Zum Hauptinhalt springen

Flandern: Neuer Plan soll Hilfskräfte und Mitarbeiter von Behörden besser vor Aggressionen schützen

Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände haben gemeinsam mit den zuständigen Behörden in Flandern ein sogenanntes Aggressionsprotokoll ins Leben gerufen. Es enthält neue Richtlinien für lokale und regionale Behörden zum Umgang mit Aggressionen und Gewalt gegen Hilfs- oder Pflegekräfte und Behördenmitarbeiter im Einsatz bzw. im Dienst. Anlass hierfür war der Tod einer Mitarbeiterin des Sozialamts in Gent bei einem Hausbesuch im vergangenen Jahr.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Der Mord an einer Sozialarbeiterin während eines Hausbesuchs in Gent erschütterte das Land Anfang 2025. Der Fall legte ein tieferliegendes Problem offen: Hilfs- und Pflegekräfte und Mitarbeiter von Behörden und Ämtern berichten immer häufiger von Aggressionen am Arbeitsplatz oder im Einsatz.

„Selbstverständlich tolerieren wir keinerlei Aggressionen oder Gewalt gegen Beschäftigte“, so die flämische Innenministerin Hilde Crevits (CD&V, Christdemokraten). „Jeder Vorfall erfordert eine ernsthafte Untersuchung. Leider erreichen uns immer mehr Hinweise darauf, dass Mitarbeiter lokaler und regionaler Behörden zunehmend mit Aggressionen seitens der Bevölkerung konfrontiert werden.“

Fluchtwege, Verhaltenskodex und Nachsorge

Daher haben Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände in enger Abstimmung mit der flämischen Regierung ein Aggressionsprotokoll entwickelt, so die Innenministerin: „Es handelt sich dabei um einen konkreten Leitfaden, wie die lokalen Behörden ihre Aggressionspolitik gestalten oder verbessern können. Dies ist ein wichtiger erster Schritt zur Verbesserung der Aggressionspolitik nach dem grausamen Mord an der 56-jährigen Sozialamtsmitarbeiterin in Gent.“

Konkret geht es darum, Risiken zu erfassen, den Bedarf an Maßnahmen wie Fluchtwegen oder Notrufknöpfen zu ermitteln, einen Verhaltenskodex und Sensibilisierungskampagnen zu entwickeln, Aggressionsbeauftragte als zentrale Ansprechpartner zu benennen und in Unterstützung und Nachsorge für Aggressionsopfer zu investieren.

Die notwendigen Informationen und Vorlagen werden auf der Website des Landesinnenministeriums bereitgestellt.

„Erster Schritt“

„Wir unterstützen dieses Aggressionsprotokoll voll und ganz und möchten es den Kommunen nahebringen“, erklärt Piet Van Schuylenbergh, Verhandlungsführer des Verbandes Flämischer Städte und Gemeinden (VVSG). „Es baut auf bewährten Verfahren von Kommunen auf, die bereits gegen Aggressionen gegen Mitarbeiter vorgehen. Es ist daher sehr praxisorientiert.“

„Das Aggressionsprotokoll ist ein erster Schritt, um das Bewusstsein der Kommunen und Landesregierungen für das Thema Aggression weiter zu schärfen“, sagt Nathalie Hiel, nationale Sekretärin der christlichen Gewerkschaft für den öffentlichen Dienst (ACV). „Eine effektive Aggressionspolitik erfordert die tägliche Überwachung potenzieller Risiken und gegebenenfalls sofortige Anpassungen. Das Protokoll dient als Rahmen, innerhalb dessen die Aggressionspolitik weiterentwickelt werden kann.“

„Die Herausforderung liegt jetzt in der konkreten Umsetzung vor Ort“, so Jeroen Noerens vom Verband der Kommunen und Regionen in Flandern (VSOA). „Wir hoffen, dass die lokalen und regionalen Behörden auch in der angespannten Haushaltslage weiterhin ausreichend in Prävention, Sicherheit und den Schutz ihrer Beschäftigten investieren. Vorbeugen ist besser als Heilen und ein Menschenleben ist unbezahlbar.“

„Aggression hat im Berufsleben nichts zu suchen“

„Dieses Protokoll bestätigt endlich, was uns schon lange klar ist: Aggression hat im Berufsleben nichts zu suchen“, ergänzt Gert Vlasselaer von der sozialistischen Gewerkschaft im öffentlichen Dienst (ACOD).

„Es ist entscheidend, dass die Verwaltungen dies nicht nur schriftlich festhalten, sondern es auch durch konkrete Maßnahmen, Schulungen und ausreichende Ressourcen wirksam umsetzen. Wer das Risiko von Aggressionen verringern will, muss in leistungsfähige öffentliche Dienste, ausreichend Personal und qualitativ hochwertige Dienstleistungen investieren. Nur so können wir unsere Bevölkerung wirklich schützen.”

Lesen Sie mehr über

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5