Die Einzelhändler in Belgien blicken dieses Jahr eher zurückhaltend auf den am Mittwoch (1. Juli) startenden Sommerschlussverkauf. Dies zeigt eine Umfrage der Neutralen Selbstständigen-Gewerkschaft NSZ unter ihren Mitgliedern. Viele Händler berichten von durchwachsenen Verkaufszahlen im ersten Halbjahr 2026, denn diese lagen im Durchschnitt leicht unter denen aus dem gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr. Doch nicht alle Verbände aus diesem Sektor haben die gleiche Ansicht in dieser Frage.
So mancher Einzelhändler in Belgien geht eher skeptisch in den Sommerschlussverkauf
Als Gründe für ihre aktuelle Zurückhaltung nennen die Händler eine eher schwache Kauflaune und die Inflation, die aufgrund des Nahost-Konflikts steigt (wenn sie auch im Juni leicht rückläufig ist). Auch die Hitzewelle der vergangenen Tage und Woche habe dem Einzelhandel geschadet, so die betroffenen Geschäftsleute. Die Kunden bevorzugten an diesen Tagen offensichtlich eher die klimatisierten Shoppingzentren, so die einhellige Ansicht.
Die Lagerbestände entsprechen hingegen derzeit etwa dem der vergangenen Jahre. Viele Geschäfte planen zu Beginn Rabatte von rund 30 %. NSZ-Sprecher Cedric Tack geht davon aus, dass dies weiter gehen wird: „Preisnachlässe von 50 % werden nicht selten sein.“
Die belgische Einzelhandels-Gewerkschaft appelliert in diesem Zusammenhang an die Städte und Gemeinden, die klassischen Einkaufsstraßen besser an die Hitze anzupassen. Sie wünschen sich mehr Schatten und mehr Grün in den Straßen, was auch und gerade hier die Attraktivität steigern soll.
Nicht auf einer Linie?
Der Wirtschaftsverband Unizo betont im Gegensatz zur NSZ die Bedeutung der beiden traditionellen Schlussverkaufszeiten im Juli und Januar. „Wir raten unseren Mitgliedern davon ab, den Begriff ‚Schlussverkauf‘ außerhalb der offiziellen Schlussverkaufszeiten zu verwenden, da dies den Sinn des Begriffs schwächt. Das Wort verliert dadurch an Wirkung“, sagte Isolde Delanghe, Direktorin den Bekleidungs-Einzelhandelsverband Mode Unie, einem Mitglied von Unizo, gegenüber der flämischen Tageszeitung Het Nieuwsblad.
Ist der Ausverkauf also unantastbar? „Nicht ganz“, sagt Jörg Snoeck, Chefredakteur der Fachzeitschrift RetailDetail gegenüber der gleichen Zeitung: „In den letzten Jahren haben sie sich zunehmend über das ganze Jahr verteilt. Am Black Friday gibt es viele Rabatte kurz vor Weihnachten. Auch im Laufe des Jahres müssen Einzelhändler immer häufiger mit Rabatten reagieren, um der starken Konkurrenz durch Online-Händler standzuhalten. Aber es stimmt, dass die Schlussverkäufe nach wie vor ein wichtiger Kaufanreiz und auch ein Stück lokaler Tradition sind.“
