Nach Polizeiangaben hatten sich am späten Montagnachmittag am Poelaert-Platz vor dem Brüsseler Justizpalast rund 2.500 Demonstranten versammelt, die gemeinsam friedlich gegen die Reformen im frankophonen Schulsystem und gegen Polizeigewalt protestieren wollten. Doch auch diese insgesamt vierte Demo ihrer Art war nicht vor Randale und Gewalt gefeit.
Zunächst verlief die Demonstration, die sich vom Poelaert-Platz in Richtung Zentralbahnhof und Kunstberg bewegte, ruhig, wenn man einmal von umhergeworfenen Krachern und Rauchbomben absieht. Doch an anderer Stelle wurde Feuer gelegt und zwar einmal mehr am Bahnhof Brüssel-Zentral. Hier wurden E-Steps angezündet.
Etwas weiter versperrten solche Roller zudem den Straßenverkehr, was auch hinderlich für die Polizei war, die zu den Einsatzorten eilen musste. Die eigentliche Demonstration löste sich zwischen 17 und 18 Uhr aufgrund des einsetzenden starken Regens von selbst auf, doch einige auch gewaltbereite Demonstranten sammelten sich teilweise maskiert am Kunstberg.
Dort musste die Polizei Tränengas einsetzen, um die Menge auseinanderzutreiben. Auch am Zentralbahnhof wurden wieder Zerstörungen angerichtet.
Gegen Abend zogen dutzende Demonstranten und Krawallmacher zur Niederlassung der frankophonen Liberalen MR im Stadtteil Elsene, wo Polizisten mit Projektilen beworfen wurden und wo in der Umgebung weitere Zerstörungen angerichtet wurden. So wurde ein Sharing-Fahrzeug von Puppy schwer beschädigt, wie ein Video aus den sozialen Medien zeigt.
Insgesamt nahm die Polizei am Montag 8 Personen fest.
Und die Politik?
Im Bildungsausschuss im Parlament der Französischsprachigen Gemeinschaft in Brüssel wurden derweil die Einspar- und Reformmaßnahmen im frankophonen Schul- und Bildungswesen besprochen. Dagegen wird seit Donnerstag in der vergangenen Woche in Brüssel und in einigen wallonischen Städten protestiert. Allerdings kam es nur in der belgischen Hauptstadt zu Ausschreitungen. Die Brüsseler Polizei gab an, so hart zu reagieren, weil Randalierer die Proteste der Schüler, Lehrkräfte und Gewerkschaften „gekapert“ hätten.
Trotz aller Proteste wurden die Einsparungen von 300 Mio. € im französischsprachigen Bildungsbereich im Parlament der Französischen Gemeinschaft beschlossen. Infolge der Kürzungen müssen französischsprachige Lehrkräfte an Gymnasien und weiterführenden Schulen künftig 10 % mehr unterrichten, bei gleichem Gehalt. Auch die Studiengebühren werden für viele Studierende deutlich um über 50 % steigen.


