Zimmerpflanze, viele Flaschen und hin und wieder einen Thonet-Sessel. Er lässt Türen gerne einen Spalt offen und lädt den Betrachter in den nächsten Raum ein, worauf sich der Titel der Ausstellung bezieht. Am liebsten nutzt er den Spiegel.

„Das Glasdach“

„Das Glasdach“ (1909) ist eines der Meisterwerker, die in der Ausstellung „Through half-open doors“ zu sehen sind.  Spilliaert porträtiert sich selbst hinter seiner Staffelei. Er tut dies vor einem Spiegel, wodurch er sich in einem weiteren Spiegel unter dem Fenster endlos wiederholen kann. Man sieht dasselbe Glasdach auch in einer Flasche gespiegelt. 

"Het Glazen Dak" - "Das Glasdach"

Meisterhafter Techniker

Man kann Spilliaert nicht als Maler bezeichnen, aber auch nicht als Zeichner. Und doch wirken all seine Arbeiten auf Papier sehr malerisch. Als Autodidakt arbeitete er sehr experimentell mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zum Zeichnen und Malen. Vorzugsweise arbeitete er in Schichten und gerne auch alles miteinander vermischt: Aquarell und Gouache, lasierte Tusche, Bleistift, Wachsmalstift und Pastellkreide.

Selbst Fachleute können mit bloßem Auge manchmal nicht erkennen, welche Techniken er anwandte. Doch nur so konnte er alle optischen Effekte dessen, was er sah, mit allen Empfindungen von Licht und Schatten, transparenten und matten Oberflächen, wiedergeben.

“Through half-open doors, bis zum 14. August, Galerie Patrick Derom, Wolstraat 1, 1000 Brüssel. Infos: https://patrickderomgallery.com/

"Flacons boites vert jeaune" - Leon Spilliaert (1909)

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