Langzeitkranke in Belgien müssen sich künftig jährlich ärztlich untersuchen lassen, um eine neue Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu erhalten. Der Ministerrat der belgischen Bundesregierung hat dem jetzt zugestimmt, wie Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit, flämische Sozialisten) mitteilte. Die Regierung erhofft sich dadurch mehr Rückkehrer ins Berufsleben.
Belgien: Langzeitkranke müssen sich künftig jährlich ärztlich untersuchen lassen
Bundesgesundheitsminister Vandenbroucke beobachtet immer noch „eine große Gruppe von Menschen, die teilweise jahrelang keinen Arztkontakt haben, ohne dass die Frage erneut gestellt wird: ‚Was können Sie eigentlich noch leisten?‘.“ Er betonte gegenüber VRT NWS, wie wichtig es sei, dass Langzeitkranke den Kontakt zu ihrem Arzt und ihrer Krankenkasse aufrechterhalten.
„Wir wollen nicht länger, dass kranke Menschen zu Hause sich selbst überlassen bleiben“, sagte er am Dienstagmorgen beim VRT-Sender Radio 1: „Grundsätzlich müssen Sie nach einem Jahr ein ausführliches Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt führen, um zu besprechen, welche gesellschaftlichen Möglichkeiten Ihnen noch offenstehen. Ihr Arzt muss dann einen neuen Antrag auf Ihre Erwerbsminderungsrente stellen. Andernfalls wird diese eingestellt.“
Schwere Erkrankungen
Der Minister bezeichnet dies als einen „wichtigen Schritt“ im Rahmen der Maßnahmen des Programms „Zurück in den Beruf“. Im vergangenen Jahr bezogen über 570.000 Menschen in Belgien aufgrund einer Langzeiterkrankung Erwerbsminderungsrente. Die Regierung hofft, diese Zahl bis zum Jahr 2030 um 100.000 Betroffene zu senken.
Die neue Maßnahme gilt jedoch nicht für sehr schwere Erkrankungen. „Dies betrifft beispielsweise Menschen, die im Krankenhaus behandelt werden, oder Menschen mit einer sich stetig verschlechternden Krankheit. Wir werden von jemandem mit Parkinson nicht verlangen, jedes Jahr seine Krankheit nachzuweisen“, stellte Vandenbroucke bei Radio 1 klar.
