Die Sanierung des Wohnturms „Goujons“ in der Brüsseler Gemeinde Anderlecht wurde am vergangenen Wochenende mit dem allerersten flämischen Architekturpreis, den das Flämische Architekturinstitut (VAi) vergibt, ausgezeichnet. Auftraggeber der Sanierung ist die Wohnungsbaugesellschaft „Anderlechtse Haard“, die wegen des Verdachts auf Korruption und Klientelismus bei der Vergabe von Sozialwohnungen in die Kritik geraten war. Auch das Projekt Usquare in der Brüsseler Gemeinde Elsene wurde prämiert, wie die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ und die Nachrichtenagentur Belga dazu schrieben.
Die Sanierung des größten Wohnturms in Brüssel erhielt den ersten flämischen Architekturpreis
Die Fachjury wählte den „Goujons“-Wohnturm aus 20 nominierten Projekten aus, die ihrerseits aus über 300 Einreichungen ausgewählt worden waren. Dies wurde bei der Preisverleihung im De Bijloke in Gent bekannt gegeben.
Der Wohnturm mit 378 Wohneinheiten in der Grondelsstraat in Anderlecht ist das größte Wohngebäude in der Region Brüssel-Hauptstadt. Dank der Sanierung durch die Architekturbüros Karbon' und TVK verfügen die Bewohner jetzt über großzügige Terrassen, eine neue Sporthalle und einen Gemeinschaftsraum. Das Gebäude wurde zudem energieeffizienter gestaltet.
All dies geschah, während die Bewohner weiterhin in dem Turm wohnen konnten. „Der ‚Goujons‘-Turm ist ein mutiges und selbstbewusstes Statement für die Zukunft des sozialen Wohnungsbaus - ambitioniert in der Form, sorgfältig ausgeführt und eng mit dem Alltag der Bewohner verwoben“, lobte die Fachjury.
Architektonische Qualität
Obwohl der „Goujons“-Turm zum Sieger gekürt wurde, sah sich die VAi veranlasst, eine Einschränkung hinzuzufügen. Der Turm wird von der sozialen Wohnungsbaugesellschaft „Anderlechtse Haard“ verwaltet, die nach einem VRT-Pano-Bericht über mögliche Unregelmäßigkeiten stark in die Kritik geraten war. „Die VAi und die Fachjury verurteilen diese mutmaßlichen Missstände aufs Schärfste“, erklärte die VAi. „Ohne die Enthüllungen des Pano-Berichts herunterspielen zu wollen, sind wir weiterhin von der architektonischen Qualität des Sanierungsprojekts überzeugt“, fügte die Jury hinzu.
Die Fachjury setzte sich aus fünf Mitgliedern mit einem gemeinsamen Interesse an Architektur, aber unterschiedlichen beruflichen Hintergründen zusammen. Ihr Fokus lag daher primär auf der Nutzung der Bauprojekte. Die Publikumsjury erklärte die Projekte Tuighuisstraat in Kortrijk (Westflandern), Tonuso in Vilvoorde (Flämisch-Brabant), das Fischereimuseum NAVIGO in Koksijde (Westflandern), das Manchester Building in Aalst (Ostflandern) und Usquare Feder in der Brüsseler Gemeinde Elsene zu den Gewinnern in den verschiedenen Kategorien („Leben“, „Arbeiten“, „Lernen“, „Begegnung“ und „Fürsorge“).
Usquare
Das multifunktionale Viertel Usquare Feder, die ehemalige Gendarmeriekaserne in Elsene, erhielt den Preis in der Kategorie „Arbeiten“. In diesem Gemeinschaftsprojekt der Brüsseler Universitäten VUB (flämisch) und ULB (frankophon) wurden sieben historische Gebäude zu einem internationalen Universitätsgelände und multifunktionalen Stadtviertel umgestaltet, in dem Bildung, Forschung und urbanes Leben zusammenkommen. Dieses Projekt erhielt zudem eine lobende Erwähnung der Fachjury, berichtet VAi.
Der Architekturpreis Flandern wird seit diesem Jahr für Projekte mit sozialem Mehrwert verliehen. Der Preis würdigt nicht nur den Architekten, sondern auch Bauherren und Nutzer. „Ambition allein macht noch keine Architektur aus. Die ausgewählten Gebäude zeigen, wie Qualität durch das gemeinsame Engagement von Bauherren, Baumeistern, Architekten, Behörden und Nutzern entsteht“, so Dennis Pohl, Direktor des VAi.
