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Raubkunst in Belgien: Symbolische Rückgabe eines Kunstwerks und Einrichtung einer Kommission für künftige Restitutionsanträge

In einer Zeremonie in Brüssel, an der Vertreter der Familie von Armand Dorville, einem jüdischen Anwalt und Sammler, der 1941 unter dem Vichy-Regime starb, teilnahmen, gaben Vanessa Matz (Les Engagés, frankophone Zentrumspartei), Belgiens Ministerin u.a. für Wissenschafts- und Kulturpolitik, und die Königliche Bibliothek von Belgien (KBR) symbolisch das Aquarell „La Buveuse d’absinthe“ des belgischen Malers Félicien Rops zurück (Foto oben).

Andreas Kockartz
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Die Ministerin stellte im Rahmen dieses Vorgangs einen königlichen Erlass zur Einrichtung einer beratenden föderalen Kommission vor, die Rückgabeanträge für Kunstwerke und andere Kulturgüter prüfen soll, die mutmaßlich während des Zweiten Weltkriegs von den Nazis geraubt wurden und sich in den Sammlungen belgischer Kultureinrichtungen befinden.

Ziel ist, eine kohärente, transparente, wissenschaftlich fundierte und beschleunigte Bearbeitung von Restitutionsanträgen zu gewährleisten. Das Verfahren muss sicherstellen, dass die betroffenen Familien innerhalb von 13 Monaten (maximal 23 Monaten) nach Antragstellung eine Antwort erhalten.

Das Aquarell „La Buveuse d’absinthe“ von Félicien Rops, das sich seit 1968 in den Sammlungen der Königlichen Bibliothek von Belgien befindet, gehörte Armand Dorville, dessen Sammlung 1942 im Zuge einer von den Vichy-Behörden in Frankreich angeordneten Zwangsversteigerung verkauft wurde. Die Geschichte dieses Werkes rückte vor einigen Jahren, im Jahr 2020, wieder in den Vordergrund, als die Erben von Armand Dorville einen Antrag auf Restitution stellten.

Symbolische Rückgabe Teil eines neuen Ansatzes für Restitutionen

Im Dezember 2025 beschloss Ministerin Matz auf Grundlage der durchgeführten Recherchen und der ihr vorliegenden Informationen, die Rückgabe von „La Buveuse d’absinthe“ zu veranlassen. Die symbolische Rückgabe des Werkes an die Erben von Armand Dorville ist Teil eines Ansatzes, der auf historischer Forschung, Dialog und dem Wunsch nach einer gerechten und angemessenen Lösung beruht. Dieser Ansatz umfasst eine finanzielle Entschädigung und die Bewahrung der Erinnerung an den Diebstahl.

"La buveuse d'absinthe" von Félicien Rops

Das Werk, das sich in den Sammlungen des belgischen Staates befindet, wird ab sofort und systematisch mit dem Hinweis „Ehemals Teil der Sammlung Armand Dorville und 1942 unter dem Vichy-Regime verkauft“ gekennzeichnet. Die KBR und die Erben werden gemeinsam einen Text verfassen, der die Geschichte von Armand Dorville, den Verbleib des Werkes während des Zweiten Weltkriegs und den Kontext des Verkaufs im Jahr 1942 beschreibt, um die Erinnerung an diesen Diebstahl wachzuhalten.

Ministerin Matz: „‘La buveuse d’absinthe‘ ist nicht nur ein bemerkenswertes Werk von Félicien Rops. Es birgt auch die Geschichte eines Diebstahls und einer Familientragödie in sich. Zukünftige Betrachter sind aufgerufen, diese Geschichte zu berücksichtigen.“

„Wir können das Leid, das das NS-Regime verursacht hat, und die Folgen der Enteignungen, die so viele Familien ertragen mussten, niemals wiedergutmachen. Aber wir können gewährleisten, dass Restitutionsanträge in einem klaren, transparenten Rahmen und innerhalb angemessener Fristen bearbeitet werden. Das ist die Intention der neuen Verordnung und des von uns eingerichteten beratenden Bundesausschusses“, erklärte die Ministerin.

„La buveuse d’absinthe“: Von Armand Dorville zur Königlichen Bibliothek von Belgien

Die „La buveuse d’absinthe“ (Félicien Rops, 1877) gehörte Armand Dorville, einem jüdischen Anwalt und Sammler, der 1941 starb. Seine Sammlung von fast 450 Werken, darunter Arbeiten von Bonnard, Vuillard, Renoir, Manet, Signac, Caillebotte, Daumier, Degas, Vallotton, Delacroix, Rodin und Carpeaux, wurde 1942 in Nizza im Rahmen einer von den Vichy-Behörden angeordneten Zwangsversteigerung verkauft. Die Erben hatten damals kein Mitspracherecht und erhielten den Erlös erst nach dem Krieg, 1947, obwohl dieses Geld der Familie die Flucht aus Frankreich hätte ermöglichen können.

Mehrere Familienmitglieder (Armand Dorvilles Schwester Valentine Dorville, ihre beiden Töchter und zwei Enkelinnen) wurden denunziert, deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet. 1968 erwarb die Königliche Bibliothek Belgiens das Werk in gutem Glauben, wo es seither aufbewahrt wird und wo es auch in Zukunft bleiben wird. Erst dank Provenienzforschung in den letzten Jahren konnten die problematischen Umstände des Verkaufs aufgeklärt werden.

Das Vichy-Regime fungierte zwischen Juli 1940 bis August 1944. Es entstand nach der Niederlage Frankreichs im Zweiten Weltkrieg gegen das nationalsozialistische Deutschland, regierte vom nicht vom Deutschen Reich besetzten Kurort Vichy (Region Auvergne-Rhône-Alpes in Zentral-Frankreich) aus und wurde von Marschall Philippe Pétain geleitet. Das Regime arbeitete eng mit dem nationalsozialistischen Deutschland zusammen, unter anderem durch die Entsendung französischer Zwangsarbeiter und die Deportation von Juden und Regimegegnern.

Königliche Bibliothek von Belgien, Kunstberg 28, 1000 Brüssel, www.kbr.be

Armand Dorville mit seiner Nichte

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