Die Zahl der Oldtimer in Brüssel steigt und sie werden immer häufiger genutzt. Das belegen Zahlen von der regionalen Umweltbehörde, die der Abgeordnete Benjamin Dalle (CD&V, niederländischsprachige Christdemokraten) angefordert hat. „Das droht, eine Hintertürchen in der Brüsseler Umweltzone zu schaffen“, so Dalle gegenüber der regionalen Nachrichtenplattform BRUZZ.
Immer mehr Oldtimer auf Brüssels Straßen: Ein Schlupfloch, um die Umweltzone zu umgehen?
Oldtimer sind von Bußgeldern für Verstöße gegen die Umweltzone befreit. Dies gilt für Fahrzeuge, die älter sind als 30 Jahre. Mit dieser Ausnahme will die Region Brüssel Oldtimer-Liebhabern entgegenkommen. Die Begründung: Oldtimer sind zwar oft sehr umweltschädlich, werden aber selten genutzt und haben daher nur geringe Auswirkungen auf die Luftqualität.
Oldtimer, die üblicherweise mit einem O-Kennzeichen gekennzeichnet sind, dürfen ohnehin nur ausnahmsweise fahren und sind beispielsweise für den Schulweg, den Arbeitsweg oder den gewerblichen Personentransport nicht zugelassen. Doch in Brüssel zeichnet sich ein neues Phänomen ab: Die Zahl der von den Kameras der Umweltzone erfassten Fahrzeuge mit O-Kennzeichen steigt.
Während 2020 noch historische 4.512 Fahrzeuge von ANPR-Kameras (zur Kennzeichenerkennung) erfasst wurden, ist diese Zahl bis 2025 auf sage und schreibe 13.799 gestiegen. Auch die Anzahl der Oldtimer, die mehr als 100 Tage im Jahr genutzt werden, nahm zu - von 17 im Jahr 2019 auf 156 im vergangenen Jahr.
Aktuell sind 6.892 Oldtimer in Brüssel zugelassen - Auch diese Zahl steigt
Ein besorgniserregender Trend, so der Abgeordnete Dalle. „Man sollte nicht die Oldtimer-Fans ins Visier nehmen, aber wenn immer mehr Oldtimer in Brüssel unterwegs sind, muss die Regierung eingreifen, bevor das Problem außer Kontrolle gerät“, kommentierte der Abgeordnete gegenüber BRUZZ.
Brüssels Staatssekretärin für Umwelt, Ans Persoons (Vooruit, niederländischsprachige Sozialisten), die die Zahlen bekannt gab, räumt ein, dass der steigende Trend bei der durchschnittlichen jährlichen Nutzungsdauer von Oldtimern auf ein neues Phänomen hindeuten könnte.
Sie weist jedoch auch darauf hin, dass die Nutzung eines Oldtimers zur Umgehung der Umweltzone aus wirtschaftlicher Sicht nicht ganz logisch ist. Ältere Benzinautos (ab Baujahr 2001) sind ohnehin noch bis 2028 zugelassen. „Das könnte sich ab 2030 ändern, da die Zulassungskriterien für Benzinautos dann strenger werden“, sagt sie. Ab diesem Zeitpunkt sind Euro-4-Benzinautos nicht mehr zugelassen.
Ein Bruchteil
Persoons merkt außerdem an, dass die Anzahl der Oldtimer auf den Straßen trotz des Anstiegs relativ gering bleibt. Sie macht nur einen Bruchteil der in Brüssel zugelassenen Fahrzeuge aus, nämlich 0,38 % (Stand 2025). Es wurden keine Zahlen zu den Auswirkungen von Oldtimern auf die Luftqualität veröffentlicht.
Die Brüsseler Umweltbehörde wird jedoch im Rahmen der laufenden Reform der Umweltzone eine Bewertung der Nutzung von Oldtimern durchführen, um bis 2030 mögliche Schlupflöcher zu schließen.
