Zum Hauptinhalt springen
Inland
Wirtschaft

Plätze in flämischen Seniorenheimen werden immer teurer, Preise liegen deutlich über Durchschnittsrente

Die Kosten für einen Aufenthalt in einem flämischen Seniorenheim steigen weiter. Laut dem neuesten Barometer des Seniorenverbandes Okra zahlen Bewohner inzwischen durchschnittlich 2.359 Euro pro Monat. Das sind 572 Euro mehr als die durchschnittliche Rente. Okra zeigt sich besorgt über diese Kluft.

Jens Van Reet
Veröffentlicht:

Jedes Jahr vergleicht Okra die Preise von Senioren- und Pflegeheimen in Flandern. Dabei haben sich inzwischen einige Konstanten herausgebildet: Die Preise steigen weiter, und kommerzielle Seniorenheime sind die teuersten. Das ist auch diesmal der Fall. In einem kommerziellen Pflegeheim zahlt man durchschnittlich 2.561 Euro. In gemeinnützigen Einrichtungen sind es 2.313 Euro, in öffentlichen Pflegeheimen 2.225 Euro.

Das teuerste Seniorenheim in Flandern ist Belle Epoque in Knokke. Dort werden im Durchschnitt 4.980 Euro pro Monat fällig, wobei die Preise im Spitzensegment bis auf 8.191 Euro steigen. Das günstigste Seniorenheim ist Sint-Jozef (Antwerpen) mit einem durchschnittlichen Monatspreis von 1.362 Euro.

Dabei handelt es sich jeweils um die Kosten für Unterkunft und Pflege im Heim. Hinzu kommen in der Regel zusätzliche Ausgaben, etwa für Medikamente, Kleidung, Fernsehen oder Internet. Diese Zuschläge sind häufig nicht im Tagessatz enthalten und werden laut Okra auch nicht ausreichend transparent erfasst.

Kluft zu den Renten

Die durchschnittliche Rente lag im Januar 2026 bei 1.787 Euro. Ein Rentner muss somit im Durchschnitt 572 Euro pro Monat zusätzlich zu seiner Rente aufbringen, um einen Heimplatz bezahlen zu können.

Etwas abgefedert werden diese Kosten durch das Pflegebudget für Personen mit hohem Pflegebedarf. Dabei handelt es sich um eine Leistung von 140 Euro pro Monat, auf die alle Bewohner von Seniorenheimen Anspruch haben.

ANSEHEN
VIDEO: VRT NWS besucht das günstige Seniorenheim Flanderns (in niederländischer Sprache)

Seit 2024 sind die Preise der Heime zudem an die Indexierung der Renten gekoppelt. Das bedeutet, dass Einrichtungen ihre Preise erst erhöhen dürfen, nachdem die Renten infolge der Anpassung an den Schwellenindex angehoben wurden. Dennoch gleicht die Rentenindexierung die steigenden Heimkosten in der Regel nicht vollständig aus.

Aus den Zahlen von Okra geht hervor, dass die Renten innerhalb eines Jahres um 2 Prozent gestiegen sind, die Heimrechnungen jedoch um 2,8 Prozent. Die durchschnittliche Rente erhöhte sich damit um rund 34 Euro pro Monat, während die Rechnung des Seniorenheims um etwa 47 Euro zunahm.

Okra fordert deshalb einkommens- und vermögensabhängige Tarife in der Altenpflege, sagt der Vorsitzende Herman Fonck: „Bewohner sollten höchstens 75 Prozent ihrer Nettorente für das Pflegeheim bezahlen müssen.“

Teurer ist nicht immer besser

Neben den Unterschieden bei der Bezahlbarkeit berichtet Okra auch diesmal von großen Unterschieden bei der Pflegequalität. Diese hängt nach Angaben des Verbands stark mit der Zahl der Beschäftigten pro Bewohner zusammen.

Im Durchschnitt kommen 44 Vollzeit-Pflegekräfte auf 100 Bewohner. Die Werte unterscheiden sich jedoch erheblich: In manchen Seniorenheimen gibt es lediglich 20 Pflegekräfte pro 100 Bewohner, während die Zahl andernorts auf 90 steigt.

Die kommerziellen Seniorenheime, die im Durchschnitt am teuersten sind, beschäftigen durchschnittlich weniger Personal. Die öffentlichen Einrichtungen, die von Städten und Gemeinden betrieben werden, sind dagegen die günstigsten und setzen die meisten Mitarbeiter ein.

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5