Im Dorf Berg bei Tongeren in der flämischen Provinz Limburg suchen Archäologen nach der legendären gallischen Festung des Ambiorix und nach dem Winterlager Julius Caesars. Die Ausgrabungen begannen diese Woche in Anwesenheit des flämischen Ministers für Denkmalpflege und Kulturerbe, Ben Weyts (N-VA, flämische Nationaldemokraten). Die Archäologen hoffen, auch das Schlachtfeld zu finden, auf dem der legendäre Gallierführer Ambiorix 54 vor Christus anderthalb römische Legionen besiegt haben soll.
Ausgrabungen in Tongeren: Gallische Festung von Ambiorix und Winterlager von Julius Caesar gesucht
Seit Jahren suchen Experten, Amateure und Archäologen nach der legendären gallischen Festung des Ambiorix, Anführer der Eburonen, eines gallischen Stammes, der im Gebiet zwischen Maas und Rhein lebte. Auch die Flämische Agentur für Denkmalpflege und Kulturerbe forscht seit fünf Jahren an dieser Festung.
Es liegen deutliche Hinweise darauf vor, dass sich Ambiorix' Operationsbasis wahrscheinlich im Dorf Berg befand, auf einem Hügel unweit des AZ Vesalius-Hospitals. Archäologen haben dort eine beträchtliche Anzahl eburonischer Goldmünzen sowie Material für nicht geprägte Münzen geborgen.
Der keltisch-germanische Stamm prägte seine Münzen stets in einem wichtigen Machtzentrum. Die nicht geprägten Münzen könnten daher die Festung Ambiorix', das legendäre Aduatuca (heute Tongeren), verraten haben. Diese bedeutende eburonische Festung wurde später vom berühmten römischen Feldherrn Julius Caesar erobert. Er soll dort sein Winterlager errichtet haben.
Auf dem Trappersberg, einer Anhöhe etwas unterhalb des Kerkheuvel in Berg, werden jetzt Gräben gezogen, um Spuren aus der Zeit der römischen Eroberung freizulegen. Es fanden bereits Untersuchungen statt, ohne den Boden zu stören, gefolgt von mehreren Bohrungen und Metallsuchkampagnen.
Dies ist das erste Mal, dass großflächig Gräben angelegt werden. Die Archäologen hoffen, unter anderem die Graben- und Wallanlagen einer Siedlung zu finden. „Insgesamt werden drei Suchgräben angelegt“, erklärt die Archäologin Marleen Martens gegenüber VRT NWS. „Im ersten Suchgraben haben wir möglicherweise bereits einen Graben entdeckt und untersuchen diesen nun genauer.“
Eine neue Touristenattraktion?
„Wir werden außerdem mit Naturwissenschaftlern zusammenarbeiten, um das genaue Alter der gefundenen Strukturen zu bestimmen“, fährt Martens fort. „Anhand des Zeitpunkts, an dem diese Strukturen zuletzt Sonnenlicht abbekommen haben, lässt sich die Bauzeit bestimmen. Sollten wir hier fündig werden, könnte sich daraus eine neue archäologische und touristische Attraktion für Flandern entwickeln.“
Der flämische Kulturerbeminister Ben Weyts (Video unten), teilt diese Ansicht: „Caesar und Ambiorix spielen eine zentrale Rolle in einem faszinierenden Kapitel der flämischen Geschichte. Wir glauben, dass wir in Berg eine Stätte gefunden haben könnten, die sich mit Alesia in Frankreich vergleichen lässt, wo Cäsar gegen Vercingetorix kämpfte.“
„Diese Stätte hat sich zu einer beliebten Sehenswürdigkeit entwickelt, die viele Besucher anzieht, die mehr über ihre Geschichte erfahren möchten. Sollte diese Forschung erfolgreich sein, könnte Ähnliches auch in Limburg geschehen.“ In einer nächsten Phase werden die Archäologen auch nach dem Schlachtfeld suchen, auf dem Ambiorix anderthalb römische Legionen mit einer List besiegte - dieses soll etwa drei Kilometer von Berg entfernt liegen.

