Die Wissenschaftler Diether Lambrechts und Patrice Cani (Foto) wurden mit dem diesjährigen Francqui-Collen-Preis, oft auch als „Belgischer Nobelpreis“ bezeichnet, ausgezeichnet. Lambrechts entwickelte Technologien zur Kartierung von Tumoren und zur besseren Vorhersage, welche Patienten von teuren Krebsbehandlungen profitieren können. Cani untersuchte, welche Bakterien in unserem Darm leben und wie sie unter anderem die Funktion unseres Gehirns beeinflussen.
Krebs- und Darmforscher gewinnen renommierten „Belgischen Nobelpreis“: „Krönung für 20 Jahre Forschung“
Der Francqui-Collen-Preis ist der wichtigste Wissenschaftspreis Belgiens. Jedes Jahr werden damit belgische Wissenschaftler für bahnbrechende Forschung in den Naturwissenschaften, den Geisteswissenschaften oder den biologischen und medizinischen Wissenschaften geehrt.
Dieses Jahr geht der Preis an die letztgenannte Kategorie. In den medizinischen Wissenschaften wurde der Krebsforscher Diether Lambrechts (KU Leuven, VIB Zentrum für Krebsbiologie) ausgezeichnet. „Dies ist der Höhepunkt der letzten 20 Jahre, nicht nur für meine aktuelle oder die Forschung der letzten Woche“, so der Forscher in einer ersten Reaktion: „Forschung ist ein langsamer Prozess.“
Doch es geht nicht nur um die Ehre der Auszeichnung. Mit dem Preis ist auch eine ansehnliche Summe von 250.000 € verbunden, von denen 200.000 € in neue Forschungsprojekte investiert werden müssen. „Das ist eine einmalige Chance. Wir können sie nutzen, um unsere zukünftige Forschung einen Schritt weiter zu bringen“, so Lambrechts. Er möchte das Geld für die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Krebs einsetzen.
Kostengünstigere Krebsbehandlung
Bei seiner jetzt ausgezeichneten Forschungsarbeit hat Lambrechts stets den Patienten im Blick, wie er selbst sagt. So hat er sich beispielsweise auf die Genetik von Krebstumoren spezialisiert und dabei unter anderem Einzelzelltechnologie eingesetzt. Durch die Kartierung der Zusammensetzung eines Tumors bis auf die Zellebene lässt sich erkennen, wie er auf eine bestimmte Behandlung reagiert.
Darüber hinaus entwickelte er Gentests, sogenannte Biomarker, für Darm- und Eierstockkrebs. „Der Biomarker für Darmkrebs zeigt an, welche Patienten auf eine Immuntherapie ansprechen werden“, erklärt Lambrechts. „Nur eine kleine Patientengruppe hat mit dieser Therapie einen deutlichen Überlebensvorteil. Daher ist es sehr wichtig, dies vorhersagen zu können. Patienten, die nicht davon profitieren, müssen somit keine Nebenwirkungen der Behandlung ertragen.“
Für Eierstockkrebs sind bereits etwa 50 verschiedene Biomarker auf dem Markt, die jedoch aufgrund von Problemen mit der europäischen Datenschutzgesetzgebung nicht erstattet werden: „Deshalb haben wir in Zusammenarbeit mit den Onkologen des Universitätsklinikums Löwen (UZ Leuven) einen eigenen Biomarker entwickelt. Dadurch haben wir nun in Belgien einen kostengünstigeren Biomarker. Der Biomarker und die zugehörige Therapie werden jetzt auch erstattet.“
Appetit und Stress
In der Kategorie Biowissenschaften geht der Preis an Patrice Cani (UC Louvain, das Louvain Drug Research Institute in Wallonisch-Brabant). Cani forscht zum Zusammenhang zwischen unserer Ernährung, den Bakterien in unserem Darm und Zivilisationskrankheiten. So entdeckte er beispielsweise, dass das Bakterium Akkermansia muciniphila eine wichtige Rolle bei Fettleibigkeit spielt.
Außerdem wies er den Zusammenhang zwischen Darm und Gehirn nach. Sie sind miteinander verbunden - man denke dabei nur an den Zusammenhang zwischen Appetit und Stress. Doch das Gehirn kann auch die Zusammensetzung der Darmflora schnell anpassen.
Übrigens entdeckte Cani letztes Jahr ein völlig neues Darmbakterium, das Dysosmobacter welbionis.
Der belgische Nobelpreis?
Der Francqui-Collen-Preis wird von der Francqui-Stiftung verliehen und oft als belgischer Nobelpreis bezeichnet. Er wird seit 1932 jährlich für herausragende wissenschaftliche Leistungen vergeben. Neben dem Preisgeld erhalten die 250.000 €, die sie in weitere Forschungsprojekte fließen lassen müssen.
Der Preis wird abwechselnd an Wissenschaftler in den exakten Wissenschaften, den Geisteswissenschaften bzw. den Biowissenschaften und der Medizin verliehen. Im Bereich der Biowissenschaften und der Medizin trägt er den Namen Francqui-Collen-Preis, benannt nach Dr. Désiré Collen, einem langjährigen Förderer der biomedizinischen Grundlagenforschung in Belgien.
